Zinngießen für den Blick in die Zukunft

Zinngießen für den Blick in die Zukunft

Mehr als 2000 Besucher zählt das Eisenmuseum in Jünkerath in jedem Jahr, besonders die Vorführungen mit Zinngießen erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch noch steht nicht fest, ob und wie der Betrieb in diesem Jahr weitergehen kann.

Jünkerath. Vorsichtig und mit großen Respekt hantiert das kleine Mädchen mit dem flüssigen Metall. Die Handschuhe, Eisengießer-Helm und die Schutzbrille sind doch sehr ungewohnt. Doch das Zinn soll in eine Form gegossen werden, die fest eingespannt auf dem hölzernen Tisch von Museumsleiter Erwin Holzer steht - so entstehen der Reihe nach Museumsmäuse, Eulen oder Einhörner - alles aus Zinn. Regelmäßig in Ferienzeiten lädt das Jünkerather Eisenmuseum zu den Vorführungen ein, bei denen Kinder und Erwachsene ausdrücklich mitmachen dürfen. Besonders beliebt bei jung und alt: Das Gießen der eigenen Fingerspitzen - da traut sich auch die Mama an das heiße Metall. Schließlich darf im Anschluss jeder Mutige ein individuelles Souvenir mit nach Hause nehmen. "Das hat sonst keiner", sagt Holzer.
Bis zu 80 Besucher kommen zu den Vorführungen, sagt Holzer. Ganz so viele sind es an diesem Tag nicht, aber mit 30 Gästen ist der Raum gut gefüllt. Viele Eltern sind mit ihren Kindern gekommen und lernen zuerst, warum im Eisenmuseum mit Zinn gegossen wird. "Eisen schmilzt erst bei über 1000 Grad", sagt Holzer, "Zinn schon bei 235". Deshalb sei es bei den Vorführungen einfacher und sicherer zu handhaben. Das traditionelle Bleigießen zu Silvester wird im Museum natürlich ebenfalls mit Zinn gemacht. Das Ergebnis? Wie immer Interpretationssache. Erwin Holzer erkennt im Zinnklumpen jedenfalls viele aufstrebende Elemente - ein Zeichen, dass es aufwärts gehe.
Ein klare Aussage, wie es mit dem Museum weitergeht, bleibt der Zinnklumpen allerdings schuldig. Denn bislang ist der Vulkaneifelkreis der Träger, scheut aber die jährlichen Kosten von rund 38 000 Euro. Grundsätzlich ist die Gemeinde Jünkerath bereit, das Museum samt Gebäude zu übernehmen. Denn im Keller ist zudem noch das Eisenbahnmuseum der Eisenbahnfreunde untergebracht, das von einer Schließung des Eisenmuseums ebenfalls betroffen wäre. Doch noch ist keine definitive Entscheidung gefallen, Gemeinde und Kreis verhandeln über zukünftige Zuschüsse des Kreises. Denn allein könne die Gemeinde die jährlichen Kosten nicht aufbringen. Außerdem muss das Gebäude dringend saniert werden, um die Betriebskosten wie Heizung zu senken. Auf rund 150 000 Euro werden die Kosten hierfür geschätzt (der TV berichtete).
"Es wäre wirklich eine Schande, das Letzte, wenn dieses Museum geschlossen werden würde", sagt Helmut Hahnemann. Er stammt aus Nordrhein-Westfalen und hat an der Oberen Kyll ein Ferienhaus. Den Hinweis auf die Vorführung hat er im Amtsblatt gesehen und ist nun hellauf begeistert vom Eisenmuseum. So eine Einrichtung dürfe man nicht einfach aufgeben. ch

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