Wo Helfen mehr als 110 Jahre Tradition hat

Wo Helfen mehr als 110 Jahre Tradition hat

Neben der Brandbekämpfung wird mehr und mehr die technische Hilfeleistung zum Haupteinsatzgebiet der Freiwilligen Feuerwehren. Zum 110. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Röhl, der am 27. und 28. August kräftig gefeiert wird, erklärt Schriftführer Marco Banz im TV, wie die Arbeit der freiwilligen Helfer in der Gegenwart aussieht.

Röhl/Sülm. Wer nahe Röhl (VG Bitburger Land) mit seinem Auto verunglückt oder dessen Keller nach einem Unwetter überflutet wird, der kann sich auf eines verlassen: Die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr, sobald sie alarmiert sind, rücken aus, um zu helfen, kostenlos, rund um die Uhr. Und das seit nunmehr 110 Jahren, was die Kameraden am 27. und 28. August mit einem großen Fest (siehe Extra) in Röhl feiern möchten.
Den 110. Geburtstag nutzt der TV nicht nur für einen kurzen historischen Rückblick (siehe Hintergrund) auf die Kameradschaft, sondern auch dazu nachzufragen, wie es um die Freiwillige Feuerwehr Röhl im Jahr 2016 bestellt ist. "Wir haben 20 aktive Mitglieder, 14 Alterskameraden und gemeinsam mit der Ortsgemeinde Sülm sieben Mitglieder in der Jugendfeuerwehr", erklärt Schriftführer Marco Banz.
Eine feste Gemeinschaft


Vor 15 Jahren habe die Mitgliederzahl noch bei etwa 30 Aktiven gelegen. Warum das so ist? "Es wird schwieriger, an Nachwuchs heranzukommen", erklärt Banz. "Jugendliche haben heutzutage so viele Freizeitangebote. Da muss sich die Feuerwehr schon etwas einfallen lassen."
Wie kommt die Feuerwehr Röhl denn an Jugendliche ran? "Wir bieten seit jeher Gemeinschaft und Kameradschaft und versuchen Jugendliche, von denen viele lieber allein vor ihrer Spielekonsole hocken, von dort wegzuziehen und so an uns zu binden." Dazu veranstalte die Freiwillige Feuerwehr zum Beispiel Zeltlager, "wo sie die Gemeinschaft in der Kameradschaft spüren können".
Daneben habe die Feuerwehr noch weit mehr zu bieten, meint Banz. Was fasziniert Mitglieder an der Wehr? "Ich sage mal: Es macht Spaß, den Leuten zu helfen, mit der Technik zu arbeiten. Das macht die Feuerwehr aus."
Doch innerhalb der 110 Jahre, welche die Freiwillige Feuerwehr Röhl mittlerweile auf dem Buckel hat, haben sich die Aufgaben der Feuerwehr und damit die Herausforderungen für die Wehrleute sehr verändert, erklärt Banz.
"Eigentlich weg vom Feuer und der Brandbekämpfung, was nur noch einen sehr geringen Teil unserer Arbeit ausmacht, hin zur technischen Hilfeleistung", die mittlerweile den Großteil der Einsätze ausmache.
Doch was versteht Banz unter technischer Hilfeleistung? "Das sind Unwetter-Einsätze wie Sturmschäden, umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller nach Starkregen. Ich denke, dass der Klimawandel dafür verantwortlich ist." Natürlich gehören auch Einsätze bei Unfällen im Straßenverkehr zu den Herausforderungen der Wehrleute im Jahr 2016.
Die Ausstattung der Feuerwehr sei für ihre Pflichtaufgaben ausreichend, meint Banz. "Aber an manche spezielle technische Geräte, die unsere Arbeit enorm erleichtern, können wir nur über Spenden oder Kameraden, die das der Mannschaft zur Verfügung stellen, rankommen." So konnte zum Beispiel eine Tauchpumpe angeschafft werden, die bei den Starkregenereignissen der vergangenen Monate bereits zum Einsatz kam. cmo
Extra

Die 110-jährige Geschichte der FFW Röhl wird am 27. und 28. August am Gemeindehaus Röhl gefeiert. Samstag, 18 Uhr: Eröffnung des Bierstandes, 20 Uhr: Begrüßung der Ehrengäste und Gastwehren, im Anschluss gibt es ein Konzert des Musikvereins Eifelland Röhl, 21.30 Uhr: Eröffnung der Sektbar, 22 Uhr: Tanzmusik. Sonntag, 10 Uhr: Frühschoppen mit dem Spielmannszug Matzen, 12 Uhr: Mittagessen und anschließend gibt es Kaffee und Kuchen, 13.30 Uhr: Schauübung der Jugendfeuerwehr Sülm, 15 Uhr: Feuerwehrkapelle Neidenbach, 16.30 Uhr: Tanzvorführung der Tanzgruppen der Eintracht Dist, nachmittags: Vorführung diverser Brandsimulationen - zum Beispiel ein Fettbrand in der Küche. redExtra

Im Jahr 1906 wurde aus der damaligen Pflichtfeuerwehr die Freiwillige Feuerwehr Röhl gegründet. Sie war die erste Freiwillige Wehr im Bezirk des früheren Amtes Bitburg-Land. Der Erste Weltkrieg hinterließ in ihren Reihen große Lücken. 1924 wurde die Wehr neu organisiert. Mit dem Zweiten Weltkrieg kam wieder eine harte Zeit für die Feuerwehrmänner, welche überwiegend zum Militär eingezogen wurden. In den Nachkriegsjahren wurde die Wehr mit Tragkraftspritzen und Gerätewagen technisch besser ausgerüstet. 1964 bekam die FFW Röhl eine neue Fahne mit dem Leitspruch "Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr". Sie ist bis heute fester Bestandteil im Vereinswesen und darf bei keiner Veranstaltung fehlen. Zum letzten großen Umbau des Gerätehauses kam es dann anlässlich des 90-jährigen Stiftungsfestes 1996. In vielen Stunden renovierten die Kameraden die in die Jahre gekommene Unterkunft. 2011 konnte die Wehr dank der Unterstützung von Bürgern, Kameraden und Verwaltung vier Atemschutzgeräte in Empfang nehmen. In der Jugendarbeit kooperieren die Röhler mit den Sülmern. Die Geschicke der Feuerwehr werden von Wehrführer Lambert Laurinat und dessen Stellvertreter Heinz-Dieter Thommes gelenkt. cmo