Zwischen den Stürmen: Gefahr in den Eifel-Wäldern

Kostenpflichtiger Inhalt: Nächstes Unwetter am Sonntag? : Die Unruhe vor dem nächsten Sturm - Gefahr in den Eifel-Wäldern

Das Tief Sabine ist noch nicht lange durch, da warnen die Wetterdienste vor dem nächsten Sturm am Sonntag. Die Gefahr vor allem in den Wäldern, sagen die Eifeler Förster, bleibt hoch.

Stürmische Woche: Auch in den Tagen nach Tief Sabine fegten immer wieder mächtige Windböen über die Eifel. Und sie warfen weitere Bäume um, die zunächst noch hatten standhalten können.

Das sei die „klassische Chronologie“ im Fall eines Orkans, sagt Peter Wind, Chef des Forstamts Prüm. Erst komme der Sturm und werfe vieles um, „dann kommen weitere Böen, und es fallen einzelne Bäume nach. Das hat das Schadensmaß erhöht.“ Aber, das sagt er allerdings auch, „nicht dramatisch.“

Winds Zwischenfazit: „Sabine war nicht so stark wie befürchtet, aber schlimm genug.“ Dennoch, weil eben in vielen Flächen weitere Sturzkandidaten stünden, warnt Wind „nachdrücklich davor, Waldwege zu betreten“. Denn jederzeit könne ein instabiler Baum auch ohne Vorwarnung in die Knie gehen.

Das schätzen Winds Kollegen etwas weiter südlich genauso ein. „Diese Woche sollten sich alle auf jeden Fall aus den Wäldern raushalten“, sagt Olaf Böhmer, Leiter des Neuerburger Forstamts. Nicht nur wegen ganzer Bäume, die eventuell umstürzen: „Selbst dicke Äste brechen schon beim leichtesten Luftzug ab, und die haben genug Gewicht, um einen Menschen richtig zu verletzen.“

Die Bäume sind ohnehin infolge der Trockenheit und des Käferbefalls der vergangenen beiden Jahre bereits geschwächt. Was die Situation noch verschärfen wird: Kommendes Wochenende sind erneut Sturmböen angekündigt. „Die bräuchten noch nicht mal so stark zu sein wie vergangenen Sonntag“, sagt Böhmer, „wegen der aufgeweichten Böden wird da noch einiges nachfallen.“

Das auch deshalb, weil etliche der grünen Riesen jetzt schon angeschoben sind. Das bedeutet, wie der Bitburger Forstamtsleiter Jürgen Weis erklärt: „Die Bäume wurden aus der Senkrechten abgedrückt, die stehen nicht mehr gerade, der Wurzel-Boden-Kontakt ist sehr labil, einige Wurzeln bereits abgebrochen.“ Da fehlt also nicht mehr viel, damit ein solcher Baum fällt.

Deshalb finden die Fachleute es auch völlig unverständlich, dass sich Menschen freiwillig in diese Gefahr begeben. Schon kurz nach dem Sturm sah der Prümer Forstamtsleiter Wind bereits wieder Spaziergänger in den instabilen Beständen.

Andere fuhren mit Autos auf gesperrten Straßen – was dann gleich dazu geführt habe, dass einer auf der Schneifel gegen einen nachgestürzten Baumstamm geknallt sei. Wind wird deutlich: „Die Leute sind gnadenlos unvernünftig“, sagt er. „Gegen Dummheit scheint offensichtlich kein Kraut gewachsen zu sein.“ Ob rund um Bitburg, Prüm oder Neuerburg: Die Warnung ist eindeutig: „Bitte bleiben Sie aus den Wäldern raus“, sagt Weis, „es besteht Lebensgefahr.“

Die ganze Woche über waren Wind und die neun Prümer Revierförster unterwegs und versuchten, sich einen Eindruck über die Schäden zu machen. Nicht einfach: „Wir haben mehr als 20 000 Hektar“, sagt er. Da könne man in wenigen Tagen weder eine umfassende Schätzung der Schäden liefern noch das Sturmholz und die Gefahren beseitigt haben. Zumal weiterhin niemand richtig tief in die Wälder geschickt werden könne – zu riskant.

Auch die Drohne des Forstamts, mit der man ungefährdet einen Überblick erhalten könnte, stieg bisher noch nicht auf. Wind: „Die wäre uns weggeweht worden.“ Ähnlich sieht es in den Forstämtern Bitburg – 15 000 Hektar Waldfläche – und Neuerburg – 22 000 Hektar – aus. Denn auch für die Forstleute selbst ist es zu gefährlich in die Wälder zu gehen. „Wir haben uns entlang der Straßen und der Hauptwege einen groben Überblick verschafft“, sagt Weis.

Fest steht: Sabine hat deutlich weniger umgeworfen als beispielsweise Eberhard oder Kyrill. Aber: Der jüngste Sturm trifft die Forstleute in einer ohnehin schon angespannten Situation. „Wir müssten jetzt eigentlich noch das Käferholz aufarbeiten“, sagt Böhmer, „aber jetzt ist es wichtiger, dass wir uns um das frische Sturmholz kümmern.“ Denn das ließe sich, so es nicht auch vom Käfer befallen ist, wenigstens zu etwas besseren Preisen vermarkten.

Kostenintensiv wird das ganze ohnehin. „Wir hatten ja keine flächigen Würfe, wo es riesige Schneisen in die Bestände geschlagen hat, sondern vor allem Einzelbäume, mal hier, mal dort über den kompletten Bezirk“, sagt Weis. Und diese breite Streuung mache die Sache aufwändig.

Weis geht davon aus, dass im Bitburger Forstamtsbezirk etwa 4000 Festmeter Sturmholz aufgearbeitet werden müssen: „Das sind etwa 6000 bis 7000 Bäume.“ Ähnlich sieht es in Neuerburg aus. Vor allem die Fichte hat es getroffen. Die Baumart, der auch schon der Borkenkäfer am meisten zugesetzt hat.

Gab es für normales Fichtenbauholz Anfang 2018 noch 90 Euro pro Festmeter, hofft Weis nun darauf, für frisches Sturmholz wenigstens 60 bis 65 Euro pro Festmeter zu bekommen. Käferholz liegt bei um die 40 Euro. Da kämpft die Forstwirtschaft seit vergangenem Jahr gerade mit genug Einbußen.

„Wir hatten jetzt zwei sehr harte Jahre im Forst“, sagt Weis. Und ihn sorgt, mit Blick auf das kommende Wochenende, dass es noch mehr Bäume umwirft und die Preise wegen des Überangebots weiter in den Boden gehen.

Letzter Ausweg, um nicht zu Niedrigpreisen verkaufen zu müssen: „Dann bleibt nur, einzulagern.“ Aber solche Nasslager, in denen Holz drei bis vier Jahre aufbewahrt werden kann, gibt es auch nicht umsonst. Und so bleibt mit Blick auf die nächsten Böen die Sorge im Forst – und die Gefahr für Spaziergänger und Radler im Wald.