"Zuerst kommt das Menschliche"

"Zuerst kommt das Menschliche"

DARSCHEID. Zu der Liste der vielen Auszeichnungen für sein Landhotel kann Martin Kucher einen weiteren Preis hinzu zählen: In Hamburg wurde er zum "Top-Ausbilder des Jahres 2004" gewählt.

Die Wände am Eingang zu Kuchers Gourmet & Landhotel in Darscheid sind schon voll gepflastert mit Urkunden und Auszeichnungen. Eine große goldene Glocke mit Urkunde, die dekorativ auf einem Tisch steht, ist die neueste Auszeichnung für Martin Kucher. Im Hamburger Ballsaal auf dem Süllberg erhielt der Eifeler Gourmetkoch den von der Fachzeitschrift "Küche" und dem Verband der Köche Deutschlands (VKD) ausgeschriebenen Preis "Top-Ausbilder des Jahres 2004" in der Kategorie Individual-Gastronomie. Erst zum zweiten Mal überhaupt wurde der Preis verliehen, hinter dem eine Initiative für eine Top-Qualität in der Kochausbildung steht. Ausgezeichnet werden dabei die besten Betriebe in den vier Kategorien Betriebs-, Individual-, Sozial- und Hotel-Gastronomie im Berufsbild Koch.Juroren besuchen nominierte Betriebe

Kriterien für die Preisverleihung sind die soziale Verantwortung, Motivation, der emotionale Einsatz, die fachliche Ausbildung, aber auch Weiterbildungsmaßnahmen der teilnehmenden Betriebe. Jeweils drei Betriebe wurden nach schriftlicher Bewerbung sowie einer Dokumentation der Wettbewerbs- und Prüfungsergebnisse pro Kategorie nominiert. Schließlich besuchten die Juroren die zwölf nominierten Betriebe. Dabei standen Gespräche mit Betriebsinhabern, Ausbildern und Auszubildenden auf dem Programm. Seit 23 Jahren bildet Martin Kucher Köche aus. Im Vorjahr belegte er beim Wettbewerb den dritten Platz. "Eigentlich wollte ich nicht mitmachen, weil ich dachte, dass ein kleiner Betrieb wie unserer keine Chance gegen die Großen hat. Um so schöner war, dass wir uns gegen sie durchgesetzt haben", freut sich der gebürtige Schwabe. Die erneute Teilnahme am Wettbewerb bestätigte Kuchers Ausbildungskonzept: "Bei uns kommt das Menschliche zuerst. Das heißt, die Auszubildenden sind bei uns keine billigen Arbeitskräfte, sondern ihnen wird klar gemacht, dass sie ganz wichtig sind für unseren Betrieb", sagt Martin Kucher. Mit Sven Molitor, der im dritten Lehrjahr ist, und Ameen Jafar im ersten Lehrjahr beschäftigt Kucher zwei Koch-Azubis. "Ich war sehr überrascht über die familiäre Atmosphäre und die Kollegialität hier. Man wird wie ein Familienmitglied behandelt", bestätigt Sven Molitor den positiven Gesamteindruck, den auch die Juroren hatten.Kucher: "Ich verlange viel, gebe aber auch viel"

Rund 20 junge Menschen hat der Spitzenkoch inzwischen ausgebildet. Sein menschliches und fachlich abgestimmtes Konzept hat sich bewährt. Kucher: "Ich verlange viel von den Auszubildenden, aber ich denke, dass ich auch viel gebe. Das sehen sie irgendwie ein und bezeugen es durch ihren Einsatz. Man merkt, dass sie alle mit Begeisterung und Eifer dabei sind." Die Devise des Chefs bei der Ausbildung: "Die Azubis müssen selbstständiges Arbeiten lernen und bekommen dafür auch die Verantwortung übertragen. Darauf lege ich großen Wert." Die schulischen Leistungen beobachtet Martin Kucher genau. Wenn es nicht gut läuft, setzt er sich mit den Azubis zusammen. Der Lohn für gute Noten: "Für eine Arbeit oder einen Test bis zur Note 1,3 bekommen sie eine Flasche Wein. Wenn das Zeugnis im Schnitt bei der Note 1,4 liegt, werden sie von meiner Frau und mir in ein tolles Restaurant eingeladen, wo sie ein großes Menü genießen können." Die Preisverleihung zum "Top-Ausbilder des Jahres 2004" schließt eine erneute Teilnahme am Wettbewerb zwar aus, aber der jetzige Preis dürfte ohnehin für Martin Kucher nicht der letzte für seine Arbeit gewesen sein.