Wohnidyll inmitten alter Bäume: Jury wählt Bungalow in Masholder unter die 50 besten Häuser des Jahres

Wohnidyll inmitten alter Bäume: Jury wählt Bungalow in Masholder unter die 50 besten Häuser des Jahres

Wer eines der besten Häuser des Jahres 2016 sehen möchte, wird in Bitburg-Masholder fündig. Dort steht - versteckt zwischen alten Obst- und Kastanienbäumen - der Bungalow von Christa Schilz und Martin Vogler. Geplant wurde er vom Architektenbüro Rainer Roth aus Meckel.

Da steht er - grau geklinkert, zurückhaltend in der Erscheinung - elegant, inmitten riesiger Bäume, umsäumt von einer Rotbuchenhecke: der Bungalow der Familie Schilz und Vogler.

Der Neubau in Bitburgs Stadtteil Masholder gefällt nicht nur seinen Eigentümern ausgesprochen gut, sondern auch der Jury eines renommierten Buchverlags und des Deutschen Architekturmuseums, die ihn unter die 50 besten Häuser in diesem Jahr gewählt hat.
Außerdem ziert er die Titelseite des aktuellen Magazins "HÄUSER".

Bungalows waren besonders beliebt in den 60er Jahren. Ist das heute wieder modern? "Das Haus Schilz und Vogler ist ein zeitloses Haus. Es läuft keiner Mode hinterher. Die Form reagiert auf das Grundstück, fügt sich rücksichtsvoll in den Obstbaumgarten ein und integriert sich in die Natur. So erlebt man die Natur und die wechselnden Jahreszeiten auch im Haus", sagt Architekt Rainer Roth.

Christa Schilz und Martin Vogler mit Sohn Finn (zehn Jahre) hatten bereits Eigenheim-Erfahrung. Die Familie bewohnte fast zehn Jahre lang eine Doppelhaushälfte ohne Keller in Bitburg-Stahl, als sie sich für einen Neubau entschied. "Wir haben uns irgendwann etwas beengt gefühlt", sagt Christa Schilz.

Als in Masholder ein Baugebiet ausgewiesen wird, lassen sie die angrenzende Wiese, die dem Vater von Martin Vogler gehört, mit anschließen. Ein Glücksfall für die Familie, die so in Nachbarschaft der Eltern, inmitten eines alten Baumbestands aus den 70er Jahren, ihr neues Heim plant.

"Wir hatten keine klaren Vorstellungen, nur Ideen, welche Aspekte und Funktionalitäten das Haus erfüllen soll und welches Wohngefühl wir haben möchten", sagt Christa Schilz.

Der Tipp eines Bekannten führt sie zum Architektenbüro von Rainer Roth aus Meckel. Es folgt eine einjährige Planungsphase. Entstanden ist ein Bungalow aus drei miteinander verknüpften Baukörpern. Die Fassade ist aus grauem dänischen Klinker gemauert. Dadurch wirkt das eingeschossige Haus zwischen den vielen hohen Bäumen nahezu unauffällig.

Der Innenbereich besticht durch seine Helligkeit und eine sehr reduzierte Einrichtung. Der Boden besteht aus teils geschliffenem Beton, teil gebürsteter Eiche, die Wände und Einbaumöbel sind weiß - ebenso die Küche. Die Decke ist aus rau geschaltem Beton. Jeder Raum hat große Glasflächen, zum Teil als Schiebetür zu bedienen. Bis auf das Kinderzimmer gibt es im ganzen Haus nur Einbauschränke.

Küche, Wohn- und Esszimmer sind sternförmig miteinander verbunden. Der Flur kann bei Bedarf durch ein Schiebeelement abgetrennt werden. Im Wohnzimmer steht ein Kamin, mit dem die Familie das ganze Haus und Wasser beheizt. Rund 70 Prozent der Heizenergie werden verbraucht für den 800 Liter fassenden Wassertank (inklusive Fußbodenheizung), der Rest ist Strahlungswärme. Im Sommer übernimmt eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach die Energiegewinnung.

Um das Holz für den Kamin kümmert sich Martin Vogler. Dem Informatiker hilft das Holzhacken, Stapeln und Befeuern dabei, sein Leben langsamer zu takten. "Ich bin aber auch froh, wenn es April ist und es mal ohne Holzschleppen geht", sagt er.

So zurückhaltend, wie die Optik ihres Hauses von außen ist, geht es im Inneren weiter. Christa Schilz und Martin Vogler bevorzugen die Reduktion auf das Nötigste. Die Küche hat keine Griffe, eine Abzugshaube sucht man vergebens, die drückt Christa Schilz aus der Herdplatte hervor. Mikrowelle, Dampfgarer - Fehlanzeige. "Brauchen wir alles nicht", sagt Martin Vogler. Kaffee-Vollautomat, Toaster, andere technische Geräte, die normalerweise die Arbeitsplatten vollrumpeln, sieht man nicht. Stattdessen zieht Christa Schilz eine Pressstempelkanne aus einem Regal. "Die reicht uns." Ein Büro gibt es nicht. Der Schreibkram wird auf dem Küchentisch erledigt. Er dient gleichzeitig als Gartentisch. Dazu muss man nur die Glastür zur Seite schieben und ihn drei Schritte weit nach draußen tragen.

Finn hat ein richtiges Jungszimmer: Hochbett, großer Kicker, Schreibtisch. Ihm gefällt's, nur mit der Betondecke mit "Tiefgaragencharakter" konnte er sich anfangs nicht anfreunden.

Lichtkuppeln in der Decke, die großen Fenster, die helle Einrichtung: Die Familie genießt ihr leichtes, luftiges Wohngefühl. Eingezogen sind sie im Februar 2015. Würden sie heute irgendetwas anders machen? "Nein, nichts. Überhaupt nichts", sagt Martin Vogler und lacht. Traurig sind sie eher darüber, dass die Planungsphase zu Ende ist. "Das ist, als ob man ein gutes Buch ausgelesen hat", sagt Christa Schilz.Extra

Das Haus von Christa Schilz und Martin Vogler, geplant von dem Architektenehepaar Rainer Roth und Christine Schwickerath aus Meckel, ist mehrfach ausgezeichnet worden. Es gehört zu den 50 besten Häusern des Jahres 2016, gekürt vom Callwey-Verlag und dem Deutschen Architekturmuseum. Die Preisverleihung ist am Mittwoch, 21. September, im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt. Außerdem wurde es beim Wettbewerb "Spektakuläre Häuser" ausgezeichnet. sn

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