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Wo kein Hahn kräht und höchstens die Sirene heult

Wo kein Hahn kräht und höchstens die Sirene heult

Im Eifelkreis gibt es 217 Feuerwehreinheiten. Darunter auch etliche, die in den Einsatzstatistiken der Verbandsgemeinden so gut wie nie auftauchen. Gleichzeitig haben viele Wehren Nachwuchssorgen, und ein Großteil der Löschgruppen wird von Wehrführern geleitet, denen die entsprechende Ausbildung fehlt. Vielleicht ist es an der Zeit, über eine Reduzierung der Wehren nachzudenken.

Bitburg-Prüm. Es war eine der letzten Haushaltssitzungen vor der großen Fusion, als aus den Reihen des Verbandsgemeinderats Bitburg-Land ein Vorschlag geäußert wurde, der nicht wirklich gut ankam. In seiner Haushaltsrede regte ein Ratsmitglied an, die mehr als 260 000 Euro, die im VG-Haushalt für den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses in Wißmannsdorf eingeplant waren, doch lieber in die Sanierung der Schulen zu investieren. Der Vorstoß fand keine Mehrheit. Und der Haushaltsplan wurde - so wie von der Verwaltung vorgelegt -beschlossen. Es gab lediglich zwei Gegenstimmen. Inzwischen ist das Wißmannsdorfer Gerätehaus längst errichtet.
Man kann darüber streiten, ob es weitsichtig war, in einem Ortskern, in dem kaum junge Familien wohnen und nun im Zuge einer großen Straßenbaumaßnahme auch noch zwei Häuser abgerissen wurden, gemeindeeigenes Bauland für die Errichtung eines Feuerwehrgerätehauses zur Verfügung zu stellen. Und man kann auch darüber streiten, ob ein Dorf mit knapp 420 Einwohnern ein derart großes Feuerwehrhaus benötigt. Unbestritten ist allerdings, dass das dreistöckige Gebäude extrem schnell und mit enorm viel Eigenleistung errichtet wurde.
Niemand will Wehrführer sein


Die Feuerwehr in Wißmannsdorf ist personell gut aufgestellt und auch in der Brauchtumspflege sehr aktiv. Und weil das so ist, wird darauf verzichtet, gewisse Dinge infrage zu stellen. In Feilsdorf ist das anders. Dort käme niemand auf die Idee, ein neues Feuerwehrgerätehaus zu errichten. Denn dort gibt es seit gut einem Jahr keine Feuerwehr mehr. Der 30-Einwohner-Gemeinde sind die Freiwilligen ausgegangen, weshalb ein Schlussstrich gezogen wurde. Jetzt wird Feilsdorf von der Feuerwehr Baustert-Brimingen-Hisel mitversorgt. Ginge es nach Wehrführer Werner Irsch aus Baustert, so würde man die drei Spritzenhäuschen in Feilsdorf, Hisel und Brimingen verkaufen und den Erlös in den Ausbau des Gerätehauses in Baustert investieren. Dann hätte man wenigstens ein Gebäude mit ausreichend Platz. "Es gibt nur wenige Gerätehäuser, die den Vorgaben entsprechen", sagt Irsch, der als Berufsfeuerwehrmann in Köln arbeitet. Die meisten Gebäude seien entweder zu schmal oder zu kurz oder hätten ein zu kleines Tor, erklärt der Wehrführer. "Aber die VG kann ja nicht anfangen, alles neu- und umzubauen", sagt er. "Das wäre ein Fass ohne Boden." Zumal viele Gemeinden das Problem haben, überhaupt genügend Feuerwehrleute zusammenzubekommen. Oder jemanden zu finden, der die Einheit leitet.
In Brimingen beispielsweise will keiner Wehrführer sein. Und deswegen hat Irsch die Aufgabe übernommen. Für Fälle wie Brimingen und Feilsdorf gibt es eine Lösung. Oder besser gesagt: Es gibt eine Regelung. So sieht das Landesgesetz über den Brandschutz, die allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz vor, dass in jeder Gemeinde eine Feuerwehr eingerichtet werden muss.
Und dass die Bürger zum Brandschutz auch verpflichtet werden können. Kreisfeuerwehrinspekteur Jürgen Larisch kennt die Verordnung. "Nur was bringt es, jemanden zu animieren, der keine Lust hat?", fragt er. 2003 gab es im Eifelkreis noch 226 Löschgruppen mit gut 4000 Leuten. Inzwischen sind es 200 Feuerwehrmänner und -frauen weniger, und die Zahl der Wehren hat sich auf 217 reduziert. Die Entwicklung ist also rückläufig. Doch benötigt ein Kreis mit 235 Gemeinden, von denen mehr als ein Drittel weniger als 100 Einwohner hat, so viele Wehren? Muss wirklich in jedem noch so kleinen Dorf ein Gerätehaus samt Fahrzeug stehen, wenn es auf der anderen Seite Nachwuchsprobleme gibt und immer mehr Wehrführer überhaupt nicht über die erforderliche Ausbildung verfügen? Jürgen Larisch antwortet darauf mit einem klaren Ja.
"Wenn wir die kleinen Wehren zumachen, werden wir der gesetzlich vorgeschriebenen Einsatzgrundzeit von derzeit acht und zukünftig zehn Minuten nicht mehr gerecht", erklärt der Kreisfeuerwehrinspekteur. Zudem verfügten die einheimischen Feuerwehrleute über wichtige Ortskenntnisse, die im Notfall entscheidend sein könnten, fügt Larisch hinzu. Von der sozialen und kulturellen Bedeutung fürs Dorfleben mal ganz abgesehen.
Sparen bei Gerätehäusern


