1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Wo das Grün nicht mehr ganz so grün ist

Wo das Grün nicht mehr ganz so grün ist

15 Jahre lang sollte der Kunstrasen auf dem Fußballplatz am Ostring eigentlich halten. Doch der Platz sei schon jetzt völlig hinüber, sagt Alexander Jutz vom FC Bitburg. Der Grund: Das Feld sei überbelegt. Jetzt wünscht sich Jutz, dass die Stadt sich des Problems annimmt.

Der Junge im gelben Leibchen dribbelt. Der Schweiß tropft ihm von der Stirn. Er läuft im Kreis, kickt den Ball vor sich her. "Jetzt gebt mal Gas, Leute!", ruft Raiko Stojicevic ihm und den anderen zu: "Lauft, lauft, lauft!" Er trainiert die C-Jugend des FC-Bitburg. Viel Platz hat seine Mannschaft heute nicht. Nur auf einem Eckchen des Kunstrasenplatzes dürfen die Nachwuchskicker sich austoben. Denn heute sind sie, wie jeden Tag in diesem Winter, nicht alleine am Ostring. Sie müssen sich die Anlage mit fünf weiteren Mannschaften teilen.

Am rechten Spielfeldrand dehnen sich ein paar junge Spieler, weiter hinten schießt einer aufs Tor. Von Weitem, im Schein der Flutlichter, sieht der Platz aus wie ein Wimmelbild: Fußballer in neonfarbenen Leibchen und neonfarbenen Tretern wuseln über das Grün, das so grün nicht mehr ist.

"Da siehst du überall das Granulat durch", sagt Trainer Stojicevic. Und tatsächlich: Rasen ist fast keiner mehr zu erkennen. Vereinzelte Büschel stehen in einem Meer aus schwarzen Gummikügelchen. Und auf diesem Untergrund finden die Stollen der Fußballschuhe keinen Halt, sagt der Trainer: "Die Verletzungsgefahr steigt. Da muss langsam was passieren!" Und Stojicevic ist nicht der Einzige beim FC Bitburg, der sich über den Zustand des Platzes beklagt - über die Wellen im Boden, die umgeknickten Plastikhalme.

Auch Alexander Jutz, zweiter Vorsitzender des FC Bitburg findet: "Der Kunstrasenplatz muss dringend saniert werden." Dieses Anliegen hat er auch im Bauausschuss der Stadt vorgetragen. Zwar könne im Augenblick noch dort gespielt werden. In spätestens zwei Jahren aber, schätzt Jutz, wird die Sportstätte hinüber sein. Und dann müsse ein neuer Gummiteppich her. Dabei halte ein solcher Platz in der Regel bis zu 15 Jahre. Und dieser hier nur fünf?

Ja, sagt Jutz. Das Feld werde einfach zu viel beansprucht. Täglich nutzen 6-7 Spielgruppen die Anlage zum Training. Von 5 bis 22 Uhr wird hier gelaufen, geschossen, gegrätscht. Und wie kommt es zu dieser Überbelegung? Das hat einen einfachen Grund: Im Winter werde nicht nur der Bitburger Rasenplatz geschont, sondern auch die Anlagen in den Stadtteilen Mötsch und Stahl, sagt Jutz: "Und die kommen dann alle zu uns." Der Funktionär wünscht sich deshalb nicht nur die Restauration des Kunstrasens, sondern auch einen Ausweichplatz. Und was sagt man im Rathaus dazu?

Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf. Der Platz befinde sich nach wie vor in einem "gut bespielbaren Zustand", beantwortet Pressesprecher Werner Krämer die Anfrage des TV. Hinsichtlich eines Ausweichplatzes zeigt sich die Verwaltung aber offen: "Wünschenswert wäre ein weiterer Kunstrasenplatz, der auch schon im Konzept für die Bewerbung zur Landesgartenschau 2022 enthalten war." Ob dafür genug Geld da ist, sei aber unklar. ?

Aber Jutz sieht noch einen weiteren Grund für die Sanierung. Er glaubt, dass das Granulat unter den Halmen giftig sein könnte. Diversen Medienberichten zufolge enthält das Material, das aus alten Autoreifen hergestellt wird, krebserregende Stoffe. Wer auf dem synthetischen Rasen hinfalle, komme mit diesen in Kontakt. Und außerdem: "Wer sagt denn, dass das Zeug nicht auch über die Schleimhäute reinkommt?" Jutz: Im Sommer beiße der Gestank des Gummis in der Nase. Das könne doch nicht gesund sein. Gesund vielleicht nicht - aber zumindest ungefährlich. Das bestätigen zumindest Gutachter, die den Bitburger Platz geprüft haben. Die Stadt hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben. Auch der Hersteller Genan nimmt Stellung zu den Vorwürfen: "Es ist hinreichend wissenschaftlich erwiesen, dass Einstreugranulate aus Altreifen kein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellen."

Na, wenn das so ist, kann die C-Jugend ja erstmal unbeschwert weiterkicken. Für heute ist das Training zwar vorbei. Als die Jungs in die Kabine gehen, steigen jedoch schon die nächsten an der Straße aus. Sporttaschen und Rucksäcke baumeln von ihren Schultern. In ein paar Minuten werden auch sie über den Kunstrasen laufen, wie jede Woche - zumindest bis zum 22. Dezember. Denn dann beginnt die Winterpause. Es ist eine Schonfrist, die wohl nicht nur die Spieler nötig haben.

Meinung
Christian Altmayer

Schnell handeln

Ja, auf dem Kunstrasenplatz kann - zumindest im Augenblick - noch gespielt werden. Und nein, das Streugranulat ist offenbar nicht giftig. So dringend ist die Sanierung des Spielfeldes am Ostring also noch nicht. Aber die Betonung liegt hier auf dem "noch". Denn, dass ein neuer Gummiteppich her muss, kann niemand bestreiten, der sich den Platz aus der Nähe angesehen hat.

Die Stadt hat jetzt vielleicht noch ein bis zwei Jahre Zeit, bis man dort nicht mehr kicken kann. Mit etwas Pech fällt das Grün im Winter aus, also dann, wenn es dringend gebraucht wird. Damit das nicht passiert, sollte die Verwaltung schnell handeln. Sonst wird der Zustand des Spielfeldes wirklich zum Problem. Ob das in der Schonfrist von Dezember bis Januar noch klappen kann? Eher nicht. Aber vielleicht im Sommer, wenn wieder mehr auf dem Naturrasen gespielt wird.

c.altmayer@volksfreund.de