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Zensus startet kurios: Eifeler Familie bekommt 224 Fragebögen

Zensus startet kurios: Eifeler Familie bekommt 224 Fragebögen

Unterlagen kommen mehrfach und nicht für die richtigen Gebäude: Die Zensus-Befragung der Wohnungs- und Gebäudeeigentümer in der Region Trier läuft derzeit noch nicht völlig reibungslos ab, wie ein Fall aus der Eifel zeigt.

Damit hat Elke Daleiden beim besten Willen nicht gerechnet. "Ich war total verdutzt, als ich die Päckchen geöffnet hab'", erzählt die in Speicher lebende Hausbesitzerin. Denn statt eines dünnen Zensus-Briefs vom Statistischen Landesamt in Bad Ems erhielt sie vier dicke Pakete - mit insgesamt 224 Fragebögen für die Gebäude- und Wohnungszählung. Für fast jedes Haus in der Speicherer Ringstraße.

Nur nicht für die Objekte, die ihr tatsächlich gehören. Familie Daleiden hat neben dem Haus, in dem sie wohnt, zwei weitere Gebäude in einer ehemaligen amerikanischen Housing. Dort sind sie Teil einer Eigentümergemeinschaft. Doch nicht jeder der Besitzer hat das gleiche Problem. Verwalter Wolfram Gierschner weiß bisher nur von einer weiteren Person, der die Behörde ebenfalls rund hundert Bögen geschickt hat. Ein Anruf beim Statistischen Landesamt in Bad Ems brachte Elke Daleiden zuerst keine Klarheit. "Der Mitarbeiter war genauso verdutzt wie wir und hat erst mal gefragt, ob wir denn so viel Wohneigentum hätten", sagt die Frau und lacht.

Aber eigentlich ist ihr nicht nach Lachen zumute. Denn alle Bögen seien auf sie adressiert worden, und das sei "eine riesige Verschwendung von Steuergeldern". Adresse, Objektanschrift, Gebäude-Identifikationsnummer - alle diese Angaben sind auf den Bögen schon vorgedruckt. Die könne sie nun wegwerfen. Zurückschicken und wiederverwenden sei nicht möglich. Dabei müsste sie nach Angaben des Statistischen Bundesamts jeden Bogen mit einem Vermerk versehen und zurückschicken. Auf der Zensus-Seite im Internet steht: "Sofern Ihnen mehrere Fragebogen für ein und dasselbe Gebäude oder Wohnung zugestellt wurden, bitten wir Sie um folgendes Vorgehen: Senden Sie trotzdem alle Fragebogen zu diesem Objekt zurück."Bei 224 Bögen würde das jede Menge Zeit beanspruchen. Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz möchte den Daleidens entgegenkommen.

Sie sollen lediglich die Bögen für ihre Häuser ausfüllen und die anderen vernichten. Doch auch das kann Elke Daleiden nicht tun, da sie für ihre Gebäude keine Fragebögen bekommen hat. Um Ärger zu vermeiden, will sie deshalb alle Bögen aufheben. "Damit ich später beweisen kann, dass für unsere Objekte keine dabei waren." Sie ärgert sich über das Vorgehen des Amts: "Von uns verlangt man Pflichtbewusstsein und dass wir alles korrekt ausfüllen, und die Behörden machen so etwas." "Wir wollen niemanden ärgern", sagt Holger Schmidt, Pressesprecher des Statistischen Landesamts. Die Mitarbeiter seien aber nur so schlau wie die Register - und in denen würden falsche Daten zu den Eigentümern in der Ringstraße in Speicher stehen.

Dass Familie Daleiden gleich 224 Bögen bekommen hat, würde den Steuerzahler aber nichts kosten. Denn: Ob der Druckdienstleister 100000 oder 105000 Bögen drucke, sei egal. "Die zusätzlichen Kosten liegen im Centbereich." Elke Daleiden kann dennoch nur mit dem Kopf schütteln: "Wenn die Volkszählung jetzt schon so anfängt, dann kann da ja nichts bei rumkommen."

Extra



Der Zensus erhebt, wie viele Menschen in Deutschland leben, wo sie wohnen und wie sie arbeiten. Hauptsächlich werden von den statistischen Ämtern Registerdaten der Meldestellen und der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. Wer zu den Auserwählten gehört, die Rede und Antwort stehen sollen, ist zur Auskunft verpflichtet. Für das Rücksendeporto bei der schriftlichen Befragung müssen die Auskunftspflichtigen selbst aufkommen.