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Zwei Jahre nach Vorfall in Prüm: Bundespolizist wegen Gewalt angeklagt

Eineinhalb Jahre nach Vorfall in Prüm : Polizist wegen Gewalt im Dienst angeklagt

Eine Festnahme in Prüm hat vor inzwischen eineinhalb Jahren für Furore gesorgt. Dabei soll ein Polizist einen Mann aus dem Auto gezogen und dann heftig verprügelt haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Trier Anklage gegen den Beamten erhoben.

32 Sekunden dauert das Video vom 9. September 2019. Doch diese halbe Minute hat es in sich. Denn der Film, der laut Staatsanwaltschaft von einem zufälligen Zeugen der Geschehnisse am Prümer Hahnplatz aufgenommen wurde, zeigt, wie ein Polizist einen Mann aus einem Auto zieht und danach den am Boden Liegenden tritt und mit einem Schlagstock auf ihn einschlägt.

Eineinhalb Jahre liegt diese Festnahme inzwischen zurück. Seitdem hat der Vorfall nicht für Furore gesorgt, sondern auch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Trier gegen den im Video zu sehenden Bundespolizisten aus Nordrhein-Westfalen nach sich gezogen (der TV berichtete mehrfach).

Diese Untersuchungen sind nun nach Angaben des Leitenden Trierer Oberstaatsanwalts Peter Fritzen abgeschlossen. Die Strafverfolger haben Anklage gegen den Beamten erhoben. Der Vorwurf: Körperverletzung im Amt.

Den Durchbruch brachte offenbar Ende 2020 die Vernehmung des mutmaßlichen Opfers und seiner Beifahrer. Da die aus Frankreich stammen, hatte sich das Verfahren zunächst hingezogen. Denn um die Aussagen der Zeugen zu bekommen, war erstmal ein Rechtshilfe-Ersuchen bei den französischen Behörden  notwendig.

Die Schilderungen der jungen Männer scheinen nun aber Licht ins Dunkel jener Nacht gebracht zu haben. Bei den Ermittlern erhärtete sich jedenfalls der Verdacht, dass der Bundespolizist den 24-jährigen Franzosen „ohne rechtfertigenden Grund mehrere wuchtige Schläge mit einem Schlagstock sowie zwei Tritte gegen den Körper versetzt“ habe.

Die Version des Beschuldigten lautet weiterhin, dass er in Notwehr gehandelt habe. Der Franzose habe Widerstand geleistet. Die Staatsanwaltschaft Trier ist hingegen der Auffassung, „dass die Schläge und Tritte nicht durch Notwehr gerechtfertigt waren, sondern als Überreaktion zu bewerten sind“.

Einfach war die Bewertung der Sache allerdings nicht. Zwar ist der Gewaltakt auf dem Video dokumentiert. Nicht aber, was passiert ist, bevor der Beamte den Mann aus dem Wagen zog. Die Flucht der Franzosen vor dem Polizeiauto nämlich und deren mutmaßlicher Versuch, den Streifenwagen bei einem Überholmanöver zu rammen.

Dabei beginnt die Geschichte am 9. September mit einem Routineeinsatz. Eine Streife der Bundespolizei stoppt die Franzosen, alle im Alter zwischen 22 und 26, auf der Autobahn 60, nahe der belgischen Grenze. Was, da die A 60 eine beliebte Drogenroute ist, durchaus üblich ist.

Danach allerdings spielen sich dann offenbar Szenen wie in einem Actionfilm ab. Denn als die Fahrer das Fenster herunterkurbeln und den Beamten der Marihuana-Geruch entgegenschlägt, treten die Franzosen die Flucht an. Sie liefern sich mit der Polizei eine Verfolgungsjagd durch mehrere Dörfer, die schließlich in Prüm mit einem Unfall endet.

Dabei geraten die Flüchtigen mit ihrem Wagen am Hahnplatz ins Schleudern. Sodass das Auto sich querstellt und der Streifenwagen dagegen donnert. Dabei verletzen sich die Beamten und auch der jetzt Beschuldigte leicht.

Möglich, dass ihm daher die Sicherungen durchbrennen, als er den Franzosen aus dem Wagen zieht. Körperverletzung bleibt aber strafbar und wiegt besonders schwer, wenn ein Polizist sie im Amt verübt. Und das scheint man bei der Staatsanwaltschaft Trier für wahrscheinlich zu halten.

Ob der Bundespolizist sich dafür in einem Prozess verantworten muss, ist allerdings noch unklar. Denn es liegt nun erst mal am Landgericht Trier, zu entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird. Ein Verhandlungstermin steht daher laut Chefermittler Fritzen noch nicht fest. Ebenso wenig,  ob dem Beamten noch ein Disziplinarverfahren und ein Verlust des Jobs droht. Denn solche Konsequenzen folgen erst auf ein Strafverfahren und eine Verurteilung.

Doch auch die Franzosen werden womöglich nicht ungeschoren davonkommen. Gegen den Fahrer des Fluchtautos ist ebenfalls Anklage zum Amtsgericht Bitburg erhoben worden.

Dort wird er sich womöglich nicht nur wegen der Verkehrsdelikte und der Flucht vor der Kontrolle verantworten müssen. Sondern auch, weil die Beamten bei ihm drei Gramm Marihuana gefunden haben und er bei der Fahrt nachweislich unter Drogen stand.