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"Wir leben in einem vergessenen Stadtteil"

"Wir leben in einem vergessenen Stadtteil"

PRÜM. Seit Jahren bemühen sich Anlieger der Prümer Langemarckstraße, in der viele Familien mit Kindern wohnen, um eine Verkehrsberuhigung. Zwischenzeitlich eingebaute Tempo-Hemmschwellen wurden wieder abmontiert.

Auf denersten Blick befinden sich die Anlieger der Langemarckstraße, dievon der Tiergartenstraße bis zum Stadtwald führt, in einerkomfortablen Lage. Sie verfügen über eine eigene, gut ausgebaute"Umgehungsstraße". Diese Verbindung zur B 265 bei Walcherathstammt noch aus der Zeit, als die Amerikaner die Housing nutzten.Mit Schule, Kindergarten und Kaufhalle bildete das acht Hektargroße Areal damals eine kleine Stadt für sich. Nach dem Umbaugibt es dort "Betreutes Wohnen im Alter", die DRK-SozialstationPrüm, eine Beratungsstelle sowie eine Seniorenbegegnungsstätte.Nebenan betreibt die Lebenshilfe ein Wohnheim fürGeistigbehinderte. Die frühere Schule ist heute ein Ärztehaus.Dazu kommen drei Wohnblocks. Fehlender Bürgersteig zum Stadtwald

Begleiterscheinung dieser Umnutzung ist eine starke Zunahme des Verkehrs, denn die Langemarckstraße dient als Verbindung zur Innenstadt. Neben Stadtwald-Bewohnern fahren dort Patienten, Pflegedienstwagen, Busse von DRK und Lebenshilfe, Kindergartenbusse sowie Müll- und Glasentsorgungslastwagen. Hinzu kommt Durchgangsverkehr zur B 265 aus Tettenbusch-Wohngebieten. Die Folgen: Lärmbelästigung und massive Schäden. "Risse an Häusern und ständige Kanalbrüche zeigen, dass die Straße für diese Gesamtbelastung nicht ausgelegt ist", sagt Anlieger Hasso Juli. Er moniert auch die Praxis, dass Linien- und Reisebusfahrer den Stadtwald als Parkplatz nutzen und zu verschiedenen Tag- und Nachtzeiten von dort zu Einsätzen fahren - stets am Wohnheim vorbei und durch die Langemarckstraße. Die Absprache, stattdessen über die Umgehungsstraße zu fahren, wird laut Juli nicht mehr eingehalten.

Dem Abbau zweier mobiler Tempo-Hemmschwellen in der Langemarckstraße fiel auch eine Schwelle an der Verbindungsstraße "Am Stadtwald" zum Opfer - was Juli absolut nicht nachvollziehen kann. Er verweist auf die zahlreichen Senioren, Behinderten (teilweise Rollstuhlfahrer) und Gäste des Postferiendorfs, die dort zu Fuß unterwegs sind. Durch den nahen Spielplatz tummeln sich an der Straße auch besonders viele Kinder. Die Schwelle reduzierte die Geschwindigkeit der Fahrzeuge vor einer gepflasterten Querrinne, die Juli wegen der aus seiner Sicht unnötigen zusätzlichen Lärmbelastung schon lange ein Dorn im Auge ist: "Ohne Schwelle donnern die Fahrzeuge jetzt wieder ungebremst durch die Rinne, zumal davor kein Hinweisschild steht."

Das Oberflächenwasser könne mit Hilfe eines kleinen neuen Grabens ohne großen Aufwand in einen vorhandenen Straßengraben geleitet werden, um die Rinne vollends überflüssig zu machen.

Weiterer Streitpunkt: der Fußweg zwischen Langemarckstraße und Stadtwald. Ursprünglich gab es dort gar keinen Weg. Inzwischen wurde ein Provisorium angelegt, jedoch ohne Ausschilderung als Gehweg und ohne glatte Bitumen-Decke. Die Oberfläche ist so grobkörnig, dass Fußgänger, darunter Behinderte mit Gehhilfe, auf die Straße ausweichen. Dieses Verhalten wird durch den fehlenden Winterdienst auf dem Fußweg verstärkt. Um so gefährlicher wird es wiederum auf der Straße, zumal die mobile Hemmschwelle fehlt.

Die Situation an dieser Ecke wird durch weitere Umstände verschärft. So achten wohl die wenigsten Autofahrer bei der Fahrt stadteinwärts darauf, dass der Verkehr von der reinen Anliegerstraße Tettenbachweg vorfahrtsberechtigt ist (rechts vor links). Zudem stößt von der anderen Seite ein Verbindungsweg vom Kiefernweg an die Kreuzung. Autos werden zwar durch einen Poller an der Durchfahrt gehindert, Fahrrad- und Mopedfahrer nutzen den Weg jedoch gerne als Abkürzung. Das Problem: Auf der steilen Geröllstrecke lassen sich die Zweiräder vor der Kreuzung nicht kontrolliert bremsen. Gefährliche Zusammenstöße scheinen programmiert. "Dort müsste unbedingt eine Art Schranke hin", fordert Juli. Fußgänger, Rollstuhlfahrer und abgestiegene Radfahrer könnten entlang eines solches Absperrgeländers problem- und gefahrlos den Weg verlassen.

Keine Reaktion von der Behörde

Hasso Juli, auch Mitglied im Verkehrsausschuss des Stadtrats, hat all diese Kritikpunkte mehrfach bei der Verbandsgemeinde-Verwaltung sowie bei Stadtbürgermeister Hansgerd Haas vorgebracht. Auf Reaktionen wartete er vergeblich (siehe auch weiteren Artikel unten) . "Wir leben in einem vergessenen Stadtteil. Echte Fachleute müssten die gesamte Verkehrssituation vernünftig untersuchen und entsprechende Maßnahmen in die Wege leiten", wünscht sich Juli.

Die "Umgehungsstraße" sollte ursprünglich vom Stadtwald aus nicht nur bei Walcherath, sondern auch in der anderen Richtung stadtnah an die B 265 angeschlossen werden. Doch die Fahrbahn endet als Sackgasse hinter dem ersten Block der ehemaligen Housing. "Eine Fortführung dieser Straße wäre die Ideallösung, ist aber wegen der Kosten wohl nur Wunschdenken", sagt Juli. "Mit einem Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen wäre schon viel gewonnen. Die Rinne in der Fahrbahn muss weg. Wir brauchen einen richtigen Gehweg und eine Absperrung bei dem Steilstück."