Zugtür zu, Affe tot

Immer wieder sorgt die Deutsche Bahn für Gesprächsstoff - auch die Rentnerin Luise Spoo aus Düren hat eine Geschichte zu erzählen: Als sie in Bitburg-Erdorf aus dem Zug steigen wollte, hätten sich die Türen nicht geöffnet. Eine Parabel über Menschen, Züge und die Kuriositäten des Lebens.

Bitburg-Erdorf. Luise Spoo ist 78 Jahre alt. Sie lebt in Düren in Nordrhein-Westfalen, stammt aber aus der Gegend um Prüm und besitzt keinen Führerschein, weil sie nicht gut sieht. Deshalb ist sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Als sie im September eine Freundin in Meckeln besucht, nimmt sie deshalb - logisch - den Zug. Ihr Ziel: Bitburg-Erdorf. Dort wartet die Freundin am Bahnhof auf sie. Und der Zug? Der macht - und wenn man böse wäre, könnte man auch hier "logisch" schreiben - Probleme."Ich drückte auf den Türöffner, aber die Tür öffnete sich nicht, auch nicht nach mehrmaligem Drücken", erzählt Spoo im Gespräch mit dem TV. "Dann fuhr der Zug weiter. Ich habe vergeblich nach einem Schaffner gesucht." Schließlich stieg Spoo am Trierer Hauptbahnhof aus und informierte dort das Bahnpersonal, die ihr aber nach ihrer Aussage nicht weiterhalfen. Am Ende fuhr sie mit dem Zug in die andere Richtung zurück nach Bitburg-Erdorf und von dort mit dem Taxi weiter nach Meckeln. Ein teurer Spaß, auf dessen Kosten sie am Ende zusätzlich zum Ärger und zur Zeitverschwendung sitzenblieb. Und dies ist nicht das erste Mal, dass Leser beim TV über bockige Zugtüren im Erdorfer Bahnhof berichten: Im Oktober hatte eine Familie ein ähnliches Erlebnis von der anderen Seite der Tür aus: Sie konnten in Erdorf nicht in den Zug einsteigen (der TV berichtete). Wie kann das sein? Kommt es häufiger vor, dass sich Zugtüren nicht öffnen - und, falls ja, warum geschah das innerhalb von zwei Monaten gleich zwei Mal ausgerechnet in Bitburg-Erdorf? Der TV fragt nach bei der Deutschen Bahn in Frankfurt. Die Antwort fällt wenig erhellend aus: Ein Sprecher des Unternehmens weist schriftlich darauf hin, dass sich die Türen des Zuges erst nach dem Halt des Zuges und nach dem grünen Aufleuchten des Türdrückers öffnen lassen. "Bedient man den Türdrücker bei Rot, wird keine Öffnung wirksam", heißt es in dem Schreiben wörtlich. Und weiter: "Es kann sein, dass die Reisenden in Unkenntnis dieses technischen Vorgangs die Türen nicht haben öffnen können."Zu gut deutsch: Vielleicht waren unsere Kunden einfach zu blöd. Immerhin weist man auch auf die Möglichkeit hin, dass die Tür vielleicht wirklich defekt gewesen sein könnte - darüber würden die Passagiere im Fall der Fälle aber durch ein rot blinkendes Licht oder einen schriftlichen Hinweis informiert. Ende der Durchsage. Und Luise Spoo aus Düren? Als erfahrene Bahnfahrerin nimmt sie die Situation dann doch lieber gelassen: "Solche oder ähnliche Geschichten erlebt man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln immer mal wieder", berichtet sie. "Auch die Toiletten in den Zügen sind ja beispielsweise oft abgeschlossen. Wahrscheinlich will man so erreichen, dass man die Toiletten nicht so oft putzen muss." dafMeinung

Knöpfchen oder Köpfchen?Egal, woran es letztlich gelegen hat: Die Reaktion der Bahn irritiert, und der Umgang mit den Problemen der Passagiere treibt definitiv den Blutdruck nach oben. Ein Dienstleistungsunternehmen, das so mit den eigenen Kunden umgeht, verdient den Spott, den es sich mit solchen Aktionen (immer und immer wieder) einfährt. Und das Schlimmste: All die Aufregung und der Protest scheinen am Konzern abzuprallen wie einer Mauer. d.falkner@volksfreund.de