Zwei weitere tote Rehe bei Sülm entdeckt

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus dem Archiv 1. August 2019 : Zwei weitere tote Rehe bei Sülm entdeckt

Die Polizei Bitburg ermittelt wegen des toten Rehs, das bei Sülm mit abgeschnittenen Ohren und einem Stock im Waidloch gefunden wurde. Im direkten Umfeld wurden zwei weitere tote Rehe entdeckt. Die Ermittler schließen einen Zusammenhang nicht aus.

Das Entsetzen ist groß. Und die Frage, wer einem Tier so etwas antut, beschäftigt nicht nur Jäger und TV-Leser, sondern auch die Polizei. „Wir ermitteln“, sagt Jürgen Riemann, stellvertretender Leiter der Bitburger Inspektion. Und zwar in drei Fällen toter Rehe. Die Polizei hält es für wahrscheinlich, dass das malträtierte Tier bei Sülm „eine geplante Tat“ eines „psychisch kranken Menschen“ war, wie Riemann sagt.

Die Fakten: Am Samstag fand Herbert Theis, Pächter des Sülmer Reviers, den etwa zwei Jahre alten Rehbock tot auf einer Wiese nahe eines Weges zwischen Sülm und Dahlem. Todesursache unbekannt. Es könnte ein Wildunfall gewesen sein oder eben ein Schuss – etwa mit einer Armbrust oder einem Sportbogen.

Fundstellen. Foto: TV/Schramm, Johannes

Ein übliches Jagdgewehr scheidet aus: „Dann gäbe es einen kleinen Einschuss und ein großes Ausschussloch“, erklärt Theis. Beides fand er an dem Tier nicht. Dafür aber zwei Löcher an der Flanke, die vom Pfeil einer Armbrust oder eines Sportbogens rühren könnten. Denkbar wäre auch ein Wildunfall, bei dem das Tier am Kopf getroffen wurde. „Wenn das Genick bricht, ist es gleich tot, ohne äußere Unfallspuren“, sagt Theis. Unabhängig davon, wie das Reh zu Tode gekommen ist, hat ihm jemand beide Ohren abgeschnitten und einen Stock ins Waidloch gerammt.

Sollte das Tier mit einer Armbrust oder einem Sportbogen erlegt worden sein, handelt es sich um einen versierten Täter. „Dafür muss man die Technik von Wind und Tarnung beherrschen und zwar richtig gut“, sagt Kreisjagdmeister Gerd Grebener. Denn bei dieser Waffe müsse man sich den Tieren auf mindestens 50 Meter nähern, ohne, dass es Witterung aufnehmen. „Die riechen ja 100fach besser als wir“, sagt Grebener. Zudem müsse jemand, der mit Pfeil und Bogen jage auch gut getarnt sein.

Nachdem zwei weitere tote Rehe gefunden wurden – eins nahe Idesheim, eins nahe Welschbillig – wird die Sache aus Sicht der Polizei unheimlich. „Gleich drei Wildunfälle in kurzer Zeit, in der gleichen Umgebung und kein Mal meldet sich ein Geschädigter? Das wären schon sehr viele Zufälle“, sagt Riemann. Dennoch: Ermittelt werde in alle Richtungen. Viele Szenarien sind denkbar.

Das Problem: Wirklich aufschlussreich sind die neuen Funde nicht, da die beiden Tiere offenbar schon länger tot sind. „Der Verwesungsprozess hat schon eingesetzt“, sagt Riemann. Viel ist nicht mehr zu erkennen. Ob die Rehe bei einem Wildunfall oder durch einen Schuss oder einen Pfeil gestorben seien, ließe sich nicht mehr sagen. Bei beiden Tieren fehlten die Augäpfel. Das sei nicht ungewöhnlich, da diese als erstes von Maden befallen würden, erklärt Riemann und sagt allerdings auch: „Bei einem der beiden Tiere kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie von Menschenhand entfernt wurden.“

Nach dem Verwesungsprozess zu urteilen müssten die beiden bei Idesheim und Welschbillig gefundenen Tiere in etwa zwischen dem 20. und 24. Juli umgekommen sein. Der Rehbock bei Sülm, der am Samstag gefunden wurde, ist erst ein, zwei Tage tot gewesen und demnach also um den 26. Juli gestorben. Die beiden neu entdeckten Tiere sind also länger tot, als das Sülmer Reh.

Und dieser Punkt gefällt Kurt Michael nicht. Er ist der Pächter des Jagdreviers Idesheim-Ittel, also das Nachbarrevier von Sülm. Er sagt: „Seltsam daran ist, dass unser Jagdaufseher mittags noch an der Stelle bei Welschbillig vorbeigegangen ist und da war nichts und abends lag dann das tote Reh da.“ Da das Tier nach dem Verwesungsprozess zu urteilen aber schon Tage tot ist, muss es folglich jemand zum Fundort geschleppt haben So ähnlich war das auch bei der Fundstelle nahe Idesheim. „Dort war unser Jagdaufseher zwei, drei Tage zuvor und dann taucht dort das Tier auf, das aber länger als zwei, drei Tage schon tot ist“, sagt Michael. 

Unabhängig davon, ob diese beiden Funde mit dem Sülmer Reh zusammenhängen, steht für Michael fest: „Da muss jemand wirklich schizophren sein, tote Tiere zu verschleppen.“

Damit stellt sich die nächste Frage: Hat dieser jemand die Tiere zufällig gefunden oder wusste er, wo die Tiere im Wald liegen, weil er sie selbst erlegt hat?

Die Polizei ist bei Ihren Ermittlungen dringend auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen und bittet darum, verdächtige Beobachtungen oder ungewöhnliche Verhaltensweisen im Wald umgehend zu melden. Auch Hinweise zu beschädigten Autos, bei denen kein Versicherungsschaden angemeldet wurde, könnten interessant sein. Auch kleine Beobachtungen können helfen. Hinweise an die Inspektion Bitburg, Telefon 06561/9586-0.

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