Zwei Bitburger Preußen ziehen in die große Schlacht
Mehr als 6000 Besucher haben das Historienspektakel in Waterloo besucht, wo anlässlich des 200. Jahrestags die letzte große Schlacht Napoleons nachgestellt wurde. Zwei Bitburger waren dabei. Im Folgenden ihr Bericht:
Am 9. Juni 1815 wurde die Schlussakte des Wiener Kongresses, der Vertrag von Wien, der die Neuaufteilung Europas zur Folge hatte, unterzeichnet. Eine gute Woche später, am 18. Juni 1815, verlor Napoleon Bonaparte mit seiner "Grande Armée" seine letzte große Schlacht, und seine Idee von der Einigung Europas ward Geschichte. In Waterloo, dem berühmten kleinen Ort südlich von Brüssel, der damals noch zum Vereinigten Königreich der Niederlande gehörte, gab es anlässlich des 200. Jahrestags der Schlacht ein riesiges Historienspektakel. Fast 6000 Mitglieder historischer Gruppen stellten mit 300 Pferden und über 100 Kanonen sowie Darstellern von Napoleon, Wellington und Marschall Blücher die Schlacht nach.
Mit von der Partie waren auch die beiden Bitburger Hans Binsfeld und Hermann Laub. Die zwei Hobby-Historiker, die sich speziell für europäische Militärgeschichte der vergangenen 200 Jahre interessieren, nahmen in der Uniform der kurmärkischen Landwehr teil. Diese Landwehr war eine im Jahr 1813 gegründete Milizarmee und gehörte zu Blüchers preußischer Armee. Es war ein Teil der Armee, von der Sir Arthur Wellesley, der spätere Duke of Wellington, gesagt haben soll: "Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen..."
Die Uniformen wurden von einer versierten Schneidermeisterin aus Alsdorf nach historischen Vorbildern geschneidert. Schuhe, Mützen, Lederzeug und sonstiges Zubehör wurden von Hans Binsfeld, der im echten Leben eine Schusterei betreibt, gefertigt. Alles musste authentisch sein; neuzeitliche Accessoires wie Quarzuhr und Sonnenbrille beispielsweise sind verpönt, auch wenn der Soldat von damals sie sicher genutzt hätte, wenn er sie besessen hätte.
Damit das Ganze auf dem Schlachtfeld auch echt "herüberkommt", hatte man sich lange auf die Show vorbereitet und die Bewegungsabläufe und den militärischen Drill nach dem historischen preußischen Exerzier-Reglement von damals eingeübt. Jeder Handgriff musste sitzen; zur Sicherheit aller Darsteller und auch der Zuschauer - schließlich wurden echte Steinschlosswaffen abgefeuert, wie sie vor 200 Jahren gebräuchlich waren. Für die Show benutzten die Mitwirkenden Nachbildungen, die wirklich funktionieren und deren Gebrauch deshalb sehr strengen behördlichen Vorschriften unterliegt - selbst wenn sie nur mit Platzpatronen geladen werden.
Warum die beiden Bitburger sich an diesem Spektakel als Darsteller beteiligt haben, erklären sie in erster Linie mit ihrem Interesse an Geschichte. Hinzu kommt, dass sie die besondere Form der Völkerverständigung auf friedlichem Wege schätzen, die sich durch den Austausch mit Darstellern und Besuchern anderer Nationen ergibt. Ihr Fazit: Das Darstellen der Schlacht war im Prinzip wie das heutige Europa im Kleinen: Es war chaotisch, niemand wusste so richtig Bescheid, aber wenn es darauf ankam, stand man zusammen und half sich gegenseitig, und am Ende hat es funktioniert.
Hermann Laub