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Wo Orgel und Literatur sich treffen

Kultur : Eine Hommage an Hanns Dieter Hüsch in der Basilika Prüm

Rezitator Horst W. Hablitz, Regionalkantor Christoph Schömig und die Sängerin Ramona Zimmermann gelingt ein feiner Abend mit Texten und Gedichten von Hanns Dieter Hüsch in der Basilika Prüm.

Autor, Liedermacher, Kabarettist, Schauspieler, Rundfunkmoderator und Synchronsprecher. Der 1925 in Moers am Niederrhein geborene Hanns Dieter Hüsch vereinte all das in einer Person. Nebenbei bereiste er geschlagene 53 Jahre die Kabarettbühnen der Republik und schrieb sich 70 Programme. Die Produktivität des wohl erfolgreichsten literarischen Kabarettisten Deutschlands stoppte ein schwerer Schlaganfall im Jahr 2001, vier Jahre später verstarb Hüsch achtzigjährig.

Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau ehrte ihn als als „Poeten unter den Kabarettisten“, Hüsch nannte sich selbst lieber einen „Vorlesekunst-Philosophen“ und „literarischen Entertainer“ - mit detailliertem Blick auf die „kleinen Leute“ vom Niederrhein, deren Wesen und Weltansichten er einem großen Publikum gerne nahe brachte. Hier schließt sich ein Kreis: Denn zwei weitere Niederrheiner, die es aus Wesel in die große, weite Welt verschlagen hat, widmen sich am Sonntag dem Werk Hüschs.

Der Prümer Regionalkantor Christoph Schömig und der Rezitator Horst W. Hablitz, der inzwischen in Zürich lebt, kennen sich bereits seit Schultagen und für beide haben die Texte des Autors Hüsch eine besondere Bedeutung. „Sie sind immer wieder neu und immer wieder aktuell“, sagt Hablitz. „Wie eine Jeans, die auch nach Jahren noch passt. Egal, wie viel man zugenommen hat.“

Hablitz, heute im Hauptberuf Psychologe, ist Hüsch mehrfach im nahen Moers begegnet. „Das war ein toller Mensch, so toll wie seine Texte“, sagt er. „Fast wie ein Guru für mich.“ Für Schömig sind die Texte des „Vorlesekunst-Philosophen“ schlicht ein Teil seiner Jugend. „In der Zeit vor dem Abitur haben wir alles rauf und runter gelesen, was Hüsch geschrieben hat.“

Das Programm, das Hablitz und Schömig für die Reihe „Geistliche Konzerte St. Salvator“ gemeinsam erarbeitet haben, ist eine Symbiose aus Text und Musik. „Ich sing für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten“, rezitiert Horst W. Hablitz - Schömig und die Sängerin Ramona Zimmermann antworten mit dem Lied „Ich möchte singen können“ des Komponisten und Texters Peter Janssens. „Janssens stammte aus Telgte“, erklärt Christoph Schömig. „Ich bin mir nicht sicher ob er und Hüsch sich gekannt haben, aber sie hätten sich gemocht.“

Die Qualität der Liedtexte spreche dafür, dass Janssens dem Autor Hüsch zumindest aufgefallen sein könnte. Ganz zu Beginn, noch bevor Hüschs Worte erklingen, lässt Schömig die Orgel der Basilika vom Zaum: „Satyagraha, das beharrliche Festhalten an der Wahrheit“, ein fast neun Minuten langes Werk des amerikanischen Minimal-Music-Komponisten Phillip Glass läutet den Abend mächtig ein. Am Festhalten an der Wahrheit hatte Hanns Dieter Hüsch immer seine Freude, auch wenn er - was gar nicht so selten vorkam - in Kirchen auftrat und mit seinen Worten schon mal aneckte.

Die letzten Zeilen gehören dem Autor Hüsch, der in seinen 1990 erschienenen Memoiren „Du kommst auch drin vor“ schrieb:

„Kapitulation oft - Resignation nie - Optimismus ungern - Zuversicht immer.“

Am Sonntag, 22. November, um 17 Uhr findet im Rahmen der Basilikakonzerte das Chorkonzert „Even when He is silent“ statt. Pandemiebedingt wird dabei der Kammerchor Westeifel, der aus rund 60 Sängerinnen und Sängern besteht, aufgeteilt und in zwei Gruppen singen. Aufgeführt werden Werke von Ola Gjeilo, Rudolf Mauersberger, Bob Chilcott, Kim Andreé Arnesen, Frank Ticheli, Carles Villiers Stanford, Andrej Makor und Joseph Rheinberger.