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Wohnhauseinbrüche in der Eifel: Banden markieren Tatort mit Zinken

Wohnhauseinbrüche in der Eifel: Banden markieren Tatort mit Zinken

"Gaunerzinken" werden Zeichen genannt, mit denen Banden Häuser markieren, in die sie einsteigen wollen. Bei Einbrüchen in Speicher und Herforst wurden im Nachgang solche Kreidemarkierungen bemerkt. Nun ermittelt die neue Sonderkommission, die vor dem Hintergrund steigender Bandenkriminalität gebildet wurde.

Speicher/Herforst/Hillesheim. In der dunklen Jahreszeit haben Einbrecher seit jeher Hochsaison. Doch inzwischen ist die Zahl der Wohnhauseinbrüche in der Region Trier binnen eines Jahres um 122 Fälle auf 705 derart drastisch gestiegen, dass das Polizeipräsidium Trier eine Sonderkommission eingerichtet hat. Allein im Altkreis Bitburg gibt es Jahr für Jahr rund 30 Einbrüche in Wohnhäuser.
Das Präsidium Trier hat die Soko gebildet, um der wachsenden Bandenkriminalität Herr zu werden (der TV berichtete). Denn zunehmend häufiger sind ganze Banden am Werk: Die Häuser und Lebensgewohnheiten der Bewohner werden ausspioniert - etwa wann diese zur Arbeit gehen oder Kinder zur Schule bringen.
Solche Informationen über ihr "Zielobjekt" geben umherreisende Banden in einigen Fällen in Form von Zeichen weiter, die sogenannten Gaunerzinken (siehe Extra). Die Codes geben beispielsweise darüber Auskunft, ob es etwas zu holen gibt oder ob ein Wachhund im Haus ist. Auch "güngstige Einbruchzeiten" - wie beispielsweise Sonntag oder tagsüber - können mit derartigen Zeichen unauffällig transportiert werden. Die Zinken werden mit Kreide oder Kohle an Türen, Zäunen oder Briefkästen angebracht - in einer Farbe, die nur gering vom Farbton der Hauswand oder -tür abweicht.
Nun ermittelt die Soko auch in drei aktuellen Fällen aus der Eifel - zwei Wohnhauseinbrüche in Speicher und Hillesheim sowie ein versuchter Einbruch in Herforst. In Speicher und Herforst wurden die Häuser offenbar mit Gaunerzinken markiert.
In Hillesheim haben die Täter den Urlaub der Eigentümer eines Hauses Im Buchgarten ausgenutzt, um durch die Terrassentür einzusteigen. Dort wurde zwischen dem 20. und 25. Oktober Bargeld und Schmuck gestohlen.
Auch in Speicher nutzten die Täter die Abwesenheit der Mieter eines Reihenhauses im Habichtsweg, um am Samstag, 25. Oktober, zwischen 13 und 22.30 Uhr, einzusteigen. Die Eingangstür wurde aufgehebelt. In Herforst wiederum blieb es beim Versuch. Die Eigentümer eines Hauses in der Römerstraße bemerkten nach ihrer Heimkehr am Abend des 25. Oktobers Einkerbungen an der Kellertür.
Sowohl in Speicher als auch in Herforst hatten die Bewohner Kreidemarkierungen am Haus bemerkt, mit denen sie aber vor dem Einbruch nichts anfangen konnten. "Dabei könnte es sich um Gaunerzinken handeln", sagt Uwe Konz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Trier. Wer solche Zinken bemerkt, sollte diese fotografieren und sich umgehend bei der Wache melden.Extra

Gaunerzinken - von "Zinken" (von Zeichen) - wurden schon im 16. Jahrhundert von Verbrechern, Bettlern und Hausierern als Verständigungsmittel genutzt. Ob Infos zu kostenlosen Schlafplätzen oder Hinweisen, ob man beim Betteln fromm oder forsch auftreten sollte, gab es unzählige Zeichen (eine kleine Auswahl siehe Grafik). Zinken werden teils noch heute genutzt. Die Bitburger Einbruchsserie vom Sommer, wo die Polizei binnen kurzer Zeit 14 Einbrüche im Stadtgebiet registrierte, ist noch nicht aufgeklärt. In der Region Trier liegt die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen bei 14 Prozent. Die Banden gehen arbeitsteilig vor: Einige Mitglieder kundschaften aus, andere brechen ein, wieder andere verkaufen das Diebesgut. Viele der Banden kommen aus Osteuropa. Hinweise zu allen Fällen nehmen die Polizeiwachen entgegen oder per Mail an: kdtrier.wohnungseinbruch@polizei.rlp.de sey/scho