Zehn Jahre Bodenordnung Lützkampen: Was schön ist, darf bleiben

Zehn Jahre Bodenordnung Lützkampen: Was schön ist, darf bleiben

Eine Art Jubiläum: Die Bodenordnung in Lützkampen wurde vor zehn Jahren eingeleitet. Und läuft noch immer. Weil das nicht so einfach ist.

Zuerst ein Dank - an TV-Leser Clemens Thelen aus Lützkampen: Er hat uns zwei Fotos geschickt, die man, wie er findet, "veröffentlichen könnte". Finden wir auch - siehe oben. Sehr schön.
Er sandte auch einen Textvorschlag mit: "Sommer in der Eifel - eine Rinderherde im Raum Lützkampen genießt den Schatten unter einer Baumgruppe inmitten in einer Weide. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Baumgruppe nicht der zurzeit laufenden Flurbereinigungsmaßnahme zu Opfer fällt."

Flurbereinigung? Stimmt, in der Gemeinde wurde das, wie es heute heißt, Bodenordnungs-Verfahren des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) vor nahezu zehn Jahren, im Dezember 2007, eingeleitet. Der Zweck: Die 2660 Grundstücke in Lützkampen, viele davon Miniparzellen, neu zu sortieren, Besitz zusammenzufügen, zu tauschen - und alle 913 Eigentümer dabei fair zu behandeln. Denn niemand soll sich übervorteilt fühlen.

Schwer genug. Vor allem bei so vielen Beteiligten. Denn jeder, der irgendwo ein Fitzelchen besitzt, muss ja gefragt werden. Das kann dauern - man sieht es in Lützkampen, einem von aktuell 40 Verfahren, die das DLR in den beiden Eifeler Landkreisen betreut. Mit etwas Glück, und wenn sich alle einig werden, könnte es Ende dieses Jahres so langsam in Richtung Besitzübergang bei den landwirtschaftlichen Flächen gehen, sagt Achim Schröder, DLR-Projektleiter für Lützkampen. "Die Waldflächen kämen dann im nächsten Jahr."

Und er beruhigt Leser Thelen: Zwar könne er anhand der Fotos nicht feststellen, wo genau die Weide mit der schönen Baumgruppe liege. "Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass solche markanten Bäume in der Flurbereinigung, besonders bei reinem Grünland, nicht entfernt werden, da sie die Bewirtschaftung kaum beeinträchtigen."
Zudem, sagt Edgar Henkes, Abteilungsleiter für Landentwickung und Bodenordnung beim DLR, werde ja nicht mehr, wie früher, die Flur "bereinigt", indem man "alles platt, gerade und eben" mache. "Von den Zeiten sind wir längst weg."

Aber wem gehört nun die Baumgruppe? Auch Ortsbürgermeister Manfred Schoden weiß es auf den ersten Blick nicht, verspricht aber, der Sache nachzugehen. Fest steht aber auch für ihn: Wenn der Besitzer der Weide ein Bauer sei, "dann sägt der das nicht ab. Der ist froh über jeden Schutz, den die Rinder haben."

Zurück zum Verfahren in Lützkampen: "Sehr groß, sehr schwierig", sagt Edgar Henkes. Denn es gebe nicht nur sehr viele, kleine und zersplitterte Parzellen. Ein Großteil davon liege zudem in den weiten Waldgebieten rund ums Dorf. Das alles korrekt aufzudröseln - "das geht nicht mit Luftbildmessungen", sagt Henkes. "Das müssen Sie alles am Boden vornehmen." Also im Gehölz. Das zieht sich.

Warum sind die Parzellen so klein? Vererbten früher die Eltern ihr Land, "dann wurden aus einem Stück sechs gemacht, wenn so viele Kinder da waren", sagt Manfred Schoden. Später seien aber viele dieser Kinder, etwa zur Ausbildung, in ferne Städte oder Regionen gezogen - und nicht mehr zurückgekehrt. Bei vielen wisse man gar nicht, wo sie gelandet seien. "Die jetzt noch zu finden, da hat das DLR ein Problem."

Nicht das einzige übrigens: Das mit dem Grundstückstausch zum Beispiel war einfacher als es noch keine Vorranggebiete für Windkraft gab, sagt Edgar Henkes. Heute aber halte jeder, auf dessen Land gemäß Flächennutzungsplan eventuell mal ein Windrad gebaut werden könnte, daran fest - verständlich.
Es sei eben eine zusätzliche Herausforderung, die man aber in Kesfeld oder in Heckhuscheid zuletzt auch gemeistert habe. "Gegen seinen Willen tauschen wir da niemanden rein oder raus", sagt Henkes. Und das gelte auch für Lützkampen: "Wir kriegen das gelöst." Es kann nur eben noch dauern.

Und das Grundstück mit der schönen Baumgruppe und den schönen Tieren? Gehört mehreren Eigentümern. Bürgermeister Manfred Schoden hat inzwischen herausgefunden, wer die Flächen pachtet: Die Lützkämper Bauernfamilie André. Die einzelnen Parzellen, sagt Lydia André, habe man zu der Weide zusammengelegt.
Und was haben sie und ihr Mann Bertram damit vor? Antwort: "Wenn wir die Möglichkeit bekommen, das Land weiter zu bewirtschaften, bleiben die Bäume natürlich stehen." Und nicht nur Clemens Thelen würde sich freuen.KommentarMeinung

Diplomaten
Zehn Jahre Bodenordnung in Lützkampen - und noch immer nicht damit fertig? Genau, denn es ist ein Riesenprojekt mit komplizierten Verhältnissen und sehr vielen Beteiligten. Die müssen alle unter einen sehr großen Hut. Da verhandelt man lieber ein bisschen länger, um niemanden vor den Kopf zu stoßen. Deshalb ist ein gelungenes Verfahren am Ende immer auch eine diplomatische Höchstleistung aller Verantwortlichen in Behörde und Gemeinde. f.linden@volksfreund.deExtra: WENN DIE "HÄNGIGKEIT" ZUM PROBLEM WIRD


Bei der Bodenordnung muss sich das DLR auch am Erosionskataster orientieren: Darin sind jene Flächen verzeichnet, die am Hang liegen. Je steiler, desto größer die sogenannte Hängigkeit. Und desto größer die Gefahr, dass alles bei starkem Regen ins Rutschen gerät und fortgespült wird, falls die Flächen als Ackerland verwendet werden. Bei der Neu-Arrondierung der Grundstücke im Zuge der Flurbereinigung muss das ebenfalls berücksichtigt werden - wobei die Hangflächen dann bevorzugt als Grünland genutzt werden sollen.