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Zwischen aktivem Gestalten der Zukunft und offline sein

Zwischen aktivem Gestalten der Zukunft und offline sein

Ranga Yogeshwar hat im ausverkauften Trifolion Echternach die Horizonte-Reihe eröffnet. Der luxemburgische Wissenschaftsjournalist sprach über das Leben zwischen aktivem Gestalten der Zukunft und offline sein.

Echternach. Sich ohne Furcht vor Neuem auf eine spannende Zukunft freuen und Entwicklungen aufgeschlossen, aber auch kritisch gegenüberzustehen - so lautet das Credo des in Indien und Luxemburg aufgewachsenen Wissenschaftlers und Fernsehstars Ranga Yogeshwar. Er zeigt seinem luxemburgischen und deutschen Publikum im Echternacher Trifolion beides, Fluch und Segen von Technologie- und Innovationsschüben. Sein Optimismus wird, was die von Trifolion-Direktor Ralf Britten moderierte Diskussionsrunde mit dem Publikum zeigt, nicht immer uneingeschränkt geteilt.
Der Mensch hat die Wahl


Was den Abend ausmacht, sind die Zusammenhänge, die Yogeshwar aufzeigt. Das Telefon, das er als einen Indikator für die Innovationsgeschwindigkeit der Gesellschaft betrachtet, habe früher im Flur gestanden, später dann im Wohnzimmer. Speziell bei der Jugend, die damit auch ständig ,,on", also im Internet, sei, sei es heute quasi zum Körperteil geworden. Interessant, so Yogeshwar, sei auch seine Beobachtung, dass ein Kind, das vor einem Telefon mit Wählscheibe sitze, permanent versucht sei, auf die Zahlen zu drücken.
Das Internet, so Yogeshwar, schaffe die große Chance zu mehr Gerechtigkeit im Wissen. Denn es eröffne die Möglichkeit, Informationen auch mit den bislang benachteiligten Regionen in der ganzen Welt zu teilen. Wissen und damit dessen Nutzung sei damit nicht mehr, wie in der Vergangenheit, monopolisiert. Lehrer müssten sich mit dem Gedanken anfreunden, dass es in Zukunft auch sie sein könnten, die von Schülern lernen. Auch das in immer mehr Großstädten praktizierte Car-Sharing betrachtet Yogeshwar als Indikator eines Umdenkens, ein Auto nicht mehr alleine zu besitzen, sondern es durch eine Nutzung mit vielen zu teilen.
Dabei nimmt der luxemburgische Journalist nicht für sich in Anspruch, Lösungen parat zu haben, sondern zeigt ebenso Risiken und Handlungsalternativen auf. Die Frage "Wollen wir diese Innovation?" verknüpft er mit seiner Botschaft, dass die Menschen darin frei seien, selbst zu entscheiden, welchen Preis sie für die Nutzung einer Errungenschaft zu zahlen bereit seien.
Die Nutzung des Internets mag vermeintlich kostenlos sein, sie habe aber als Kehrseite die Preisgabe von Daten sowie Denk- und Verhaltensmustern, die ein User mit jedem Klick preisgebe. Sehr einfach erklärt Yogeshwar auch, dass eine von ihm versandte E-Mail auf ihrem Weg von Hennef nach Olpe ihren Weg auch über einen amerikanischen Server nehme und hierbei zwangsläufig nicht mehr nur der deutschen Gesetzgebung unterliege. Was Yogeshwar tut, ist, Zusammenhänge aufzuzeigen, Errungenschaften zu nennen, Dinge zugleich auch auf den Prüfstand zu stellen. ,,Aktives Gestalten!" Das fordert der 54-Jährige für die Gesellschaft der Zukunft. Deshalb sei jeder selbst dafür zuständig, welche Informationen er nutze und preisgebe. Das Handy einfach mal ausschalten und komplett offline gehen, so lautete das Fazit seines Vortrags. red
Extra

Weitere Termine: Sonntag, 16. März, 20 Uhr, Henryk M. Broder "Die letzten Tage Europas"; Samstag, 26. April, 20 Uhr, Jean-Claude Juncker "Die Zukunft der Nationalstaaten ein Auslaufmodell?"; Donnerstag, 10. Juli, 20 Uhr, Josef M. Gaßner "Leben im Universum endlose Erfolgsstory oder kurze Episode?". red