Zank der Bauernverbände zertrümmert den Zusammenhalt - Keine Gespräche, keine Annäherung

Zank der Bauernverbände zertrümmert den Zusammenhalt - Keine Gespräche, keine Annäherung

Der Streit zwischen den Vertretern der Landwirte im Kampf um bessere Milchpreise geht weiter. Die angekündigten Gespräche zwischen Bauern- und Winzerverband auf der einen Seite und dem Bund Deutscher Milchviehhalter auf der anderen sind ausgesetzt. Grund: die Eskalationen der vergangenen Monate.

Das mit dem Schulterschluss der Landwirte im Kampf gegen die weiterhin erbärmlichen Milch- und auch Fleischpreise - es will nicht klappen. Noch im Herbst hatten sich die Landespräsidenten des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau (BWV) und des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Michael Horper aus Üttfeld und Kurt Kootz aus Obergeckler, auf gemeinsame Gespräche geeinigt.

Dabei sollte es darum gehen, ob und wie man in der Krise zu einem gemeinsamen Vorgehen gelangen könnte.Keine Rückkehr zur Quote


Kurzer Rückblick: Im August hatten BWV und BDM bei Versammlungen in der Eifel ihre unterschiedlichen Standpunkte für den Weg aus der Krise dargelegt. Einer der Kernpunkte: Der BDM verlangt eine sogenannte flexible Mengensteuerung. Stürzen die Preise wegen eines Überangebots, soll die Brüsseler Marktbeobachtungsstelle verfügen können, dass Landwirte weniger Milch produzieren.

Für den Bauernverband wiederum ist das eine Rückkehr zur längst abgeschafften Milchquote - zudem, sagt Michael Horper, sei das "in einem globalen Markt, wo alle Warenströme überall hinfließen", kein wirksames Mittel: "Wir werden keinen geregelten Markt mehr bekommen."

Im September kam es dann in Brüssel zu heftigen Demonstrationen von etwa 5000 europäischen Landwirten, darunter 200 aus der rheinland-pfälzischen Eifel. Die Lage eskalierte aber noch weiter: Anfang November fuhren rund 80 Milchbauern mit Traktoren und Transparenten nach Bitburg und demonstrierten vor der Kreisgeschäftsstelle des Bauernverbands, weil sie mit dessen Politik nicht einverstanden sind. Auch dort ging es nicht gerade zärtlich zur Sache: Unter anderem knüpfte man vor dem Eingang zur Geschäftsstelle eine lebensgroße Puppe auf - mit einem Schild um den Hals, auf dem die Namen des Landes-Präsidenten (und Kreisvorsitzenden) Michael Horper, des Bundesvorsitzenden Joachim Rukwied und seines Vizes Udo Folgart standen.

BDM-Chef Kurt Kootz weist im Gespräch mit dem TV darauf hin, dass die Demonstration in Bitburg keine offizielle BDM-Aktion gewesen sei, er sich aber dazu habe überreden lassen, dabei zu sein. Den Galgen habe er zunächst gar nicht registriert, sei aber "mit Sicherheit nicht der Meinung, dass das eine tolle Idee war. Das muss und darf nicht sein."
Danach hatte Horper keine Lust mehr auf ein Gespräch. Auch die weiteren Botschaften, die er von manchen Kollegen erhielt, trugen nicht zu seiner Motivation bei: "Jesus hatte Judas, wir haben dich" - nur ein Beispiel.

Seitdem hat es keine Annäherung zwischen den Verbänden gegeben. Dialog? "Auf Eis gelegt", sagt Michael Horper - obwohl ihn ein gemäßigteres BDM-Mitglied danach darum gebeten habe, es "doch noch einmal zu probieren" mit Kurt Kootz. Der wiederum sagt, er sei von BWV-Landwirten aufgefordert worden, mit Horper zu reden. Und rief diesen auch an. Aber, tja, so richtig rund lief das Telefonat nicht, wie beide bestätigen. Kernpunkt war wohl der (von Kootz gegenüber dem TV bestätigte) Satz, was der BWV-Präsident wohl tun werde, "wenn sich hier in der Gegend" einmal ein junger Landwirt "ganz aus der Verantwortung verabschiedet. Da bekommt der Galgen eine ganz andere Dimension."Keine Patentrezepte


Horpers naheliegende Interpretation dieser Aussage: Wenn sich einer aufhängt, bist du schuld. Dass solche Aussagen ihm in den Knochen stecken, gibt er gerne zu. Vor Karneval werde es deshalb "ganz sicher" kein Gespräch mehr geben. Michael Horper hat zum Jahresende in seinem Schreiben an alle Verbandsmitglieder zum Zusammenhalt in der Krise aufgerufen. Patentrezepte gebe es nicht: "Wer meint, solche zu haben, geht nicht ehrlich mit den Sorgen und Nöten der Bauernfamilien um." Man könne sich den Streit nicht leisten und auch nicht, Andersdenkende "öffentlich zu verurteilen". Es gelte, einen gemeinsamen Nenner zu suchen. Eine Suche, die immer schwieriger zu werden scheint. Oder? Auf die Frage, ob er noch eine Chance für einen Dialog sehe, sagt Kurt Kootz: "Wenn er mir sagen würde: Wir machen morgen einen Termin, dann bin ich dabei."Meinung

Schrill bringt's nicht
Unabhängig davon, wer auf der Suche nach einer Lösung für die Nöte der Bauern die besseren Vorschläge hat: Wer etwas erreichen will, muss manchmal auch umgänglich sein. Das ist leicht gesagt, vor allem gegenüber zornigen und krisengeschüttelten Landwirten. Jeder hat Verständnis für ihre schwierige Lage. Anders ist es bei der Art und Weise, wie sie damit umgehen. Da gilt die Regel: Wer immer brüllt, wird irgendwann nicht mehr gehört. Und wer in voller Absicht auf immer weitere Eskalation setzt, verliert am Ende den Rückhalt auf allen Seiten. Das gilt nicht nur im Fall der Bauern: Überall, so meint man, herrschen nur noch schrille Töne - man hat es einfach satt. f.linden@volksfreund.de

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