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"Wo soll hier Stress aufkommen ...?"

"Wo soll hier Stress aufkommen ...?"

Trotz des unbeständigen Wetters haben sich Tausende bei der Tour de Ahrtal auf die Bundesstraße gewagt. Herausgekommen ist eine Mischung aus Sport und Spaß, die die Teilnehmer sichtlich genossen.

Blankenheim. Die zehn Gänse von Hartmut Heyne machen einmal im Jahr einen Betriebsausflug. "Dann dürfen sie auch über die Bundesstraße schlendern", sagte Heyne. Ansonsten sind die Tiere auf den Weiden in Neuhof zu Hause. Über den Ausflug freute sich nicht nur das Federvieh. Auch die Teilnehmer der Tour de Ahrtal hatten ihren Spaß und legten für die Gänse einen Stopp ein. "Das ist doch besser als im Zoo", freuten sich die Radler. "Das gibt es mitten in der Natur - und zwar kostenlos."
Mischung aus Sport und Spaß


Neben Gänsen bevölkerten erneut 20 000 Radfahrer, Wanderer und Inlineskater die für den Autoverkehr gesperrte B 258/L 73 entlang der Ahr. Familien, Freunde und Sportgruppen machten sich auf den Weg. Doch bevor in Blankenheim der Startschuss abgefeuert wurde, fragten sich viele, wie sie sich kleiden sollten. Die Wolken machten es nicht leicht, sich für oder gegen Regenjacke, lange Hose und Pulli zu entscheiden. "Ich weiß wirklich nicht, ob ich den Ballast mit mir rumschleppen soll. Also bin ich optimistisch", befand ein Frechener Skater.
Der Optimismus war angebracht: Nachdem Blankenheims Bürgermeister Rolf Hartmann allen "viel Spaß und eine gesunde Rückkehr" gewünscht hatte, brach die Sonne durch die Wolken. Was folgte war eine Mischung aus Sport und Spaß.
Mit großen sportlichen Ambitionen waren zahlreiche Rennradfahrer unterwegs, die es genossen, die Straße in der vollen Breite zu befahren. "Heute können wir richtig Windschatten fahren, ohne Angst vor Autos oder heranfliegenden Motorrädern haben zu müssen."
Ein wenig langsamer radelte Winfried Schruff mit seiner Frau. "Wir trimmen uns heute etwas. Dafür bietet sich die Strecke einfach an." Für die beiden ist die Tour de Ahrtal eine perfekte Möglichkeit, sich auf die nächste Radwander-Tour vorzubereiten. "Außer an Elbe und Donau sind wir in Deutschland bereits an fast allen Flüssen entlanggeradelt."
Neben dem Ehepaar, das alljährlich bei der Tour "eine Runde dreht", hatten viele eine längere Anreise - die sie teils mit Bus und Bahn in Angriff genommen hatten. "Ich bin mit dem Zug gekommen und nehme zum ersten Mal an der Tour teil", sagte Horst Katey aus Bad Breisig und schilderte während der Fahrt seine Eindrücke. "Meine Frau wollte nicht mit, weil es ihr zu stressig war. Aber ich weiß bis jetzt nicht, wo hier Stress aufkommen soll. Es ist alles perfekt organisiert und die Leute unterwegs sind super nett. Man kommt ohne Probleme ins Plaudern." Geplaudert wurde auch in den großen Gruppen, die geschlossen unterwegs waren. "Wir haben unseren Spaß - auch wenn wir gerade feststellen, dass der Wind leider aus der falschen Richtung kommt", stellte die Radlergruppe Löhr fest. Und wenn der Gegenwind doch zu stark wurde, die Beine keine Lust mehr hatten, der Magen knurrte oder es Zeit für ein Foto war, wurden die Wiesen zu Liegewiesen, die Leitplanken zu Sitzgelegenheiten oder die Verpflegungsstände angesteuert. "Wir müssen diese Möglichkeiten doch ausnutzen", befand nicht nur Roman Moroz. ron/vju