Aus finanziellen Gründen über eine Reduzierung der Einheiten nachzudenken hält Larisch genau wie Irsch für einen fatalen Ansatz. Denn das würde irgendwann zur Einführung einer Berufsfeuerwehr für den ländlichen Raum führen. "Die größten Kosten sind die Personalkosten", sagt Larisch. "Doch bei einer freiwilligen Feuerwehr fallen diese Kosten erst gar nicht an."
Auch bei den Fahrzeugen werde gespart. So hätten 93 der 217 Wehren kein Auto, sondern lediglich einen Tragkraftspritzenanhänger. "Ich ärgere mich immer, wenn bei der Neuanschaffung eines Fahrzeugs so getan wird, als wäre es ein neues Spielzeug für die Feuerwehr", sagt Larisch. "Dabei sind es nicht wir, die Danke sagen sollten, sondern die Bevölkerung", meint er. "Danke dafür, dass ihr auf diesem Fahrzeug eure Freizeit opfert." Einsparpotenzial sieht er bei den Gerätehäusern. "Wir haben Bauten, die so nicht gebraucht werden." "Wenn man den Anspruch hat, es architektonisch schön zu machen, wird es schwierig", sagt Larisch. "Ein einfacher, den Bedürfnissen angepasster Zweckbau tut es auch."Extra

Nach Auskunft des Innenministeriums hat das Land in den Jahren 2011 bis 2015 die Feuerwehren im Eifelkreis mit insgesamt rund zwei Millionen Euro bezuschusst. Weitere 366 000 Euro stehen für dieses Jahr im Plan. Finanziert wurde in den vergangenen Jahren vor allem die Anschaffung von Fahrzeugen. In acht Fällen floss die Landesbeteiligung als direkter Zuschuss für den Neu- oder Umbau von Feuerwehrgerätehäusern. uheExtra

Es gibt im Eifelkreis bereits einige Gemeinden mit einer gemeinsamen Feuerwehr. Neben der Löschgruppe Baustert-Brimingen-Hisel finden sich diese vor allem im Bereich der ehemaligen Verbandsgemeinde Neuerburg (jetzt VG Südeifel). Dazu zählen die Feuerwehr einheiten Karlshausen-Scheitenkorb-Sevenig, Uppershausen-Berkoth-Scheuern oder aber Rodershausen-Dauwelshausen-Waldhof-Keppeshausen. uhe