"Wir nehmen keinem etwas weg"

"Wir nehmen keinem etwas weg"

BITBURG/PRÜM. 21 Stimmen der CDU-Kreistagsfraktion plus Landrat haben genügt, um einen Antrag zur Umbenennung des Landkreises auf den Weg nach Mainz zu bringen. SPD, FWG, FDP und Grüne hatten vergeblich gegen die Initiative argumentiert.

Sitzungssaal der Kreisverwaltung, kurz nach 11 Uhr am Montagmorgen. Die CDU-Fraktion, die über die absolute Mehrheit im Kreistag verfügt, will ihren seit Wochen umstrittenen Antrag endgültig durchboxen. "Es geht um die Unterstützung der Gesamtvermarktung", bringt Michael Billen, Erster Kreisbeigeordneter und CDU-Mandatsträger, das Anliegen auf den Punkt. SPD-Fraktionssprecher Bernd Spindler sieht einen anderen Grund für die CDU-Initiative: "Auf Biegen und Brechen und aus Trotz heraus muss der Name Vulkaneifelkreis für Daun verhindert werden.""So prickelnd wie eine lange Männerunterhose"

Zentraleifelkreis? "So prickelnd wie eine lange Männerunterhose auf der Wäscheleine." Eifelkreis? "Der Alleinvertretungsanspruch ist anmaßend und überheblich." Der Name Bitburg-Prüm dagegen sei ein hervorragender Botschafter guter Produkte, betont Spindler. Bitburg-Prüm umfasse nur ein knappes Viertel der gesamten Eifel, sagt Marie-Luise Niewodziczanska (FDP). Eine Verwaltungsreform bringe voraussichtlich größere Kreise: "Warum den zweiten Schritt vor dem ersten machen? Und warum hat man sich nicht mit den Nachbarkreisen an einen Tisch gesetzt?" Auch Regino Esch (Bündnis 90/Die Grünen) verweist auf die erwartete Verwaltungsreform. Erst danach sei "Eifel" prädestiniert als Name für eine neue Einheit. Im Vorfeld seien Umbenennungskosten für die Kreisverwaltung, Vereine und Verbände überflüssig. "Mit ihrer Festlegung auf Vulkaneifelkreis haben sich die Dauner von unserer gemeinsamen Idee zur Vermarktung der Eifel entfernt", kritisiert Joachim Streit (FWG). "Wir laufen Gefahr, zu dieser Entfremdung beizutragen." Die Leserbriefe im Trierischen Volksfreund zu dem Thema sprächen Bände. Billens letzte Widerrede: "Es geht nicht gegen den Kreis Daun oder eine Verwaltungsreform. Wir nehmen keinem etwas weg, sondern ermöglichen auch allen anderen, damit zu werben." Von Einigung weiterhin keine Spur, eine Kette von Kampfabstimmungen muss die Entscheidung bringen. Dabei zieht der bunte Block aus SPD, FWG, Bündnisgrünen und FDP jeweils den Kürzeren gegen die Vormacht CDU. Der SPD-Antrag auf geheime Abstimmung über eine Vertagung des Tagesordnungspunkts scheitert ebenso wie die Vertagung selbst, um Bürger und betroffene Wirtschaftskreise in den Prozess einbeziehen zu können. Das gleiche Schicksal ereilt den SPD-Antrag auf namentliche Abstimmung. Schließlich geht "Eifelkreis Bitburg-Prüm" mit 22:19 Stimmen durch. In der CDU-Fraktion enthält sich nur die Prümer Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy der Stimme. Auch Landrat Roger Graef (CDU), der sich bis dahin völlig bedeckt gehalten hat, hebt die Hand für den "Eifelkreis". Ob die Kreisnamen in Daun und Bitburg-Prüm tatsächlich geändert werden, muss das Mainzer Innenministerium ermessen und entscheiden. Gemäß der Landkreisordnung geht es dabei um Gründe des Gemeinwohls. Dazu werden voraussichtlich die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier, das Statistische Landesamt, das Landesarchiv und die Landesplanungsbehörde gehört. Mit dem Ergebnis ist in drei bis vier Monaten zu rechnen.

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