"Wir leben von den Stammkunden"

Während sich die Prümer Einzelhändler in der Pfannstraße einhellig eine Neuordnung der Marktstände wünschen, fürchten die bisherigen Stammbeschicker in der Spiegelstraße massive Einbußen.

Bisher wird die Spiegelstraße in Prüm an Markttagen komplett bis zur Einmündung der Oberbergstraße (Bild) gesperrt. Viele Marktleute fordern, diese Regelung beizubehalten. TV-Foto: Marcus Hormes

Prüm. Folgender Vorstoß der Prümer Bürgerbewegung zieht Kreise: Die Marktleute sollen ihre Stände kompakter zwischen Tiergarten und Pfannstraße aufstellen, um einen attraktiven Rundgang und eine Öffnung der Spiegelstraße für den Verkehr zu ermöglichen (der TV berichtete). Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy erbat sich noch Zeit, um das zu prüfen. Derweil fielen die Reaktionen der Marktleute auf den Vorschlag zum Teil dramatisch aus. "Wird der Markt verlegt, wäre das für uns das Aus", sagt Hans-Georg Brämisch aus Niederstadtfeld. "Wir stehen seit mehr als 30 Jahren in der Spiegelstraße und würden Kunden verlieren, die gezielt zum Stand kommen." Der Prümer Markt sei ohnehin vom Umsatz her viel schwächer geworden, weil es im Umfeld zu viele Märkte gebe und "jeder alles überall zu jeder Zeit" bekomme.Künftig Livemusik beim Herbstmarkt?

"Eine Verlegung in eine tote Querstraße wäre der größte Fehler. Das funktioniert nicht", warnt Erwin Pfeiffer aus Gemünd. "Wenn wir in die Nebenstraße müssen, können wir gleich zu Hause bleiben", meint der Betreiber eines Postkarten-Stands."Wir leben von den 80 Prozent Stammkunden, die sind unsere Existenz. An einem neuen Standort bräuchten wir lange Zeit, bis die Kunden sich daran gewöhnt haben", gibt Gertrud Zombergs zu bedenken. Marktstände müssten im Vorbeifahren oder -gehen möglichst gut sichtbar sein.Manfred Henke aus Bitburg verkauft seit 30 Jahren Bekleidung beim Prümer Markt. Optimal fände er es, den ganzen Markt in die Hahnstraße zu verlegen und den Verkehr für diese Zeit über Kreuzerweg und Kalvarienbergstraße umzuleiten.Johann Hons sprudelt nur so vor Ideen. Der Pronsfelder schlägt vor, den schmalen Gehweg am Steinhäuser-Haus an Markt-Vormittagen zu verbreitern und die Tiergartenstraße dort halbseitig zu sperren. So könne der Tiergarten fußläufig besser an den Johannismarkt angebunden werden. "Wir leben von dem, was wir verkaufen. Wir müssen auf die besten Plätze, um überhaupt noch Kunden anzuziehen", stellt Hons fest. "Die Stadt müsste den Herbstmarkt zum Beispiel mit Livemusik beleben."Grüner Markt bisher auf dem Hahnplatz

Große Stände passten gar nicht in die schiefe und enge Pfannstraße. An den Monatsmärkten gehöre der grüne Markt auf den Johannismarkt statt auf den Hahnplatz. Das wünscht sich auch Günter Krämer. Die Bachstraße könne mit kleineren Ständen belegt, die Spiegelstraße erst oberhalb der Abzweigung Gartenstraße gesperrt werden, um Fahr- und Fußgängerbereich klarer zu trennen.Beim Mai-Markt war die bisherige Marktleiterin Marion Danner-Lenz letztmals im Einsatz. Hons und Krämer fordern: "Der neue Marktleiter muss jemand sein, der sich mit Märkten auskennt." Meinung Knifflige Aufgabe Das Thema Monatsmarkt in Prüm ist offenbar ein Feld, das bisher viel zu wenig beackert wurde. Die Prümer Bürgerbewegung hat eine Diskussion in Gang gesetzt, die konsequent zu Ende geführt werden muss. Eine echte Herausforderung für die Stadtbürgermeisterin und den Rat. Es geht darum, Ideen zu sammeln, zu prüfen sowie zwischen verschiedenen Teilinteressen und Modellen abzuwägen. Wenn der künftige Marktleiter nicht gleich zum Einstand in die Schusslinie geraten soll, muss die Politik klare Entscheidungen fällen. Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurück drehen: Einfache Märkte sind keine Publikumsmagnete mehr. Deshalb müssen sie so attraktiv wie möglich gestaltet werden, ohne den üblichen Verkehr in der Stadt durcheinander zu bringen und die ansässigen Geschäfte zu blockieren. m.hormes@volksfreund.deExtra "Ich war schon immer eine klare Verfechterin der Idee, die Pfannstraße in den Markt einzubeziehen", bekennt Katharina Schoden vom Uhren- und Schmuckgeschäft Lorse. "Die Kunden denken bisher, in die Pfannstraße bräuchten sie erst gar nicht zu gehen." Für Marktstände gebe es dort "Platz satt". Die Durchfahrt für den Rettungswagen sei nur eine Ausrede, denn der komme auch nicht in die Unterbergstraße. Zudem sei auch die Spiegelstraße nicht ebenerdig. (cus)