Zwei Arten von Gestaltung

BETTINGEN. Von der unterschiedlichen Gestaltung der öffentlich geförderten Ortsmitte und des in Eigenarbeit errichteten Friedhofs hat sich ADD-Präsident Josef Peter Mertes bei einem Rundgang in Bettingen ein Bild gemacht.

"Es ist fantastisch, wie sich unsere Dörfer in der Eifel entwickeln", sagt Josef Peter Mertes, Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, bei seinem Besuch in Bettingen begeistert. Er ist angereist, um sich über den Stand der Ortsmitte zu informieren, die das Land Rheinland-Pfalz mit 683 000 Euro bezuschusst hat. "In der heutigen Zeit mag der dreigeschossige Bau einer Ortsmitte für ein Dorf fast schon zu groß anmuten. Aber die geplanten Nutzungen mit einem Laden im Erdgeschoss und Arzt- und Massagepraxen in den oberen Geschossen versprechen, das Gebäude zu beleben", räumt Mertes ein. Außerdem relativieren der große alte Nussbaum und der öffentliche Platz im Vordergrund die Baumasse des Hauses.Voraussetzung für die 80-prozentige Bezuschussung des Projektes war, dass es auf dem Dorferneuerungsplan der Gemeinde basiert und qualitative Mindestanforderungen erfüllt sowie professionell geplant ist.Die Bettinger wissen das Projekt und die großzügige Förderung des Landes zu schätzen. "Das Herz unseres Dorfes ist krank", bekennt der Bettinger Bürgermeister Jürgen Holbach. "Im Hinblick auf die Größe des Dorfes und seines Einzugsbereiches lässt die Ortsmitte einiges zu wünschen übrig. In diesem Zusammenhang ist das Projekt als wichtige Operation zu sehen, die unsere Ortsmitte wieder beleben soll."Schließlich hat Bettingen als Grundzentrum für etwa 1600 Einwohner zentralörtliche Funktionen wie Schul-, Konsumgüter- und ärztliche Versorgung zu erfüllen. Dazu soll das neue Ärzte- und Geschäftshaus zusammen mit einem Platz mit Aufenthaltsfunktion beitragen.Auch die zerrissene Dorfstruktur Bettingens soll mit dem geplanten zentralen Platz einen festen Kern und Kommunikationspunkt erhalten.Dass die öffentliche Investition auch privates Engagement anstößt, zeigt sich unter anderem im geplanten Ausbau des angrenzenden Gasthauses, das seine Restauranterweiterung und den Bau geplanter Ferienwohnungen auf die Platzgestaltung abstimmt und damit wiederum den Rahmen des Platzes formt."Um auch die angrenzenden Privathäuser gleich zu einer angemessenen Fassaden- und Hausgestaltung zu ermuntern, haben wir einen Sammelantrag zur Dorferneuerung gestellt", erläutert Holbach die Verknüpfung von öffentlicher und privater Investition. Den Antrag habe der Kreis Bitburg-Prüm jedoch für dieses Jahr abgelehnt.Bei der Dorferneuerung wird nicht gespart

"Die Investitionen des Landes in die Dorferneuerung werden nicht zurückgefahren", machte Mertes den Bettingern Mut. "Auch wenn das Geld nie ausreichen wird, alle Projekte sofort zu finanzieren." Aber mit etwas Geduld könne sich Bettingen Hoffnungen auf Mittel zur Dorferneuerung machen.Als Kontrast präsentiert Holbach den umstrittenen Friedhof - ein Projekt, das die Bettinger ohne öffentliches Geld in etwa 10 000 Stunden Eigenarbeit realisiert haben. "Mehr als 50 Helfer haben der Gemeinde geholfen, durch Eigenarbeit fast 400 000 Euro einzusparen", macht Holbach den Wert der Eigenarbeit deutlich. "Mit diesem Beispiel will ich dem ADD-Präsidenten zeigen, dass wir Geld nicht verpulvern, sondern selbst viel für unser Dorf tun."Die Gestaltung des Friedhofs, bei dem nackter Stein und strikte Gliederung dominieren und kein einziger Baum die klaren Achsen bricht, scheint auch für Mertes etwas befremdlich. "Er wirkt auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich", hält sich der ADD-Präsident in seinem Urteil zur Gestaltung des Friedhofs zurück. "Allerdings ist es eine beachtliche Leistung, dass die Gemeinde das in Eigenarbeit gemacht hat. Man fragt sich allerdings, warum keine Akzente mit Bäumen gesetzt wurden. Bei einem öffentlich geförderten Projekt wäre dies mit Sicherheit vorgeschrieben worden." Anders sehen das die Bettinger. "Den Bürgern in der Gemeinde gefällt die Anlage gut", ist der Bürgermeister überzeugt. "Die Totenruhe konnte gewahrt werden, und sie war so aus den Friedhofsgebühren zu finanzieren, also ohne erneute Kreditaufnahme der Gemeinde."Doch ein paar niedrig wachsende Sträucher an den Wegen sollen in Zukunft auch der Natur ein bisschen Platz auf dem Friedhof einräumen.