Zu wenig Spielraum für die Kleinen

Zu wenig Spielraum für die Kleinen

Während Bund und Land den Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze zunehmend ausbauen, müssen die klammen Kommunen vor Ort dafür sorgen, diesem Anspruch gerecht zu werden. Davon betroffen sind auch die Kindertagesstätten in Bitburg, die den derzeitigen Bedarf längst nicht mehr decken können.

Bitburg. "Das größte Problem bei den Kita-Plätzen liegt darin, die notwendigen Kosten zu stemmen und das dazugehörende Personal zu rekrutieren", sagt Bitburgs Stadtpressesprecher Werner Krämer. Dazu gehöre auch, dass man mit Blick auf die Housing derzeit nicht so im Stadtzentrum investieren könne, wie es nötig wäre. Das Housing-Gelände verfügt über einen Kindergarten. Und diesen kann die Stadt nicht nur gebrauchen, sondern auch haben. Allerdings voraussichtlich erst 2015, wenn die Amerikaner das Areal endgültig aufgeben. Bis es soweit ist, muss die Stadt improvisieren. Der Entscheidungs- und Verwaltungsaufwand, den das erfordert, macht die Sache aber nicht einfacher.
"Wir haben uns der Situation früh gestellt und haben auch Kontakt mit der Stadt, aber das ist ein langer Prozess, bis alles umgesetzt ist", sagt Roswitha Meyer von der Kita gGmbh des Bistums Trier. Sie ist zuständig für die Gesamteinrichtung Bitburg, zu der neben den Kindergärten des Umlands auch die beiden Bitburger Tagesstätten Liebfrauen und St. Peter gehören. Auch dort wird bereits improvisiert. "Wir haben in der Kita Liebfrauen die Betriebserlaubnis auch nur deshalb verlängert bekommen, weil wir in der Grundschule Nord einen Raum für die Vorschulkinder nutzen können", erklärt Meyer, nach der in allen Kitas zu wenig Platz ist.
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Grund dafür ist die Vorgabe des Landes, wonach seit 2010 auch Kinder ab zwei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben. Ab 2013 soll dieser Anspruch bundesweit auch für Einjährige gelten, sodass nahezu alle Kindergärten sich entweder durch Umbau und Erweiterung darauf einrichten oder aber den Betrieb einstellen müssen. Und die demografische Entwicklung, die wie ein Fluch auf jeder Investition liegt, macht die Sache nicht leichter. Denn wie soll der künftige Bedarf an Plätzen für Einjährige ermittelt werden, wenn die angehenden Kita-Besucher selbst in der Familienplanung ihrer zukünftigen Eltern eine bislang unsichere Größe sind?
Dass der Bedarf derzeit jedoch deutlich höher ist als das Angebot, ist unbestritten. So stehen beispielsweise allein in der Kita Zuckerborn nach Auskunft der Stadt 22 Kinder auf der Warteliste, in der Kita Altes Gymnasium sind es sieben und in der Mötscher Einrichtung weitere vier. Und auch bei den unter der Trägerschaft des Bistums stehenden Bitburger Kitas ist die Situation nicht besser. Dort stünden aktuell rund 15 Kinder auf der Warteliste, erklärt Meyer. Allerdings weisen sowohl Meyer als auch Krämer darauf hin, dass diese Zahlen auch Doppelanmeldungen enthalten können. Denn einige Eltern melden ihre Kinder an mehreren Kitas an, um so ihre Chancen auf einen Platz zu erhöhen. Alles ist erlaubt: Schließlich haben die Eltern einen Rechtsanspruch.
"Für den Fall, dass ein Rechtsanspruch durchgesetzt werden müsste, wäre zu prüfen, ob Kinder betreut werden, die keinen Rechtsanspruch besitzen, und ob diese Plätze an die Kinder mit Rechtsanspruch vergeben werden können", erklärt Heike Frankiewitsch, Pressesprecherin der Kreisverwaltung. Das dortige Jugendamt ist Anlaufstelle für Eltern, deren Kinder nicht in Kitas untergebracht werden können. In diesen Fällen vermittelt das Jugendamt Tagesmütter und -väter. Wie Linden erklärt, sei der Betreuungsbedarf bislang allerdings immer "zur Zufriedenheit der Betroffenen" gedeckt worden. "Aus diesem Grunde gab es auch noch keine Fälle, in denen Eltern den Rechtsanspruch durchsetzen mussten."Kita-Plätze: In Bitburg und Stadtteilen gibt es rund 546 Kita-Plätze. Um dem seit August 2010 geltenden Rechtsanspruch für zweijährige Kinder zu erfüllen, werden dieses Jahr 13 neue Plätze in der Kita Altes Gymnasium geschaffen. Auch die integrative Kita der Lebenshilfe richtet zwölf weitere Plätze ein. Mit der Erweiterung der geplanten Kita Liebfrauen gibt es dann in Bitburg Ende 2012 rund 640 Kita-Plätze. Übergangslösung: Die Kita Liebfrauen, die bereits eine Gruppe in die benachbarte Grundschule Nord ausgelagert hat, wird 2012 übergangsweise mit Container-Modulen um drei Gruppen erweitert. Kosten: rund 815 000 Euro; davon zahlt die Stadt rund 255 000 Euro. Den Rest übernimmt der Kreis. Nach dem Abzug der US-Amerikaner aus der Housing soll voraussichtlich ab 2015 dann die dort vorhandene Einrichtung genutzt werden. Tagespflege: 148 Kinder, davon 48 aus Bitburg, nutzen derzeit nach Auskunft der Kreisverwaltung das Tagespflegeangebot des Jugendamts. Dazu zählen nicht nur Kinder, für die derzeit ein Betreuungsanspruch besteht (ab zwei Jahren bis Schuleintritt), sondern auch Jungen und Mädchen ab dem Säuglingsalter bis zum 14. Lebensjahr. Für die Betreuung zuständig sind aktuell 126 Tagespflegemütter und -väter mit entsprechender Qualifizierung. Damit kann laut Kreisverwaltung der Betreuungs-Bedarf weitestgehend gedeckt werden. In größeren Städten wie beispielsweise in Bitburg, bei unregelmäßigen Betreuungs-Zeiten sowie zu Randzeiten sei ein Tagespflegeangebot in Wohnortnähe jedoch nicht immer zu gewährleisten. uhe

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