Zukunft der Bitburger Housing: Die Zeit rennt, die Stadt pennt?

Zukunft der Bitburger Housing: Die Zeit rennt, die Stadt pennt?

Moment, da war doch was. Was wird denn nun aus der Housing ohne Landesgartenschau? Offenbar ist die Lage komplizierter und die Zeit knapper als gedacht.

Am Anfang war die Skepsis groß - Bitburg will die Landesgartenschau, was soll das denn?! Die kühne Idee wurde belächelt, manche sprachen von Größenwahn. Doch je konkreter das Konzept für diese Gartenschau wurde, desto mehr wuchs auch die Überzeugung: Ja, das könnte klappen, würde passen. Ein Bonner Planungsbüro ging an den Start, es gab Bürgerwerkstätten, eine unglaubliche Aktion, bei der mehr als 2000 Menschen aus der ganzen Eifel ein musikalisches Bekenntnis für die Gartenschau abgegeben haben, und am Ende war die Enttäuschung groß: Bad Neuenahr-Ahrweiler macht das Rennen, die Eifel geht leer aus.

Keine Frage, es gab eine Menge guter Gründe für Bitburg: Schließlich steht die Stadt - nach der Umnutzung des Flugplatzes und der Kaserne (siehe Hintergrund) - zum wiederholten Mal vor der Herausforderung, eine neue Perspektive für ein jahrzehntelang vom Militär genutztes Gelände zu finden. Ein Areal, das mit rund 65 Hektar in etwa sechs Mal so groß ist wie die Innenstadt.

Immerhin: Im Zuge der Gartenschau-Bewerbung ist es gelungen, in wenigen Monaten einen brauchbaren Plan zu entwickeln, was aus dem riesigen Gelände werden könnte. Seitdem hat sich dann aber nicht mehr so viel getan.
Währenddessen haben die Amerikaner im Juni ihre High School nach Spangdahlem verlegt - und damit das letzte Gebäude aufgegeben, das sie in der Bitburger Housing noch genutzt haben. Zuletzt war im Gespräch, dass die Amerikaner das Areal im Herbst 2018 zurück an die Bundesrepublik geben. Doch warum sollten sie so lange warten?

Nach TV-Informationen steht eine Entscheidung über einen Rückgabe-Termin wohl in dieser Woche an. Bitburg braucht also so langsam einen Plan für die Stadt an der Stadt. "Wir haben ja ein gutes Konzept", sagt Bürgermeister Joachim Kandels. Im Kern geht es dabei um einen Nutzungsmix aus Wohnen, Freizeit und Gewerbe (siehe Grafik). Zudem sind Parkanlagen geplant.

Was offen ist, ist die Frage, wer das Gelände entwickelt. Die Stadt? Der Zweckverband Flugplatz oder der Bund? Bevor das geklärt wird, will die Stadt zunächst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. "Das Konzept für die Landesgartenschau wurde unter hohem zeitlichen Druck entwickelt", sagt Kandels. Jetzt wolle man "da noch mal fundierter einsteigen". Also alles noch mal auf Anfang?

"Grundsätzlich soll an den Grundzügen des Landesgartenschau-Konzepts festgehalten werden", antwortet die Stadtverwaltung auf TV-Anfrage. Bei der Machbarkeitsstudie gehe es darum, "alle Nutzungsoptionen" für das Gelände in den Blick zu nehmen und zu bewerten. Und weiter: "Ein wichtiger Aspekt ist dabei auch, im Gesamtprojekt eine höhere Wirtschaftlichkeit zu erreichen." Basis der Studie: eine "detaillierte Situations- und Marktanalyse".

Im Klartext heißt das wohl: Würde man mehr Häuser auf dem Gelände bauen oder mehr Gewerbe ansiedeln, ließe sich mit der Vermarktung auch mehr Geld verdienen. Schließlich waren für die Landesgartenschau reichlich Grünflächen und Parks vorgesehen, die nun - zumindest theoretisch - auch deutlich kleiner ausfallen könnten.

