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Zweiter Prozesstag vor dem Landgericht Trier wegen Mordversuch

Zweiter Prozesstag : Aufs Glockenläuten folgte ein Schrei

Eine 71-jährige Eifelerin wird beschuldigt, versucht zu haben, ihren Mann zu ermorden. Beim zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Trier wurden die Nachbarn des Paares sowie eine Rechtsmedizinerin befragt.

Die Kirchenglocken läuten, es sei etwa 19 Uhr gewesen, erklärt eine Zeugin vor dem Landgericht Trier. Gleichzeitig mit dem Schlagen der Glocken sei ein fürchterlicher Schrei aus dem Nachbarhaus gehallt, fährt die Frau mit ihrer Aussage fort. Dem Schrei sei ein verzweifelter Ruf gefolgt: „Jetzt bist du weg! Jetzt bist du weg!“ So beschreibt die Frau ihre Erinnerungen an den Abend, für den sich eine 71-Jährige vor dem Landgericht Trier verantworten muss.

Die Staatsanwaltschaft wirft der schwer depressiven Frau vor, versucht zu haben, ihren Mann zu ermorden (der TV berichtete). Danach soll sie mit einem Versuch, sich selbst das Leben zu nehmen, gescheitert sein.

Während beim Prozessauftakt vor gut zwei Wochen vor allem die beteiligten Polizisten aussagten (der TV berichtete), wurden am zweiten Vehandlungstag gestern die Nachbarn des Opfers und der mutmaßlichen Täterin zu dem Vorfall vernommen, wobei noch einmal genau geklärt werden sollte, was sich an jenem Abend im August vergangenen Jahres in der Verbandsgemeinde Süd­eifel abspielte.

Denn einiges ist noch nicht ganz klar. Als der Niedergestochene im Vorfeld des Prozesses befragt wurde, konnte er sich beispielsweise nicht an den Schrei seiner Frau erinnern, von dem seine Nachbarin berichtete. Die Aussagen der insgesamt drei geladenen Nachbarn stimmen allerdings miteinander und auch mit den Aussagen der Beamten überein.

So scheint bestätigt, dass  der Geschädigte, nachdem er den Notruf wählte, auch noch seine Nachbarin anrief und um Hilfe suchte. Diese sagte aus, ihn dann blutverschmiert im Treppenhaus gesehen und daraufhin Hilfe geholt zu haben. Auch der Ersthelfer bestätigte, das Opfer provisorisch versorgt zu haben, bis die Rettungssanitäter vor Ort waren.

Zu klären war zudem, wie schwer und potentiell bedrohlich die Messerattacke gewesen ist. Dazu wurde eine Rechtsmedizinerin befragt, die ein Gutachten über die Verletzungen erstellte. Die Stichwunde sei zum Glück nicht tief genug gewesen, um die Lunge des Opfers erheblich zu verletzen. Allerdings, so räumt die Medizinerin ein, hätte ein anderer Winkel oder mehr Kraft hinter dem Stoß durchaus schwerwiegende Konsequenzen haben können. Ein tieferes Eindringen in die Lunge – oder auch ins Herz – hätte tödlich enden können. In diesem Fall sei der Messerstoß aber ohne schwerwiegende Folgen für die Gesundheit des Niedergestochenen geblieben. Der 72-Jährige sei stets stabil, ansprechbar und wohl zu keinem Zeitpunkt in akuter Lebensgefahr gewesen.

Auch die Krankheit der Angeklagten spielte wieder eine Rolle. Aus den Zeugenaussagen geht hervor, dass die Frau seit vielen Jahren arbeitsunfähig ist und sich nach dem Ruhestand ihrer behandelnden Psychiaterin immer weiter isoliert hat, von der Außenwelt und auch von der eigenen Familie. Die Zeugen merken an, dass in den vergangenen Jahren eine deutliche Verschlechterung der psychischen Verfassung der Frau bemerkbar war. Auch ihr Ehemann habe zuletzt „ziemlich fertig, blass und angespannt“ gewirkt, sagt eine Zeugin.

An diesem zweiten Prozesstag sollte eigentlich auch das psychiatrische Gutachten des Sachverständingen Professor Wolfgang Retz gehört werden. Damit die Motive der mutmaßlichen Täterin und die aktuellen Entwicklungen ihrer psychischen Verfassung angemessen beurteilt werden können, wird am nächsten und wahrscheinlich auch letzten Prozesstag noch die behandelnde Psychiaterin aussagen. Retz wird daraufhin sein Gutachten vortragen. Die Beschuldigte hat sich im Prozess bisher noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Der dritte Prozesstag ist am Dienstag, 5. Mai, um 9 Uhr. Aller Voraussicht nach wird es ein Urteil geben.