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Wo viel Wald, da viel Wild: Hohes Risiko wegen liebestoller Rehböcke auf den Straßen im Eifelkreis

Wo viel Wald, da viel Wild: Hohes Risiko wegen liebestoller Rehböcke auf den Straßen im Eifelkreis

Etwa ein Drittel aller Verkehrsunfälle im Eifelkreis sind auf unschöne Begegnungen mit Wildtieren zurückzuführen. Kreisjagdmeister Gerd Grebener rät zu umsichtigem Autofahren - gerade jetzt, wo die Paarungszeit der Rehe begonnen hat.

Bitburg/Prüm. Heiße Sommertage haben ihre Vor- und Nachteile. Die meisten Tage im Büro werden durch die bisweilen anstrengenden Außentemperaturen nicht besser - ganz klar ein Nachteil. Vorteilhaft hingegen: die lauen Abende, an denen es sich lange im Garten sitzen lässt, bis die Sonne über dem Eifelkreis untergeht und die Dunkelheit die Dämmerung ablöst. Wie idyllisch.

Nicht so für die im Kreis lebenden Rehböcke und Ricken. Denn für die bedeuten jene heißen Tage Ende Juli/Anfang August nichts anderes als Stress. "Die sind voll im Liebesrausch, hören und sehen nichts mehr", sagt Kreisjagdmeister Gerd Grebener. Mutet romantisch an, ist es aber mitnichten. Im Gegenteil: "Das ist gefährlich - für Tier und Mensch", sagt der Kreisjagdmeister.

Denn in der Blattzeit, wie die Paarungszeit des Rehwildes in der Jägersprache heißt, durchstreifen Rehböcke ihr Revier, um einerseits paarungswillige Ricken aufzusuchen und andererseits unwillkommene Konkurrenten zu vertreiben. Ohne Rücksicht auf Verluste kreuzen sie dabei auch Autobahnen, Bundes-, Land- und Kreisstraßen, wodurch das Risiko für Wildunfälle deutlich höher ist als zu jeder anderen Jahreszeit.

"Vor allem bei uns, klar", betont Wolfgang Zenner von der Polizeiinspektion (PI) Bitburg: Wo viel Wald, da sei logischerweise umso mehr Wild. Es kämen zwar selten Menschen zu Schaden (siehe Extra), doch hätten die Wildunfälle in Bitburg, der VG Speicher, im Bitburger Land und der Südeifel - in den Jahren 2014, 2015 und dem ersten Halbjahr 2016 - konstant einen Anteil von rund 35 Prozent am Gesamtaufkommen aller Verkehrsunfälle.
Im Einsatzgebiet der PI Prüm liegt dieser Wert nach Aussage der Polizei bei rund 40 Prozent. Und das, obwohl die Jagdpächter im Kreis schon seit letztem Jahr verstärkt Warnreflektoren an die am Straßenrand stehenden Leitpfosten befestigt haben. Die sollen dafür sorgen, dass die Tiere durch einen blauen Lichtblitz abgeschreckt werden und zurück in den Wald flüchten (der TV berichtete). "Das war eine super Aktion. Viele Pächter haben sich bei mir über die Reflektoren informiert, um selbige in ihrem Revier anzubringen, und die Reflektoren bewähren sich auch", sagt Grebener.

Dennoch benennt er die Gründe für die hohe Zahl an Wildunfällen auf hiesigen Straßen klar und deutlich: "Ich sehe immer wieder Autos, die unverhältnismäßig und unverantwortlich schnell unterwegs sind." Dabei gelte es gerade in der Blattzeit darauf zu achten, dass man angepasst und vor allem auch ein Stück weit umsichtig Auto fährt. Nicht nur, wenn es schon dämmert: den ganzen Tag über. Weil die Wildtiere, liebestoll wie sie derzeit seien, auch mittags mal gerne über die Straße huschten. Grebener: "Die Ecke an der Auffahrt auf die A 60 beim Industriegebiet in Fließem ist besonders schlimm."Grebener fordert Umdenken


Der Kreisjagdmeister und seine Kollegen appellieren schon seit geraumer Zeit, dass nur Vorteile entstünden, wenn die Reflektoren schon im Herstellungsprozess der Straßenpfosten montiert würden.
"Das wäre für alle - für uns, für die Autofahrer, für den Staat und für die Versicherungswirtschaft - sehr viel preiswerter, einfacher und sicherer."

Schließlich gehe es nicht nur darum das Wild zu schützen, sondern die vielen Unfälle als solche zu vermeiden.
An den richtigen Stellen angekommen scheint die Forderung der Jagdpächter aber noch nicht zu sein. Umso mehr empfiehlt er seinen Kollegen, weiter auf die Warnreflektoren zu setzen. Zufrieden wäre er aber auch schon, wenn zum einen das Gras an den Straßenrändern häufiger gemäht würde: "Sonst geht ja der Effekt vollkommen verloren." Und zum anderen, wenn kaputte Reflektoren, etwa infolge eines Unfalls, von jenen Stellen ausgetauscht würden, die auch für den Unfall zuständig sind. "Ich (!) muss dann nämlich immer die Neuen installieren. Das ärgert mich schon ein bisschen." Leuchtet ein, bezahlt er sie doch selbst - und freiwillig.Extra

Fuß vom Gas: Langsam und konzentriert fahren. Wald- und Straßenränder im Auge behalten und bremsbereit sein. Taucht Wild im Scheinwerferlicht auf, sofort abblenden, bremsen und hupen. Ein Tier kommt selten allein. Immer mit "Nachzüglern" rechnen. Läßt sich ein Zusammenprall nicht vermeiden, Lenkrad gut festhalten und weiterfahren. Nicht ausweichen. Das kann schlimme Folgen haben - auch für andere Autofahrer. Unfall der Polizei melden. Nicht zuletzt wegen des Schadensersatzanspruches. Sollte ein Tier verletzt, aber geflüchtet sein: die Unfallstelle und Fluchtrichtung markieren. Der Jagdausübungsberechtigte hat dann die Pflicht, sich der Nachsuche anzunehmen. eib/jokExtra

Statistisch gesehen zeichnen die Unfallzahlen für die jeweiligen Zuständigkeitsbereiche ein relativ einheitliches Bild: Polizeiinspektion Bitburg 2014: 2425 gesamt, davon 827 Wildunfälle (fünf Menschen verletzt) 2015: 2519 gesamt, davon 895 Wildunfälle (sieben Menschen verletzt) 2016: bislang 1169 gesamt, davon 401 Wildunfälle (zwei Menschen verletzt) Polizeiinspektion Prüm 2014: 1445 gesamt, davon 564 Wildunfälle (zwei Menschen verletzt) 2015: 1559 gesamt, davon 625 Wildunfälle (zwei Menschen verletzt) 2016: bislang 725 gesamt, davon 297 Wildunfälle (ein Mensch verletzt) jok