"Wir müssen auch unsere Mission erfüllen"
Wir wollen gute Nachbarn sein, halten uns an die Regeln und müssen doch fliegen, um unseren Auftrag zu erfüllen. Und das mache nun einmal Lärm. Colonel Lee T. Wight, Kommodore der Airbase Spangdahlem, wirbt im TV-Interview um Verständnis.
Spangdahlem. In den vergangenen Wochen haben sich zahlreiche Menschen über den Fluglärm amerikanischer Kampfjets beklagt. Unsere Redakteurin Katharina Hammermann sprach mit dem Kommodore Colonel Lee T. Wight über die geäußerten Vorwürfe.
Was halten Sie von den Beschwerden der einheimischen Bevölkerung? Können Sie das nachvollziehen?
Wight: Natürlich kann ich das verstehen. Jeder hat ein Recht, sich zu beschweren. Wir halten uns an die Regeln und wir tun alles was wir können, um der einheimischen Bevölkerung so weit es geht entgegenzukommen. Doch wir müssen auch unsere Mission erfüllen: Wir müssen trainieren, um bereit zu sein, all unsere Nationen gegen jede Art von Bedrohung verteidigen zu können.
Es gibt Vorwürfe, dass ihre Piloten die Regeln nicht einhalten. Was sagen Sie dazu?
Wight: Wir halten uns an die Regeln. Wenn jemand eine bestimmte Beschwerde hat, bitte lassen Sie es uns wissen und zwar mit Datum, Uhrzeit und dem Ort, an dem das Flugzeug gesehen wurde. Wir werden der Sache nachgehen und wenn sich herausstellt, dass etwas daran ist, dann können Sie sicher sein, dass ich die passenden Maßnahmen ergreifen werde. Wir wollen so gute Nachbarn sein, wie wir nur können.
Wie erklären Sie, dass sich so viele Menschen über Lärm beklagen? Hat sich denn irgendetwas verändert?
Wight: Die Frage, warum die Menschen in letzter Zeit mehr Fluglärm hören, ist leicht zu beantworten: Alle unsere Staffeln waren lange Zeit gar nicht hier. Die Leute hatten sich einfach daran gewöhnt, dass hier so gut wie gar nicht geflogen wurde. Nun sind sie zurück. Dabei fliegen wir derzeit noch nicht einmal so viel wie letztes Jahr. Wir sind einfach wieder zu Hause. Aber andere Flugzeuge nutzen auch den gleichen Luftraum, der ihnen vom deutschen Verteidigungsministerium zugewiesen wird.
Um die Bevölkerung vor Lärm zu schützen, weicht die deutsche Luftwaffe für Trainingsflüge auf extrem dünn besiedelte Regionen der USA aus. Trainiert die US-Luftwaffe in den USA normalerweise auch in so dicht besiedelten Gegenden wie unserer Region?
Wight: Es gibt eine Vielzahl von militärischen Übungsgebieten in den USA. Manche liegen über stärker, andere über schwach besiedelten Regionen. Ich habe keine Statistiken, mit denen ich das vergleichen könnte, bin aber in einigen Gegenden geflogen, die dieser hier durchaus ähnlich sind. Wir fliegen ohnehin nur dort, wo es uns die deutsche Regierung gestattet. Wir haben gar nicht die Wahl und nutzen den Luftraum, der uns zugewiesen wurde.
Einige Leserbriefschreiber berichten, dass der extrem laute sogenannte Nachbrenner auch über ihren Dörfern gezündet wird. Ist das nötig?
Wight: Es ist unsere eigene Auflage zu vermeiden, über den Dörfern zu fliegen. Aber es gibt auch Flugsicherheitsbestimmungen: Wir müssen über gewissen Geschwindigkeiten bleiben und in gewissen Situationen müssen wir beim Starten den Nachbrenner einschalten. Es gibt kein Gesetz, das uns verbieten würde, das oder irgendetwas anderes zu tun, was für ein sicheres Fliegen notwendig ist. Dennoch versuchen wir es immer zu vermeiden, direkt über Dörfer und Städte zu fliegen.
Wozu brauchen sie den Nachbrenner überhaupt?
Wight: Der Nachbrenner gibt zusätzlichen Schub. Wenn das Flugzeug schwer beladen ist brauchen wir das, um eine Geschwindigkeit zu erreichen, bei der der Start sicher ist. Je schneller wir eine gewisse Höhe erreichen, desto schneller kommen wir ja auch von den Gemeinden und den Menschen weg. Je schneller wir wegkommen, desto besser ist es. Aber wir benutzen den Nachbrenner nicht ständig, nicht in allen Situationen. Mir fällt es schwer zu glauben, dass ihn jemand direkt über einem Dorf eingeschaltet haben soll. Aber es kann natürlich sein, dass er ihn in einer Platzrunde benötigt hat oder jemand in einer Notsituation war und den Schub einfach brauchte. Nochmal: Es ist nicht verboten, den Nachbrenner einzusetzen.
Werden die Piloten angehalten, bei ihren Flugübungen an den Lärm zu denken, den sie verursachen?
Wight: Absolut. Wir gehen sicher, dass sie alle Bestimmungen kennen. Sie wissen, wo die lärmempfindlichen Regionen liegen, und vor jedem Flug briefen wir sie darüber, wie Lärm vermieden werden kann.
Wie wollen Sie reagieren? Wird sich in Sachen Fluglärm etwas ändern?
Wight: Nochmals: Wir befolgen die Regeln und werden das weiterhin tun. Wenn jemand sie verletzt, dann werden wir der Sache nachgehen. Wir werden auch überprüfen, ob es noch weitere Wege gibt, den Lärm zu reduzieren. Aber die Menschen müssen verstehen: Wir müssen trainieren, um unsere Nationen zu schützen und das wird Lärm verursachen, auch wenn wir unser Bestes tun, um ihn so gering wie möglich zu halten.