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Zwei Tage im Bordell: Frührentner kann Rechnung über 30.000 Euro nicht bezahlen

Zwei Tage im Bordell: Frührentner kann Rechnung über 30.000 Euro nicht bezahlen

Zweieinhalb Tage hat ein 53-jähriger Mann in einem Bitburger Bordell verbracht, dann kam das böse Erwachen. Für seinen Aufenthalt soll er 31.429 Euro bezahlen. Doch das kann er nicht. Wegen Vorspiegelung falscher Tatsachen stand er in Bitburg vor Gericht. Das Verfahren wurde eingestellt, da der Mann sich mit der Klägerin auf einen Vergleich einigen konnte.

Es sollte der krönende Abschluss einer lustigen Kneipentour werden und endete mit einem finanziellen Fiasko. Wegen Betrugs musste sich ein 53-jähriger Mann aus dem Vulkaneifelkreis am Dienstag vor dem Bitburger Amtsgericht verantworten.

30 bis 40 Bierchen habe er getrunken, bevor er sich an einem frühen Sonntagmorgen im Mai vergangenen Jahres mit dem Taxi zu einer Bar nach Bitburg fahren ließ, schätzt der Angeklagte. Dort trifft er gegen 2 Uhr ein und bleibt zwei Tage.

Er verbringt viel Zeit mit einigen Damen. Die sind sehr durstig, und zwischendurch schläft er auch mal ein Ründchen. Währenddessen wird unten an der Bar fleißig eine Strichliste geführt über die verzehrten Speisen (Pizza), Getränke und diverse Dienstleistungen.

Man habe ihn informiert, als die Summe bei 10.000 Euro angelangt sei, aber da habe er beleidigt reagiert, sagt die Chefin des Etablissements.

Als der Frührentner am Mittwochmorgen das Haus wieder verlassen möchte, wird ihm eine saftige Rechnung präsentiert: 31.429 Euro soll er bezahlen.

"Da wurd's mir heiß. Oh du meine Güte, habe ich gedacht", berichtet der Angeklagte vor Gericht. Er hatte nicht geplant, diese Summe dort auszugeben, sagt der Angeklagte. "Da war das Riesenproblem da."
Da er nicht zahlen kann, unterschreibt er der Chefin einen Schuldschein. Der Mann ist dort kein Unbekannter. Bei seinen Besuchen habe er entweder sofort oder später seine Rechnungen beglichen, sagt die Bordellbesitzerin. Gezahlt habe er jedoch immer.

Nur diesmal nicht. Zwar macht sich der Angeklagte sofort am nächsten Tag auf den Weg zu seiner Bank, aber die gibt ihm kein Geld. Auch die Auflösung eines Rentenvertrags, mit dessen Erlös er seine Schulden bezahlen will, erweist sich als schwierig.

Als er der Klägerin von seinem Problem berichtet, zeigt diese sich hart und besteht auf die Zahlung. Anwälte werden auf beiden Seiten eingeschaltet. Bernd Hoffmann, Anwalt des Angeklagten, kann sich mit der Gegenpartei später auf einen Vergleich einigen. Danach soll sein Mandant nun noch knapp 19.000 Euro zahlen.

Oberamtsanwalt Klaus Pallien findet es dennoch nicht richtig, dass der Angeklagte Leistungen in Anspruch genommen hat, obwohl er wusste, dass er diese nicht sofort bezahlen kann.

Da der Mann nicht vorbestraft und zahlungswillig ist, einigen sich Richterin Andrea Löw und Pallien darauf, das Verfahren einzustellen, mit der Auflage, dass bis Ende September die Summe beglichen sein muss. "Sie sollten demnächst vorher den Verstand einschalten, bevor Sie solche Unternehmungen vornehmen", gibt Pallien dem 53-Jährigen noch mit auf dem Weg. "Da haben Sie vollkommen recht", erwidert dieser mit bekümmerter Miene.