Theoretisch. Denn in der Praxis hatte der Landrat deutlich gemacht, dass er im Interesse des Kreises ein Ausbluten der Dörfer und Gewerbegebiete verhindern will - und sich deshalb gegen allzu große neue Wohngebiete und Gewerbegebiete in Bitburgs Housing wehrt.

Das könnte der Stadt mit einer Portion Egoismus ja egal sein. Aber wenn es um Konversion geht, hat Bitburg gerade mit dem Kreis als Partner im Zweckverband Flugplatz Erfolg gehabt. Daraus macht auch der Bürgermeister keinen Hehl: "Naheliegend ist es, auf die Erfahrungen des Zweckverbands zurückzugreifen."

Und warum jetzt noch eine Machbarkeitsstudie? Dazu wurde der Stadt bei einem Gespräch mit Vertretern der Bundesimmobilienanstalt (Bima), des Landes sowie des Kreises und der Verbandsgemeinde Bitburger Land geraten - hinter den Kulissen läuft also doch was. Bima und Land haben dabei nach Aussage der Stadtverwaltung auch angekündigt, große Teile der - noch unbekannten - Kosten einer solchen Studie zu übernehmen.

Zudem soll die Studie auch Vorschläge zur Umsetzungsstrategie liefern. Deshalb hängt aus Sicht der Stadt so viel von dieser Machbarkeitsstudie ab. Aber die ist noch nicht beauftragt. "Die Verwaltung stimmt zurzeit noch den Leistungsumfang, das Anforderungsprofil und die Finanzierung der Machbarkeitsstudie mit der Bima und dem Land ab", sagt Stadtpressesprecher Werner Krämer. Geplant sei, dass der Stadtrat "noch dieses Jahr" über die Auftragsvergabe für die Studie entscheide.

Und wann kann dann frühestens mit der Umnutzung der Housing begonnen werden? Dazu die Stadt: "Zunächst muss die Liegenschaft frei sein. Einen Zeitdruck sehen wir derzeit nicht." Nun, das könnte sich vielleicht schneller ändern als gedacht. Wir bleiben dran.KommentarMeinung

Schnell ist andersWas mit der Housing passiert, wird Bitburgs Stadtentwicklung in Zukunft prägen wie kein anderes Projekt. Da überrascht es schon, dass noch immer nicht klar ist, wie die Stadt bei der Umnutzung des riesigen Areals vorgehen will. Zumindest die Studie, von der man sich nun so viele Antworten und wohl auch eine Art von Sicherheit verspricht, könnte längst in der Mache sein. Schließlich war im September 2016 klar, dass aus einer Gartenschau als Initialzündung für die Konversion nichts wird. Es geht nicht um einen Geschwindigkeitspreis, aber ein solches Projekt schleifen zu lassen, ist fahrlässig. Stehen dort jahrelang 50 Gebäude leer, droht genau das, was alle vermeiden wollen: die Entstehung eines Brennpunkts. d.schommer@volksfreund.deExtra: KONVERSION IN BITBURG - EIN LANGER WEG

Der Flugplatz: Das rund 500 Hektar große Flugplatz-Gelände ging 1994 zurück an den Bund. Die Vermarktung hat der Zweckverband Flugplatz übernommen, in dem sich Kreis, Stadt, Verbandsgemeinde Bitburger Land und die Anrainergemeinden Scharfbillig und Röhl engagieren. Heute siedeln auf dem Gelände 178 Unternehmen - und geflogen wird noch immer.
Die Kaserne: Von 1936 bis 1938 für die Wehrmacht gebaut, wurde die Kaserne nach dem Krieg erst vom luxemburgischen, vom französischen und ab 1985 vom amerikanischen Militär genutzt. 2012 ging das zehn Hektar große Areal zurück an den Bund, 2014 wurde dem Zweckverband Flugplatz die Umnutzung übertragen. Anfang 2015 war die Liegenschaft komplett vermarktet: Firmen, Behörden und VHS sind vor Ort. Wohnungen, Kita und mehr folgen. Die Housing: 1953 waren die meisten der rund 50 Blocks - mit zusammen rund 1200 Wohnungen - bezogen. Das Areal ist 65 Hektar groß und grenzt direkt an den Kasernen-Bereich - und wird seit Juni 2017 nicht mehr genutzt.