Wohnungsverkauf soll Stiftung retten

Bitburg · Die Zukunft der 700 Jahre alten Stiftung Bürgerhospital hat bislang düster ausgesehen. Das Eigenkapital ist wegen Modernisierungsarbeiten in den neun Häusern der Stiftung um 2,5 Millionen auf 1,3 Millionen Euro geschrumpft - zu wenig, um die noch ausstehenden Sanierungen zu finanzieren. Nun soll der Verkauf von sechs Wohnungen in der Burbetstraße Geld bringen.

Burbetstraße 27: Die Stiftung Bürgerhospital sucht Käufer für die sechs Wohnungen in dem Haus in Bitburgs Norden. TV-Foto: Klaus Kimmling

Bitburg. Die Lage ist schnell erklärt: Da die Ausgaben der Stiftung Bürgerhospital wegen notwendiger Sanierungsarbeiten ihrer Mietwohnungen um ein Vielfaches die Einnahmen übersteigen, schrumpft das Stiftungskapital. Seit 2000 wurden 2,5 Millionen Euro investiert. Hinzu kommt, dass die Stiftung, anders als in ihren Anfängen (siehe Extra), nicht mehr auf Schenkungen wohlhabender Bürger bauen kann. Zuletzt verschaffte sie sich Geld durch Grundstücksverkäufe - etwa für die Baugebiete am Ostring und Schleifmühle sowie für das Gewerbegebiet Auf Merlick. Doch auch diese Möglichkeit ist weitestgehend ausgeschöpft. Neben 60 Hektar verpachteter Grün- und Ackerfläche besteht der Besitz der Stiftung vorrangig aus 109 Wohnungen, die gemäß des Stiftungszwecks günstig an ältere und bedürftige Menschen vermietet werden. Eben weil die Stiftung mit 3,40 bis vier Euro pro Quadratmeter unter dem durchschnittlichen Marktpreis von fünf Euro aufwärts vermietet, sind die jährlichen Einnahmen mit 245 000 Euro eher gering.
Geringe Mieten für Bedürftige


Allein die Sanierung von bislang 60 der 72 Wohnungen in den drei Hochhäusern in der Eifelstraße, die die Stiftung vor rund 40 Jahren gebaut hat, hat bereits mehr als eine Million Euro verschlungen. "Immer wenn jemand ausgezogen ist, haben wir die Wohnung saniert", sagt Armin Seiwert, der im Bitburger Rathaus für die von der Stadt verwaltete Stiftung zuständig ist. Auch in 22 weiteren Wohnungen der Stiftung wurden Bäder, Böden, Türen und Elektrik erneuert. Wo nötig, investierte die Stiftung auch in Wärmedämmung, neue Fenster und Heizungen. Deshalb sah es Ende 2010 düster aus: Es war fraglich, in welcher Form die Stiftung bei stetig schrumpfendem Kapital fortbestehen kann. Der Stiftungsrat, der aus Vertretern aller sechs Stadtrats-Fraktionen besteht, war gegen eine Kreditaufnahme. Doch das noch vorhandene Kapital von 1,3 Millionen Euro reicht nicht, um die noch ausstehenden Sanierungsarbeiten zu finanzieren. Damals zeichnete sich bereits die Lösung ab, die nun zum Tragen kommt: Die sechs Wohnungen in der Burbetstraße werden verkauft. Kaufpreise variieren von 60 500 bis 72 000 Euro.
Besichtigung: Für Interessenten ist am heutigen Donnerstag, um 17.45 Uhr ein Besichtigungstermin in der Burbetstraße 27. Weitere Infos gibt Armin Seiwert von der Stadtverwaltung, Telefon 06561/6001-310.
Extra

Gestern: Der Bitburger Adelige Heinrich von der Pforte hat 1295 ein Hospital "zu trost der armen und krancken" bauen lassen. Wohlhabende Bürger vermachten der Stiftung zu Lebzeiten Geld und Besitz, um sich für das Alter dort Unterkunft und Pflege zu sichern. 1866 wurde das alte Hospital abgerissen. 1896 wurde auf Stiftungsgelände ein neues Krankenhaus gebaut, das die Stiftung aber 1929 wegen zu hoher Folgekosten verkaufte - das Ende einer Ära. Heute: Kerngeschäft sind die 72 Seniorenwohnungen in den drei Hochhäusern in der Eifelstraße. Zudem hält die Stiftung zwei Häuser im Messenweg (14 Wohnungen), drei Häuser in der Rittersdorfer Straße (17 Wohnungen) und sechs Wohnungen in der Burbetstraße. Morgen: Nach Abschluss der laufenden Sanierungen will die Stiftung bis 2020 über die Mieteinnahmen wieder zweckgebundene Rücklagen für folgende Unterhaltungsarbeiten bilden. scho