1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Zu gefährlich: Stadt Bitburg lässt kranke Bäume fällen

Zu gefährlich: Stadt Bitburg lässt kranke Bäume fällen

Ein Blick allein genügt nicht: Um zu prüfen, ob ein Baum standfest ist oder nicht, rücken Mitarbeiter der Bitburger Stadtverwaltung regelmäßig mit Messgeräten an. Zurzeit wird gefällt - unter anderem auf dem Friedhof Erdorfer Straße. Ab welchem Zeitpunkt der Griff zur Säge tatsächlich nötig wird, hat Ralf Mayeres vom Grünflächenamt dem TV erklärt.

Bitburg. Wahre Schönheit kommt von innen. Das weiß wohl keiner besser als Ralf Mayeres von der Stadtverwaltung. Er behält die etwa 3000 Bäume, die Bitburg schmücken, im Blick, entscheidet mit darüber, welcher stehen bleiben darf - und welcher fallen muss. Letzteres geschieht aber meist nur, wenn die Bäume gefährlich werden könnten - wie die Fichten auf dem Friedhof Erdorfer Straße. "Dort haben wir zwei Bäume, die sehen toll aus, aber innendrin sind sie hohl. Die sind eine echte Gefahr."
Für Außenstehende sei das nicht immer verständlich. Denn auf den ersten Blick sei eben nicht zu erkennen, dass "die Physik des Baumes nicht mehr stimmt". Aber die lässt sich genau ermitteln: Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung rücken regelmäßig mindestens einmal im Jahr mit Geräten an und prüfen Zustand und Widerstand des Holzes. Von Bedeutung dabei ist die Restwandstärke, also der verbleibende Teil des Stammes, der den bereits entstandenen Hohlraum umschließt: Wenn die weniger als ein Drittel beträgt, besteht die Gefahr, dass der Stamm bricht - das ist zumindest die statistische Aussage: Immer müsse individuell entschieden werden.
Dabei spielt auch der Standort eine Rolle: Die gut 30 Meter hohe Fichte auf dem Friedhof sei "haarscharf an der Grenze", sagt Rebekka Wegener, Mitarbeiterin bei der Stadtverwaltung. "Wenn sie auf einem freien Feld stehen würde, würde man ihr vielleicht noch ein Jahr geben." Nicht aber auf dem Friedhof, wo so viele Leute unterwegs seien. In den kommenden Wochen soll sie deshalb gefällt werden. Sicherheit geht vor.
In Trier war erst vergangene Woche wieder ein Baum auf die Straße gestürzt; 2012 kam bei einem solchen Unglück eine Frau ums Leben (der TV berichtete, siehe Extra). Ist man seitdem in Bitburg kritischer? "An der Praxis hat sich nichts geändert", sagt Mayeres. Bei den Kontrollen werden alle Bäume im Stadtgebiet genau erfasst: nach Standort, Gattung, Alter und Vitalität. Dafür werden im Jahr etwa 22 000 Euro ausgegeben. Die Geschichte in Trier bezeichnet er als tragisch - und ergänzt: "Tragisch war das auch für die Bäume: Danach wurde gefällt ohne Ende, weil Privatleute einfach Angst hatten. Aber wir haben die Erfahrung und wissen, welche wir stehen lassen können." Man hole aber auch mal eine Meinung mehr ein: "Wenn wir uns nicht sicher sind, ob der Baum jetzt nur Schnupfen hat oder ob das tiefer geht, dann rufen wir uns einen Fachmann dazu."
Wenn klar ist, dass der Baum nicht mehr zu halten ist, muss eben die Säge her. Für die Fällungen nutze man die Monate Dezember bis Februar - wegen der Vegetationsruhe: die Zeit, in der die Pflanzen weniger aktiv sind. "Aber wenn Gefahr im Verzug ist, dürfen wir auch im Sommer fällen." Es seien auch gar nicht so viele Bäume, die weg kämen: "Wir haben im vergangenen Jahr vielleicht ein bis zwei Prozent des Bestandes gefällt", sagt Mayeres. Es falle den Bürgern meist dann auf, wenn die Fällung an einer markanten Stelle geschehe.Bäume für die Zukunft


Zum Beispiel dieses Jahr im Maximiner Wäldchen: "Da haben wir Durchforstung", sagt Mayeres. "Die Bäume, die mehr Platz brauchen, um sich zu entwickeln, kriegen den." Dafür kommen schwächere oder kranke Bäume weg - nach Angaben der Stadtverwaltung handelt es sich dabei um etwa 30 Prozent des Bestandes. "Das hat den Nebeneffekt, dass auch mehr Licht durchkommt." Neu gepflanzt wird auch, sogenannte Zukunftsbäume: "Das sind die, die den Klimawandel am besten überstehen." Dazu gehören etwa bestimmte Eichensorten oder die italienische Erle. Und von denen sollten die Bürger dann auch langfristig etwas haben. Generell würden neue Bäume, wo immer es möglich sei, auch gepflanzt: "Das ist selbstverständlich." Auch auf dem Friedhof Erdorfer Straße. Dort muss aber erst, zusammen mit den beiden Fichten, noch eine dritte weichen - aber nicht etwa, weil sie selbst krank ist. Weil sie jahrelang so dicht an dem erkrankten Baum stand, der jetzt gefällt werden muss, bildet sie mit ihm eine Einheit: Und wenn der eine Baum weg ist, fehlt dem anderen die Standsicherheit.Extra

Mehr Licht: Im Maximiner Wäldchen müssen 30 Prozent von den schwächeren Bäumen weichen, damit die gesunden besser gedeihen können. Mehr Platz: In der Konrad-Adenauer-Anlage müssen Bäume wegen des Spielplatzausbaus gefällt werden. Wenn die Tiefbauarbeiten erledigt sind, sollen aber auch hier wieder neue gepflanzt werden. Mehr Sicherheit: Auf dem Friedhof Erdorfer Straße werden Fichten und in der Moselstraße die Birken entlang des Parkplatzes gefällt. Zudem gibt es Rückschnittarbeiten am Grillplatz in Masholder. eibExtra

Ein kranker Kastanienbaum brach am 22. November 2012 in einem Park in der Nähe des Trierer Hauptmarkts am Fuß ab und stürzte auf eine Straße. Ein Mann erlitt schwere Knochenbrüche, eine 70 Jahre alte Frau starb. Ein Mitarbeiter des städtischen Grünflächenamtes wurde wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 4800 Euro verurteilt. Die Strafe wurde in zweiter Instanz auf 1500 Euro reduziert. Erst am vergangenen Donnerstag stürzte in Trier erneut ein morscher Baum um , am St.-Barbara-Ufer. Es blieb beim Sachschaden. eib