Zoo-Ranking: Kritik an Auswertung - Bewertung des Lünebacher Eifel-Zoo

Bewertung des Lünebacher Eifel-Zoos : Kritik an Auswertung des Zoo-Rankings: Ein echter Test sieht anders aus

Fachleute kritisieren das sogenannte Ranking, bei dem der Lünebacher Eifel-Zoo auf einem Internetportal schlecht abgeschnitten hatte, und nehmen die Betreiber in Schutz. Auf der Anlage tut sich unterdessen allerhand.

Den Eifel-Zoo in Lünebach hat es böse getroffen: Voriges Jahr schwemmten die Juni-Hochwasser die halbe Anlage davon, etliche Tiere kamen um. Dann geisterte genau zwölf Monate darauf ein sogenanntes Internet-Ranking durchs Netz, in dem der Zoo bundesweit auf dem letzten Platz landete (der TV berichtete).

Jetzt kam eine interessante Reaktion: Nach unserem Artikel über das „Ranking“, das (gute) Abschneiden des Eifelparks Gondorf und den letzten Platz des Eifel-Zoos erreichte uns eine E-Mail von Dirk Petzold.

Ganz schön groß: Büffel im Eifel-Zoo Lünebach. Foto: Fritz-Peter Linden

Petzold ist Biologe, Mitverfasser des Buchs „Abenteuer Zoo“, das mehr als 600 Tierparks in Deutschland, Österreich und der Schweiz beschreibt – und Redakteur der Internet-Datenbank zoo-infos.de, die von einer Arbeitsgruppe an der Universität Bielefeld ins Leben gerufen wurde, sowie einer wöchentlichen Zoo-Presseschau.

Der TV hatte in dem Bericht über das Abschneiden der Eifeler Parks die Umfragekriterien kritisiert und deren Aussagekraft bezweifelt. So sieht es auch Dirk Petzold: „Volle Zustimmung! Dieser ,Zootest‘ war eine Farce“, schreibt er und wundert sich, dass andere Medien „so einen Mist unhinterfragt übernehmen konnten“.

Hinzu komme, dass die Zoo-Datenbank in jenem Ranking „nicht nur als Quelle genannt, sondern auch, ohne uns auch nur zu fragen, schamlos geplündert“ worden sei.

Die Zoo-Fachleute verfassten deshalb eine Stellungnahme, in der sie sich scharf vom Ranking distanzieren und unterstreichen, „dass wir weder dazu kontaktiert noch gar um Mithilfe gebeten wurden und auch die massenhafte Übernahme unserer Daten nicht genehmigt war“.

Kritisiert wird auch die Art und Weise, in der die Bewertungen zustande gekommen seien: „Demnach wurden lediglich die Punktzahlen der Google-Rezensionen genommen, die nur von 3,2 bis 4,7 reichten ... Und innerhalb dieser schon sehr eingeschränkten Bandbreite wurde dann nach nichtssagenden Kriterien wie ,Anzahl der Bewertungen‘ oder ,Gründungsjahr‘ sortiert.“

Das heiße: „Keinerlei Qualitätskriterien, kein fachlicher Hintergrund; nur subjektive Meinungen einzelner Besucher, die Dinge wie kostenlosen Eintritt als einzigen Anlass für volle Punktzahl nehmen. Oder, wie im Fall des vor einem Jahr durch Hochwasser fast völlig zerstörten Eifel-Zoos, der seinen unverdienten letzten Platz vor allem dem damaligen Shitstorm nach der Erschießung eines im Hochwasser entkommenen Bären zu verdanken hat.“

Tatsächlich war Kragenbär Mike, ein Liebling der Eifel-Zoobesucher, vorigen Juni in den Fluten aus seinem Gehege geraten und drohte entweder zu ertrinken oder nach draußen zu gelangen, wo er eine Gefahr für Mensch und Tier hätte werden können.

Die Betreiber entschieden sich dafür, den Bären zu erlegen. An jenem Katastrophentag kursierte außerdem bundesweit die Falschnachricht, dass Tiger und Löwen ausgebrochen seien, obwohl sie sich in ihren Gehegen vor dem Wasser auf höher gelegene Elemente gerettet hatten.

Unterm Strich, heißt es in der Stellungnahme, sei das Ganze einfach nicht ernstzunehmen: „Letztlich ist es in unseren Augen ein Ranking, das den Namen nicht verdient und das ein Praktikant innerhalb weniger Stunden hätte erstellen können, da nur auf kostenlose Daten Dritter zurückgegriffen wurde. Schade, dass nahezu alle Redaktionen dies völlig unhinterfragt übernommen und abgedruckt haben.“

Jenen Tierparks, die dabei gut abgeschnitten hätten, sei es zwar unbenommen, „daraus medialen Profit zu schlagen, aber man sollte sich bewusst sein, dass die Ergebnisse weitgehend aussagelos sind“. Die Betreiber der übrigen Tierparks, schreiben die Verfasser zum Schluss, „dürfen unsere Kritik gerne für ihre Verteidigung nutzen“.

Die Verantwortlichen in Lünebach – Besitzerfamilie Wallpott und der neue Geschäftsführer Stefan Terlinden – freut diese Reaktion der Experten. Terlinden kennt Dirk Petzold, schätzt dessen Arbeit und auch die Presseschau: „Alle Zoomenschen kriegen die“, sagt er. Und er freut sich über die klare Stellungnahme, die den Eifel-Zoo in Schutz nimmt: „Gar keine Frage. Das ist alles genau auf den Punkt getroffen.“

In Lünebach arbeiten die Verantwortlichen unterdessen weiter an der Erneuerung der Anlage. Sie wollen den Park vor allem in drei Abschnitte untergliedern – Nordeuropa, Nordasien und Nordamerika. Von den Großkatzen werden nur die Löwen bleiben, für die man drei bisherige Gehege zu einem deutlich größeren zusammenführen wird.

Klar, das sei alles noch Baustelle. Aber fast täglich, sagt Stefan Terlinden, gebe es eine neue Überraschung: Soeben habe man die sogenannten Pater-David-Hirsche aus dem Zoo Wuppertal übernommen. Vor vier Tagen sei ein kleines Lama geboren. „Und unser junges Känguruh wagt die ersten Ausflüge aus dem Beutel.“

Demnächst kommt ein Nerz nach Lünebach: Der Zoo beteiligt sich am Projekt „Euronerz“, das die bedrohten Tiere in Deutschland wieder stärken will. Im Frühjahr werde deswegen eine trächtige Fähe einziehen und in Lünebach ihren Nachwuchs zur Welt bringen, bevor dieser dann ausgewildert wird. Und Hans-Hubert, das tibetische Yak, bekommt ebenfalls Gesellschaft: drei Gefährtinnen, mit denen er dann, weil die Watussi-Rinder den Zoo verlassen sollen, in deren Gehege ziehen wird.

Die Stellungnahme im Original sowie viele weitere Angaben zu zahlreichen Tierparks findet man im Internet unter www.zoo-infos.de
Der Eifel-Zoo ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Ab 13 Jahren zahlt man 10 Euro, Kinder von drei bis zwölf Jahren 8 Euro. Darüber hinaus gelten Gruppentarife und Ermäßigungen. www.eifelzoo.de

Mehr von Volksfreund