Zuggeräte können Wanderer auf schwierigen Strecken helfen

Kostenpflichtiger Inhalt: Freizeit : Stadt Bitburg plant Kauf von akkubetriebenen Zuggeräten für Rollstühle

Die Stadt Bitburg möchte auch Menschen mit körperlichen Behinderungen das Wandern ermöglichen. Dafür ist unter anderem auch die Anschaffung von akkubetriebenen Zuggeräten für Rollstühle geplant.

Die Anforderungen an einen barrierefreien Komfortwanderweg sind recht hoch. Um als solcher zertifiziert zu werden, muss der Weg unter anderem mindestens 1,80 Meter breit sein. Zudem darf die Steigung auch nicht mehr als sechs Prozent betragen. Sonst nämlich wird es für Rollstuhlfahrer mühsam. Zumindest, wenn sie die Steigung aus eigener Kraft überwinden müssen. In Mittelgebirgsregionen wie der Eifel fällt dadurch schon mal ein Großteil der Wanderwege durchs Raster der barrierefreien Komfortwanderwege. Was aber nicht bedeutet, dass die Wege für Rollstuhlfahrer nicht geeignet sind. Denn es gibt durchaus Hilfsmittel, mit denen auch Rollstuhlfahrer Steigungen von bis zu 20 Prozent bewältigen können. Und eine dieser Möglichkeiten hat Indra Schaperdoth in der jüngsten Sitzung des Bitburger Bauausschusses vorgestellt.

Die Raumplanerin arbeitet für den Zweckverband Naturpark Süd­eifel und betreut dort den barrierefreien Tourismus. Schaperdoth ist damit zuständig für die Modellregion Nord- und Südeifel, die beim rheinland-pfälzischen Wettbewerb „Tourismus für Alle“ den Zuschlag erhalten hat und damit bei der Umsetzung von barrierefreien Angeboten aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert wird. Und da Bitburg in dieser Modellregion liegt, hat sich die Raumplanerin auch mit den Möglichkeiten der Kreisstadt befasst.

„Wir haben überlegt, wie wir Teilhabe ermöglichen können, ohne alles umzukrempeln“, erklärt Schaperdoth. Beim Austausch mit den lokalen Behindertenbeauftragten sei deutlich geworden, dass es nicht darum gehen könne, Sonderlösungen für Menschen mit Beeinträchtigungen zu entwickeln, sagt sie. Vielmehr müsse versucht werden, diesen Menschen die Teilhabe an bereits vorhandenen Angeboten zu ermöglichen. Und hier kommt der Swiss-Trac ins Spiel.

Das vierrädrige Gefährt, das in seiner Form ein wenig an einen geländetauglichen Rasenmäher in Kompaktform erinnert, wird vor den Rollstuhl gespannt und mittels einer Kupplung verbunden. Der Rollstuhl wird so mit einem akkubetriebenen Zuggerät ausgestattet, sodass der Nutzer in der Lage ist, auch etwas unebenere und steilere Wege zu befahren.

Für Bitburg schlägt Schaperdoth die Anschaffung zwei dieser Zuggeräte vor. Darüber hinaus sind im Rahmen des Förderprogramms auch noch weitere Maßnahmen in Bitburg geplant. So wurde im Vorfeld untersucht, welche bereits vorhandenen Wege in und um Bitburg als sogenannte Hilfsgeräte-Routen in Frage kämen. Ermittelt wurden dabei drei Wege. Der erste führt von der Tourist-Information, wo die Geräte geladen und ausgeliehen werden sollen, durch die Fußgängerzone über das Maximiner Wäldchen bis hin zur Kolmeshöhe.  Ein zweiter Weg ist als kleiner Rundweg von der Tourist-Info bis zum Maximiner Wäldchen vorgesehen, und die dritte Route beschränkt sich lediglich auf den Bereich Kolmeshöhe. Diese Route richtet sich an Selbstabholer, die das Gefährt dann vor Ort ausleihen und mit dem eigenen Fahrzeug zur Kolmeshöhe transportieren. Wie die Raumplanerin erklärt, lassen sich die Zuggeräte so zusammenklappen, dass sie nur wenig Platz beanspruchen und ähnlich ins Fahrzeug geladen werden können wie ein Rollstuhl. Geplant ist, diese Routen sowie den ebenfalls barrierefreien archäologischen Rundweg der Stadt gemäß den Qualitätskriterien zu zertifizieren.

Was die barrierefreie Erschließung des Königswäldchens betrifft, so erweist sich diese laut Schaperdoth vor allem aufgrund der dafür notwendigen Überquerung der Rittersdorfer Straße als schwierig. Aus diesem Grund sei geplant, das Königswäldchen ebenfalls als Selbstabholer-Modell zu konzipieren, so die Mitarbeiterin des Naturparks.

Rund 85♦000 Euro, die zu 85 Prozent gefördert werden, sind für das Projekt veranschlagt. Darin enthalten sind die Kosten für die Anschaffung der beiden Zuggeräte (zusammen 25♦000 Euro), das Anpassen von Wegen, die Beschilderung und Bänke. Hinzu kommen weitere jährliche Betriebsausgaben von geschätzt 3000 Euro.

Nachdem der Bauausschuss dieses Vorhaben unterstützt, muss nun die Stadt im nächsten Schritt einen Förderantrag an das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium stellen. Dieser Antrag muss bis Ende des Jahres vorliegen, die einzelnen Maßnahmen selbst müssen bis spätestens Ende 2022 umgesetzt sein.

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