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Zweiter Anlauf für die letzte Ruhe

Zweiter Anlauf für die letzte Ruhe

Nach Niederweiler soll nun in Neuerburg der der zweite Begräbniswald im Eifelkreis entstehen. Das dafür notwendige Grundstück musste die Stadt nicht lange suchen. Im Wald oberhalb der Burg wurde bereits vor 40 Jahren ein Friedhof angelegt. Nur beigesetzt wurde dort bislang keiner.

Neuerburg. Etwas kurios ist die Angelegenheit natürlich schon. Und auch für Anna Kling hat das Ganze etwas von einem Schildbürgerstreich. In diesem Fall wäre sie also nicht Stadtbürgermeisterin von Neuerburg, sondern von Schilda, wobei sich diese fragwürdige Aktion lange vor ihrer Amtszeit abgespielt hat. Genau genommen war die junge Stadtbürgermeisterin damals noch gar nicht auf der Welt. Schließlich ist es bereits gut 40 Jahre her. Und angefangen hat alles dort, wo heute das vor rund vier Jahrzehnten errichtete Schulzentrum steht - und nach wie vor der Friedhof. Letzterer sollte nämlich im Zuge der Bildungsbauoffensive verschwinden.
Urnen statt Erdbestattungen


So sei damals geplant gewesen, den Friedhof gut anderthalb Kilometer weiter nach Westen zu verlagern - und zwar in der Nähe der K 50, die nach Koxhausen führt, erklärt Kling. Und nicht nur das. Dieser Friedhof wurde auch gebaut, liegt heute unmittelbar neben dem Waldhaus Bornhöfchen und damit in idyllischer Lage. Doch hat diese Idylle einen Haken. So sei die Anlage damals in einem Quellgebiet errichtet worden, erklärt die Stadtbürgermeisterin, so dass der Friedhof nicht in Betrieb genommen werden durfte. Doch mit einem zweiten Versuch soll sich das nun ändern.
Denn die Stadt Neuerburg möchte dort einen Waldfriedhof einrichten. Ähnlich wie in Niederweiler in der Verbandsgemeinde Bitburg-Land, wo im vergangenen Jahr ein Begräbniswald eröffnet wurde, sollen nach den Vorstellungen der Stadt damit zukünftig auch in Neuerburg Beisetzungen in der Natur möglich sein. Und ebenfalls genau wie in Niederweiler soll auch in Neuerburg ein privater Träger die Einrichtung betreiben, erklärt Kling, wodurch der Stadt keine Unkosten entstehen würden. Es gebe auch bereits konkrete Interessenten für das Projekt, mit denen derzeit verhandelt werde.
Neben den zum Teil gepflasterten Wegen sind auch heute noch die damals in den Hang angelegten Terrassen für die Grabfelder erkennbar. Mittlerweile sind diese allerdings weitgehend von Bäumen und Sträuchern bewachsen, was dem naturnahen Charakter des Vorhabens allerdings eher nutzt als schadet. Ebenfalls vorhanden ist die Kapelle mit Einsegnungshalle, die seinerzeit dort errichtet wurde und nun von der evangelischen Kirchengemeinde Bitburg als Waldkirche genutzt wird. Wie Kling erklärt, sei die Kirchengemeinde an einer Beendigung des Pachtverhältnisses auch interessiert, "nur können wir den Vertrag nicht ohne weiteres auflösen, solange wir keine Folgenutzung haben".
Der nun geplante Waldfriedhof wäre eine Folgenutzung. Und sollten sich Stadt und Betreiber einigen, müsste als nächster Schritt bei der Kreisverwaltung, die bereits über das Projekt informiert wurde, eine Genehmigung beantragt werden. Die Chancen, dass dieser Antrag Erfolg hat, stehen nicht schlecht. Oder sind zumindest größer als noch vor 40 Jahren. Denn im Gegensatz zu damals sollen auf dem nun geplanten Waldfriedhof keine Särge, sondern nur Urnen beigesetzt werden, womit die wohl wichtigste Voraussetzung für eine Genehmigung gegeben ist. Zudem dürfen in Deutschland bei Naturbestattungen ohnehin nur Urnen eingesetzt werden, die biologisch abbaubar und damit genau wie die Asche darin für Boden und Wasser unbedenklich sind. Das Bistum Trier hat einen Leitfaden erstellt, der auch Waldbestattungen berücksichtigt. Katholische Pfarrer können Naturbegräbnisse begleiten, sind aber nicht dazu verpflichtet. Es muss zudem gewährleistet sein, dass weder der Betreiber noch die Angehörigen oder der Verstorbene selbst "pantheistische, naturreligiöse und nichtchristliche Ideologien" vertreten oder vertreten haben. Außerdem muss es möglich sein, am Bestattungsort ein Schild mit dem Namen des Verstorbenen und einem christlichen Symbol anzubringen. uhe