ZDF reagiert auf Ärger mit „viel Blabla“

Kostenpflichtiger Inhalt: Entschuldigungen sind nicht zu lesen : ZDF reagiert auf Kritik mit „viel Blabla“

Das ZDF hat den Ort Daleiden in einem Fernsehbeitrag verunglimpft. Das jedenfalls behauptet Ortsbürgermeister Herbert Maus in einem offenen Brief. Eine Antwort hat er nun bekommen, wenn auch keine Entschuldigung.

Für Herbert Maus ist Daleiden ein „Grundzentrum in der Westeifel“. Einwohnerzahlen? Stabil. Infrastruktur? Durch Supermarkt, Post- und Bankfiliale abgedeckt. Die Busverbindung? Besser als im gesamten Eifelkreis. Und die Zukunftsaussichten daher? Aufstrebend, sagt der Ortsbürgermeister.

Ein Filmteam des ZDF hat im Sommer allerdings einen ganz anderen Eindruck gewonnen. Im August statteten die Journalisten dem Ort in der Verbandsgemeinde Arzfeld zwei Besuche ab. Die Autoren sprachen mit Bürgern und drehten Szenen im Dorf und im Umland. Verwendet wurden von dem Material nur wenige Minuten für die Dokumentation „Wo leben Senioren am Besten“. Doch die haben es in sich.

Zunächst kommen zwei Senioren zu Wort, die sich über die weiten Wege zum Arzt beklagen. Danach wird ein verwahrloster Straßenzug gezeigt. Im Hintergrund verhallt die Frage, ob solche entlegenen Orte überhaupt noch eine Zukunft haben. Der Hintergrund des Ganzen: Bei der deutschlandweiten Studie, die der Dokumentation zugrundeliegt, belegt der Eifelkreis den letzten Platz.

Das kann Herbert Maus durchaus nachvollziehen: „Es gibt in der Gegend unterversorgte Orte“. Nur gehöre Daleiden eben nicht dazu. Der Film zeigt daher ein Dorf, das Herbert Maus nicht wiedererkennt.

Und das bereits ab der ersten Sekunde: Denn schon im einleitenden Kameraschwenk ist nicht, wie vom Kommentator behauptet, Daleiden zu sehen, sondern der Nachbarort Jucken. Die leerstehenden Häuser, die später im Bild sind, wurden in Pronsfeld aufgenommen. Und viele im Beitrag getätigte Aussagen sind, so Maus, „nachweislich falsch“ (“die Geschäfte sind geschlossen, die Busse fahren kaum“).

In einem offenen Brief, den der Ortsbürgermeister am 6. Dezember auch an die ZDF-Redaktion schickt, wirft er dieser daher eine „Verdrehung der Tatsachen“ und den „Gipfel der falschen Berichterstattung“ vor. Am 11. Dezember schickt auch der TV eine Anfrage an die Pressestelle des Öffentlich-rechtlichen Senders.

Und beide Schreiben wurden nun kürzlich beantwortet. Die Stellungnahme des ZDF liest sich aber eher wie eine Rechtfertigung, als eine Entschuldigung: „An der Stelle im Film, in dem offenbar modernisierungsbedürftige Häuser zu sehen sind, beziehen wir uns inhaltlich und textlich bereits auf die Region“, heißt es da. Auch „im weiteren Kontext“ werde „eher über den Kreis und verallgemeinernd über entlegene Orte gesprochen“.

Nur, dass dies im gesamten Beitrag nirgendwo aufgelöst wird. „Wir befinden uns in Daleiden, Eifelkreis Bitburg-Prüm“, ist am Anfang des Filmchens zu hören. Danach wird kein Ortswechsel mehr angezeigt.

Zu dieser Einleitungssequenz nimmt das ZDF noch einmal gesondert Stellung: „Richtig ist, dass ein Luftbild zu Beginn der Sequenz zwar die Gemeinde zeigt, den Ort Daleiden darauf aber nur im Hintergrund.“ Dies sei „eine Ungenauigkeit“, die man bedaure. Man habe sich deshalb entschlossen, die Bildauswahl im Film leicht zu verändern. Das einzige weitere Zugeständnis der Redaktion: Aus dem Satz „Weniger als 900 Einwohner leben noch hier „ werde das Wort „noch“ gestrichen. Sonst bleibt alles, wie es ist.

Es folgen einige Textpassagen, in denen sich das ZDF selbst für seine Berichterstattung lobt. So behauptet der Pressesprecher etwa, die Dokumentationen zeichne „ein multiperspektivisches Bild des Landes“.

Dieselben Textbausteine bekam auch unsere Redaktion zu lesen. Und als Extra noch ungefragt ein paar allgemeine Informationen zur Deutschlandstudie und zur Dokumentation. Sieben von neun Fragen unserer Zeitung blieben dafür aber bis zuletzt unbeantwortet. Warum die Redakteure sich gerade Daleiden als Negativbeispiel herausgesucht haben? Warum man nicht mit dem Ortsbürgermeister oder Verbandsbürgermeister Andreas Kruppert gesprochen hat? Warum man Szenen aus Pronsfeld und Jucken veröffentlicht und behauptet, es handele sich um Daleiden? Ob man vielleicht nur versuchte am Beispiel des Dorfes eine vorgefertigte These zu belegen?

All das ließ der ZDF-Sprecher auch auf mehrmaliges Nachhaken hin offen. Er versprach lediglich, dass „die Rückmeldungen aus den einzelnen Regionen nach Ausstrahlung der Dokumentation“ in der Redaktion „intensiv diskutiert“ würden. Und man die Kritik bei der „künftigen Berichterstattung berücksichtigen“ wolle.

So blieb die einzig bemerkenswerte Information aus dem Schriftwechsel mit dem ZDF, was denn so eine Dokumentation im Schnitt kostet: Das Format „ZDFzeit“ biete „bis zu 40 Produktionen pro Jahr“ bei Durchschnittskosten von 260 000 Euro bis 300 000 Euro.

Maus’ Fazit: „Es steht zwar viel Blabla drin, aber immerhin haben sie sich Gedanken gemacht.“ Er sehe die Sache mittlerweile ohnehin gelassen. Auf seinen offenen Brief hin habe es sehr viel positive Resonanz gegeben. Was als Verunglimpfung begann, könnte, so meint der Dorfchef, letztlich noch die umgekehrte Wirkung entfalten: „Im Endeffekt ist das für uns jetzt fast wie Werbung.“