Zwei Zäune für 300 000 Euro: Eine Trennung kann in der Eifel teuer sein

Kostenpflichtiger Inhalt: Kostenexplosion nach neun Jahren Planung : Zwei Zäune für 300 000 Euro: Eine Trennung kann in der Eifel teuer sein

Die Trennwände in zwei Bahntunneln auf dem Kylltalradweg entsprechen nicht dem Brandschutz. Seit neun Jahren plant die Bahn den Umbau und liefert immer teurere Kostenermittlungen. Letzte Schätzung: rund 300 000 Euro.

Sie ist nur etwa 1,80 Meter hoch und 138 Meter lang. Die schmale Wand im Bahntunnel bei Auw an der Kyll ist kaum mehr als ein Zaun. Trotzdem beschäftigt die Abtrennung, die Radweg und Zuggleise in der Unterführung teilt, die Behörden seit neun Jahren.

Solange ist bekannt, dass die Trennwand nicht den Brandschutzauflagen entspricht. Denn sie besteht zum Teil aus Holzbohlen, also aus brennbarem Material. Die Befürchtung der Bahngutachter: Wenn ein brennender Zug genau im Tunnel zum stehen käme, könnte der Holzzaun Feuer fangen.

Foto: TV/Christian Altmayer

Aus mutmaßlichen Sicherheitsgründen stand deshalb 2010 sogar im Raum, den Durchgang auf dem Kylltalradweg zu sperren, bis die Verbandsgemeinde (VG) Speicher die Abtrennung instandsetzt. „Das war denen damals brandeilig“, sagt Bauamtsleiter Edmund Weimann.

Zur Sperrung kam es allerdings nie. Der Kyller Tunnel zwischen Auw und Daufenbach ist nach wie vor geöffnet, die Holzwand steht noch immer. Wer jetzt glaubt, dass das Thema vom Tisch ist, irrt aber. Denn nach wie vor beschäftigen sich Mitarbeiter der VG Speicher mit der vermeintlich gefährlichen Trennwand. Und damit sind sie nicht alleine. Denn im Bitburger Land gibt es dasselbe Problem.

Auch die Abtrennung im Dechentunnel bei Kyllburg genügt den Gutachtern des Eisenbahnbundesamtes nicht mehr. Sie besteht ebenfalls aus Holzbohlen und wurde 2010 erstmalig beanstandet. Seitdem, schreibt eine Sprecherin der Verbandsgemeinde, mussten die „von einem über die Deutsche Bahn beauftragten Ingenieurbüro gemachten Vorschläge und Planungen immer wieder verändert und überarbeitet werden.“

Auch zwischen dem Speicherer Bauamtsleiter Edmund Weimann und dem Unternehmen gingen etliche Briefe hin und her. Bald füllten die Unterlagen Aktenordner. Doch auch nach einem Jahrzehnt der Planung ist keine Lösung in Sicht – weder im Bitburger Land, noch in Speicher. Der Grund: Die Kosten für das Verfahren sind explodiert.

Die Bahn fordert inzwischen, dass Speicherer 135 000 Euro in die Trennwand investiert, von der VG Bitburger Land verlangt sie sogar 172 000 Euro. Statt Holzbohlen soll künftig Beton Radler und Zug trennen. Außerdem sollen Fluchttüren in die Durchgänge.

Ironischerweise hatte die VG-Verwaltung Speicher eine ähnliche Variante für den Kyller Tunnel bereits im Jahr 2011 vorgeschlagen. „Wir haben damals noch an eine schnelle Lösung geglaubt“, sagt Weimann, der inzwischen die Verhandlungen für beide Kommunen führt: „Und wurden eines Besseren belehrt.“

Die damalige Version, die für 36 500 Euro zu haben gewesen wäre, fand beim Unternehmen aber keinen Anklang. Und so wurde neu geplant, und neu geplant und neu geplant. Es ist, sagt Weimann, „eine unendliche Geschichte“. Nach der letzten Kostenschätzung haben die Verbandsgemeinden aber die Reißleine gezogen. „172 000 Euro für eine Trennwand – das ist mit uns nicht zu machen“, sagt Weimann. Und so haben die Speicherer und Kyllburger der Bahn einen neuen Vorschlag unterbreitet: „Wir nehmen die Bohlen einfach raus und machen aus der Wand einen Zaun.“ Kostenpunkt: etwa 40 000 Euro.

Ob die Idee bei der Bahn Anklang findet? Gehört haben die Verbandsgemeinden jedenfalls noch nichts vom Unternehmen.

Auch der TV musste lange auf die Rückmeldung des Unternehmens warten.  Die wesentlichen Fragen, also warum das ganze so teuer wurde und die Planung so lange dauerte, ließ eine Sprecherin der Bahn unbeantwortet. In ihrer Mail heißt es lediglich: „Bezüglich der künftigen Gestaltung der Trennwände haben sich die Verbandsgemeinden Speicher und Bitburger Land sowie die DB Netz AG auf gemauerte Schalungssteine, die ausbetoniert werden, geeinigt. Zur weiteren Vorgehensweise ist die DB Netz AG mit den Gemeinden, denen die Ausführung obliegt, im Gespräch.“

Beim Eisenbahnbundesamt wiederum fühlt man sich nicht zuständig, antwortet aber stellvertretend für die Bahn: „Die DB Netz AG wird jeweils brandtechnische Gutachten einholen und dabei auch einen Holzfachmann beteiligen. Sollten sich aus dem Gutachten erforderliche Anpassungen ergeben, würde sie diese in angemessener Frist umsetzen.“

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