Zeitgenössische Kunst zum Anfassen und Sinnieren
Bitburg · Kunstwerke von Silvia Schreiber und Susanne Thiemann sind derzeit in Bitburg zu sehen. Bis zum 20. November lädt die Ausstellung mit aufwendig gestalteten Plastiken noch zum Besuch ein.
Bitburg. In bunten Farben und mit schwerem Blick begegnen die Büsten von Joseph Beuys und Dschingis Khan dem Besucher. Dabei sind sie nur Hüllen aus japanischem Büttenpapier, so leicht wie eine Feder. Geschaffen von der Künstlerin Silvia Schreiber. Daneben erblickt man gestaltlose Plastiken exakt geflechtet aus Kunstoffschläuchen. Ihre Formen muten weich an und laden zum Berühren ein. Doch beim Anfassen spürt man das Gerüst aus einzelnen Holzscheiben, das den Skulpturen der Künstlerin Susanne Thiemann ihre Gestalt verleiht.
Die Ausstellung von Werken der beiden Künstlerinnen war eines von vielen Wunschprojekten der Kuratorin Dr. Ute Bopp-Schumacher und von Stephanie Kaack von der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung. Schreiber und Thiemann kannten sich vor der Ausstellung "Skulpturen" im Haus Beda in Bitburg nicht. Dabei überschneiden sich ihre Lebenswege und Arbeitsweisen schon länger.
Ungewöhnliche Materialien
Beide leben in München. Beide waren eine Zeit in Salzburg. Und beide setzen auf unkonventionelle Materialien und Methoden. Schreiber, die mit ihren Papier skulpturen ein Maximum an Mobilität schafft. Thiemann, die durch das Verwenden von Kunststoffschläuchen oder Reifenschälresten dem Wort Recycling eine neue Bedeutung gibt. Beide arbeiten exakt und perfektionistisch. "Sogar das Aufstellen der Exponate dauerte seine Zeit. Alles musste richtig sein", sagt Bopp-Schumacher. Sie führte durch die Ausstellung und informierte die Besucher über Künstlerinnen und Werk. Zum Beispiel den "Pull over Chair" von Susanne Thiemann. Er stelle ein Synonym für ihren künstlerischen und nicht unbedingt gradlinigen Werdegang dar. Oder den aufwendigen Herstellungsprozess der Plastiken von Silvia Schreiber. Sie verwende nur selbst geformte Tonmodelle, die sie in Gips gießt und dann mit einzelnen Stücken des japanischen Papiers beklebt.
Um das Werk der beiden Frauen zu begutachten, ist ein Besuch im Haus Beda bis zum 20. November zu empfehlen. Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr und an Sams-, Sonn- und Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Zu sehen sind neben Plastiken auch Filme der beiden Künstlerinnen.
Extra
Der Besuch im Haus Beda in Bitburg lohnt sich an diesem Wochenende gleich doppelt. Neben der Skulpturenausstellung wird am Sonntag, 30. Oktober, eine Sonderführung in der Fritz-von-Wille-Sammlung angeboten. Vorab wird ein Film über Leben und Werk des Künstlers gezeigt. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr und ist kostenlos. isa