Wo wollen wir eigentlich hin?

Wo wollen wir eigentlich hin?

Eine idyllische Landschaft, in der man gut wandern kann - genau das ist der Naturpark Südeifel für viele Menschen. Das ist schön, reicht aber bei weitem nicht aus. Weshalb der Naturpark-Zweckverband nun an einer Strategie für den Zeitraum bis 2030 arbeitet. Dabei ist er auf die Mithilfe der Bürger angewiesen.

Er hätte in die Eifel kommen können, um zu erzählen, dass in "seinem" Naturpark alles bestens ist. Schließlich ist der Naturpark Südschwarzwald einige hundert Kilometer von Bitburg entfernt. Wen also hätte es schon gestört, wenn Roland Schöttle gesagt hätte, wie wunderbar es bei ihm in der Heimat mit der Einführung der Regionalmarke klappt, was man dort alles für die Barrierefreiheit der Wanderwege geleistet hat oder aber was für tolle Selbstläufer die Angebote wie der Brunch auf dem Bauernhof sind.

Doch der Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald verzichtet darauf, die Veranstaltung im großen und voll besetzten Sitzungssaal der Bitburger Kreisverwaltung für Werbezwecke zu missbrauchen. Er zeigt auf, was im Naturpark Südschwarzwald ganz gut oder sehr gut läuft, nennt aber auch die Bereiche, in denen noch viel Handlungsbedarf besteht. Und dazu zählt eben der Aufbau der Regionalmarke, mit dem man sich in seiner Heimat eher schwertue, die Umsetzung der Barrierefreiheit, die das schwierigste Projekt sei, weil sie tief in die Struktur eingreife, oder eben der Brunch auf dem Bauernhof, der zwar bei den Gästen sehr gut ankomme, aber eben aufwendig sei und deshalb auch nur ein Mal jährlich angeboten werde.
Kleine Truppe, große Fläche


Ganz so selbstkritisch zeigt sich der Gastgeber, der Zweckverband Naturpark Südeifel, an diesem Tag nicht. Doch dass etwas geschehen muss, stellt der Veranstalter der ersten Naturparkkonferenz Südeifel nicht infrage. Denn die Gesellschaft und damit auch die touristischen Zielgruppen unterliegen einem ständigen Veränderungsprozess. Demografischer Wandel, Nachhaltigkeit, die zunehmende Digitalisierung oder aber Elektromobilität sind nur einige der Schlagwörter, die mehrfach genannt werden. Und um mit dieser Entwicklung mithalten zu können, möchte der Naturpark Südeifel ein neues Handlungskonzept erstellen, den so genannten Naturparkplan Südeifel 2030. Konkret umfassen soll dieses Konzept den Zeitraum 2018 bis 2027.

Vier Handlungsfelder wurden bereits definiert (siehe Extra). "Wir steigen jetzt in den Planungsprozess ein, der uns bis Herbst 2017 beschäftigen wird", erklärt Daniela Torgau. Sie ist Geschäftsführerin des Naturpark-Zweckverbands, der insgesamt über zweieinhalb Stellen verfügt sowie einen freien Mitarbeiter beschäftigt. Diese kleine Truppe ist für eine Fläche von 452 Quadratkilometern zuständig. Sie braucht bei der Erarbeitung des Naturparkplans 2030 breite Unterstützung. So sollen sich neben Kommunen, Behörden und regionalen Akteuren auch Bürger, Vereine und sonstige Institutionen beteiligen. Die Auftaktveranstaltung in der Kreisverwaltung, an der auch andere Referenten wie Umweltberater Dieter Popp aus dem bayrischen Haundorf oder der Berliner Tourismus- und Regionalberater Alexander Schuler teilnehmen, ist dabei der erste Schritt. Ab Mitte Oktober sollen dann die noch zu gründenden Arbeitskreise tagen. Laut Mathias Irle vom Zweckverband wird dabei die Situation im jeweiligen Themenfeld analysiert, um dann Maßnahmen zu entwickeln. Was am Ende dabei rauskommt, weiß derzeit wohl keiner. Wie Torgau und Irle betonen, wolle der Zweckverband aber für jede Anregung offen sein: "Alle Ideen sind grundsätzlich willkommen."Extra

Vier Handlungsfelder, für die in den kommenden Wochen Arbeitsgruppen gegründet werden, hat der Zweckverband bereits definiert. Dazu gehört zum einen der Bereich Erholung, nachhaltiger Tourismus, Naturerlebnis und Barrierefreiheit. Handlungsbereich zwei umfasst die Themen Kulturlandschaft, Naturschutz sowie Arten- und Biotopvielfalt. Die dritte Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der nachhaltigen Regional- und Siedlungsentwicklung sowie der Daseinsvorsorge und die vierte Gruppe mit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Geplant sind fünf Arbeitskreisrunden sowie zwei weitere Naturparkkonferenzen. Wer Anregungen hat oder in einer Arbeitsgruppe mitwirken möchte, kann sich direkt an den Naturpark wenden unter Telefon 06525/79206, per E-Mail an: info@naturpark-suedeifel.de uheExtra

1958 wurde der Naturpark Südeifel gegründet und ist damit der älteste Naturpark in Rheinland-Pfalz. Seit 2009 wurde der Zweckverband Naturpark Südeifel ins Leben gerufen, der sich um Vermarktung und das Wanderwegenetz des 452 Quadratkilometer großen Areals kümmert. Von 2009 bis 2015 hat der Zweckverband Projekte in Höhe von 5,5 Millionen Euro umgesetzt. uhe

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