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Zwei Taten, zwei Täter, elf Spuren

Zwei Taten, zwei Täter, elf Spuren

Nach der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ vom Mittwoch gingen neue Hinweise zum Banküberfall in Oberkail ein. In dem Beitrag wurde außerdem aufgelöst, warum die Täter in der Ein-Mann-Filiale so viel Beute machen konnten.

Christian Soulier gab einige neue Details zu dem Überfall in Oberkail preis. Foto: Foto: ZDF Aktenzeichen XY Ungelöst

Der Filialleiter liegt auf dem Boden, die Hände ausgestreckt. Einer der Bankräuber zieht Schubladen auf, wühlt in Schränken. Der andere richtet seine Pistole auf den Bankangestellten. Später, als ein Polizist ihn vernimmt, wird er sagen: "Diese Waffen kriege ich nicht mehr aus dem Kopf."

Ob der Mitarbeiter der Oberkailer Sparkasse die Worte wirklich ausgesprochen hat, wissen wir nicht. Jedenfalls sagt sie der Schauspieler, der ihn im Beitrag von "Aktenzeichen XY ungelöst" verkörpert.

Die Szenen sind nachgestellt. Der Film sollte helfen, sich vorzustellen, was am 2. Februar um 9.23 Uhr in Oberkail passiert ist. Gedreht wurde er nicht in der Filiale im Bitburger Land - auch wenn die Räumlichkeiten sich ähneln: das Vorzimmer mit den Automaten, die Glaswand vor dem Schalter.

Die Redaktion der ZDF-Sendung hat die Aufnahmen schon vor Wochen in Auftrag gegeben. Am Mittwochabend wurde der Beitrag ausgestrahlt.
Neue Hinweise und neue Zeugen könnten die Ermittler jetzt dringend brauchen. Denn nach einem halben Jahr ist die Aufklärung des Falls Oberkail noch immer nicht in Sicht. Die Hoffnung: Vielleicht erkennt ja einer der Zuschauer den Bankräuber, der sich beim Verlassen der Bank die Strumpfmaske auszog.

Eine dreidimensionale Rekonstruktion seines Gesichts dreht sich auf einem Bildschirm im Hintergrund.

Vor dem Monitor steht der Trierer Ermittlungsleiter Christian Soulier. Im Gespräch mit Moderator Rudi Cerne gibt der Polizist Details preis, die noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen sein dürften.

So erklärt er zum Beispiel, warum die Bankräuber in der Ein-Mann-Filiale in Oberkail einen so hohen Betrag erbeuten konnten. Er nimmt dabei Bezug auf eine Szene, die zuvor gezeigt wurde:

Vor dem Überfall besucht eine Kollegin des Filialleiters die Bank. Dabei hat sie eine Tasche voller Geld. Es ist für eine Oberkailer Kundin bestimmt, die einen hohen Betrag abheben will. Die Frau bleibt nicht lange. Nur etwa eine Stunde nach der Geldübergabe stürmen die maskierten Männer in die Sparkasse.

War das ein Zufall oder wussten die Kriminellen von der Lieferung? "Wir sind dem nachgegangen und können inzwischen einen Zusammenhang ausschließen", sagt Soulier. Hier kommen die Ermittler also nicht weiter.

Einen Hinweis, der vielversprechender ist, liefert ein Bankraub im Landkreis Mayen-Koblenz. Soulier ist sich sicher, dass die Täter von Oberkail nur zwei Wochen später in Boos erneut zuschlugen. Was dafür spricht: Die Kleidung, das Aussehen, das Autreten und das Vorgehen der Täter. Nur diesmal hätten sie professioneller und gezielter gehandelt, "nicht so chaotisch und nervös wie bei der ersten Tat."

Eine Unvorsichtigkeit hätten sie sich aber doch geleistet: Vor dem Überfall stahlen die Verbrecher das Nummernschild eines Autos, das auf dem Parkplatz einer Werkstatt stand. Dabei wurden sie durchs Fenster von einer Nachbarin beobachtet. Sie hat sich das Kennzeichen notiert: DAU-NX-126.

Bislang sei das Nummernschild nirgends aufgetaucht, sagt Soulier. Er hofft, dass es jemand wiedererkennt, und sich meldet.

Und tatsächlich wenden sich elf Anrufer nach der Sendung an die Polizei - neun von ihnen landen in Trier, einer in Koblenz und einer im Studio in München. Das teilte ein Sprecher der Trierer Polizei mit.

Da muss doch eine heiße Spur dabei gewesen sein oder? "Leider nichts Konkretes", sagt er. Es handele sich eher um allgemeine Hinweise. Man gehe trotzdem jeder Spur nach.

Ihnen ist noch etwas eingefallen? Beim Hinweistelefon der Polizei 0651/97792480 wartet man auf Anrufe. Der entscheidende Tipp ist den Ermittlern 9000 Euro wert.

Hingergrund: DIE SENDUNG

Die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" wurde 1967 zum ersten Mal ausgestrahlt. Mithilfe von Zuschauerhinweisen sollen Straftaten aufgeklärt werden.

Geklappt hat das in 1571 von insgesamt 3750 vorgestellten Fällen in den vergangenen fünfzig Jahren. Das entspricht einer Erfolgsquote von etwa 42 Prozent.