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Zwei Wanderwege sind in der Eifel am Westwall entstanden

Großkampenberg : Begehbare Geschichte – Zwei Wanderwege sind in der Eifel am Westwall entstanden

Im Rahmen einer Flurbereinigung rund um Großkampenberg, Kesfeld und Leidenborn sind zwei Wanderwege an den Überresten des von den Nationalsozialisten errichteten Westwalls entstanden.

Lässt sich eine militärische Anlage, erbaut auf Anweisung eines verbrecherischen Regimes, friedlich nutzen? Diese Frage stellte sich, als das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) 2004 begann, eine Flurbereinigung in der Verbandsgemeinde Arzfeld zu organisieren. Die neue Bodenordnung soll die Zukunft landwirtschaftlicher Betriebe sichern, 2009 wurden die Flächen nach Gesprächen mit allen Betroffenen neu verteilt – doch auch die Relikte des Westwalls sollten erhalten bleiben.

Denn die Festungslinie mit ihren rund 17 000 Bunkern und einigen Hundert Kilometern Panzerhindernissen, die zwischen 1936 und 1940 erbaut wurde und damals vom Niederrhein bis an die Schweizer Grenze führte (siehe Info), ist nur noch in Fragmenten erhalten. Fast überall sind die Anlagen im und nach dem Zweiten Weltkrieg systematisch gesprengt worden, nur im Grenzgebiet zu Belgien, Luxemburg und Frankreich sind noch gut erhaltene Reste zu finden.

Bei Großkampenberg stehen die im Volksmund „Drachenzähne“ genannten Panzersperren in Vierer- und Fünferreihen. Geschichte, die nun dank eines zwölf Kilometer langen Wanderwegenetzes begehbar wird.

„Ich stamme aus der Schneifel und kann mich daran erinnern, dass die Panzersperren und Bunkeranlagen für die Landwirte ein ewiges Ärgernis darstellten“, sagt Thomas Linnertz, Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier bei der Eröffnung der Wanderwege und der gleichzeitig stattfindenden Abschlussfeier der Flurbereinigung. Oft seien nach Sprengungen Betonteile notdürftig mit Erde zugedeckt worden. „Da sind etliche Pflüge und weitere landwirtschaftliche Maschinen drauf gegangen.“

Dennoch sei Wert darauf gelegt worden, die Reste des Westwalls in die Flurbereinigung rund um Großkampenberg, Kesfeld und Leidenborn zu integrieren, sagt DLR-Leiterin Anja Stumpe. „Das Mahnmal Westwall ist ein Teil der grenzüberschreitenden Erinnerungswege  und ist mit der Ausstattung der Wanderwege samt 16 Informationstafeln in friedlicher Weise neu in Wert gesetzt worden.“

Inzwischen seien die Reste der Anlage auch Lebensraum zahlreicher Tiere und seltener Pflanzen. „Es wurden hier mehr als 80 Flechtenarten und Moose gezählt.“

Ernst Görgen, langjähriger Geschäftsführer des Naturparks Nordeifel, hat sich stets für den Erhalt der Westwall-Relikte eingesetzt und ist im Rahmen der Flurbereinigung in die Entscheidungen zum Erhalt der Ruinen eingebunden gewesen. Dabei habe auch die Frage im Raum gestanden, ob das Mahnmal nicht auch von Neonazis für ihre Zwecke missbraucht werden könnte.

„Ich veranstalte bereits seit langen Jahren Führungen an den Resten des Westwalls“, sagt Görgen. „Braune Gesellen habe ich hier nie gesehen.“