Zu viel Schutz ist nicht gewollt

Zu viel Schutz ist nicht gewollt

BITBURG. Römische und mittelalterliche Zeugnisse gehören in Bitburg zum Alltag – weitere Zeugnisse schlummern im Untergrund. Das noch nicht entdeckte Erbe genießt jedoch nicht den Schutz, der ihm in anderen Kommunen zuteil wird. Zu einer Grabungsschutzzone hat sich die Stadt bisher nicht durchgerungen.

In welcher Stadt gibt es eines der besterhaltenen römische Straßenkastelle nördlich der Alpen? In Xanten, Mainz oder Trier? Nein. Bitburg liegt in dieser Hinsicht weit vorne. Das Beda Vicus erstreckte sich einst dort, wo heute die alte Römerstraße nach Köln als Hauptstraße zwischen Petersplatz und Kreuzung Kölner Straße/Römermauer verläuft. Und auch jenseits dieser Begrenzung - deren Mauerrest teilweise noch im Stadtbild erhalten und schon mal mit einem Müll-Container verunziert ist - werden immer wieder römische Zeugnisse gefunden. Doch anders als in anderen Städten römischen Ursprungs gibt es in Bitburg keine Grabungsschutzzone - sie ist politisch nicht gewollt. "Derzeit steht eine Grabungsschutzzone nicht auf der Tagesordnung", sagt Werner Krämer, Sprecher der Stadt. Zwar habe es bereits einen Vorstoß in diese Richtung gegeben. Der habe aber keine Mehrheit gefunden. Krämer verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass bereits durch die derzeit geltenden Bebauungspläne ein Schutz historischer Bausubstanz gewährleistet sei. "Die Bauherren müssen umgehend das zuständige Landesmuseum Trier informieren, wenn sie bei Ausschachtungsarbeiten etwas finden", sagt Krämer. "Wenn alles nach Recht und Gesetz abläuft, kann dann nicht viel passieren." So viel Vertrauen in die Auffasungsgabe der ausschachtenden Baggerfahrer haben die Stadtratsmitglieder Stephan Garçon und Marie-Luise Niewodniczanska nicht. Die engagierte Denkmalpflegerin sagt beispielsweise, dass trotz einer verbesserten Bewustseinsbildung für das römische Erbe "immer wieder Fehler und die Verminderung des Erbes durch Unwissenheit" geschehen. Deshalb habe sie bereits vor Jahren die Unterschutzstellung des Kastell-Bereichs vorangetrieben. Der in solchen Fällen zuständigen Kreisverwaltung liegt seit Ende der 90er Jahre ein entsprechendes Ersuchen vor. Auch die Stadt ist in das Verfahren einbezogen. Der Bauausschuss der Stadt hatte jedoch deutlich gemacht, dass eine Grabungsschutzzone eventuelle Investoren abschrecken könne. Auch weigerte sich der Ältestenrat, dass Thema überhaupt auf die Tagesordnung einer Stadtratssitzung setzen zu lassen. Diese unendliche Geschichte hat in der jüngsten Zeit wieder neue Brisanz erhalten. Schließlich plant ein Investor, ein Haus nebst Tiefgarage im Bereich Glockenhäuschen/Hans-Lehnert-Gasse neu zu errichten - unweit der Stelle, wo der so genannte Turm P des spätrömischen Kastells gefunden worden war (der TV berichtete). "Es ist ziemlich sicher, dass an dieser Stelle weitere Funde im Erdreich liegen", ist Niewodniczanska sicher. Doch nicht nur das Erdreich im eng umgrenzten Bereich des Kastells verbirgt in Bitburg Relikte vergangener Epochen. Erinnert sei beispielsweise an die Grabfunde bei Ausschachtungsarbeiten im Bereich des Hotels "Bitburger Hof" in der Trierer Straße. Die dort gefunden Vasen gehören heute zu den Prunkstücken des Landesmuseums. Und noch eine weitere Baumaßnahme könnte bisher nicht geglaubte Überraschungen ans Tageslicht bringen. Sollte das Postgebäude wirklich abgerissen werden, so werden dabei vermutlich wiederum ein Gräberfeld und römische Siedlungsspuren zum Vorschein kommen. Zudem befand sich an der Südseite des heutigen Postvorplatzes die mittelalterliche Stadtmauer. Dort, wo früher der vorgelagerte Graben war, befinden sich heute unter anderem Boren- und Karenweg. 700 Jahre lang bis 1895 stand zudem auf dem heutigen Platz "Am Spittel" das Jonneshospital. Die Standorte der alten Peterskirche am heutigen Petersplatz oder der Bereich der Maximiner Straße mit der verschwundenen St.-Maximin-Kirche sind ebenfalls nahezu unerforscht.