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Zwischen "Jet" und "Eppes" fiel die Grenze

Zwischen "Jet" und "Eppes" fiel die Grenze

Es war keine Liebesheirat, als die Kreise Prüm und Bitburg zum Landkreis Bitburg-Prüm vereinigt wurden. 39 Jahre nach der Neugründung des Kreises spielt die Kreisreform nur noch unterschwellig eine Rolle.

Bitburg/Prüm. Wer sich als Redner bei einer Veranstaltung im Prüm unbeliebt machen will, der vergisst bei der Nennung des Kreisnamens einfach den Teil, der hinter Bitburg kommt. So einfach geht das auch noch rund 39 Jahre, nachdem per Gesetz der Landkreis Bitburg-Prüm aus der Taufe gehoben wurde.

Während im Süden des Kreises so recht niemand die Aufregung um die Neuorganisation verstehen konnte, gab es im Norden Proteste. Denn die Prümer fürchten seit diesem Tag, ständig benachteiligt zu werden. Da soll sogar nach Bekanntgabe der Reform eine Fahne mit dem Wappen des Kreises Prüm nebst Trauerflor gehisst worden sein. Aus der heutigen Kreisstadt ist solch ein Vorgang nicht überliefert. Auch wenn dort ebenfalls die alte Kreisflagge eingemottet werden musste.

Dass sich Prümer und Bitburger nicht immer grün sind, hat sicher auch mit unterschiedlichen Traditionen zu tun. Das macht sich unter anderm an den unterschiedlichen Dialekten nördlich und südlich der "Jet/Eppes"-Grenze fest.

Der feine Sinn für diesen Unterschied manifestiert sich auch schon mal in großen Lettern. Bei der bisher letzten Landtagswahl warb beispielsweise ein Kandidat der CDU aus dem Süden mit dem Slogan "Änen vun ees" (Einer von uns).

Das sahen Menschen in Prüm anders, die den Spruch in "Känen van us" (Keiner von uns) umgestalteten. Übrigens: Solche Feinheiten gibt es auch bei der SPD.

Da kritisierte etwa ein Ortsverein aus der Region Bitburg, dass alle Mitglieder des neuen geschäftsführenden Vorstands aus dem Altkreis Prüm stammen. Von einem Nord-Süd-Konflikt war gar die Rede.

Die sprachliche Trennlinie zwischen Norden und Süden zwischen den Altkreisen Bitburg und Prüm verläuft ungefähr dort, wo bis 1970 die beiden Kreise aneinandergrenzten.

Durch die Reform wurden zudem neue Grenzen im Osten und Süden gezogen. Der Raum Stadtkyll und Birresborn ging an den Kreis Daun, heute Vulkaneifel-Kreis. Die Gegend um Spang und Oberkail wechselte vom Kreis Wittlich, und die Sauer-Region bei Minden ging vom Kreis Trier nach Bitburg-Prüm.

Trotz der neuen Kreiszuschnitte haben sich vielfach die alten Orientierungen erhalten. Stadtkyller Schüler besuchen oft Schulen in Prüm, die Oberkailer sind durchaus nach Wittlich orientiert. Und ehe ein Prümer nach Bitburg fährt, fährt er meist lieber nach Gerolstein. Und auch die Bitburger zieht es eher nach Trier als nach Prüm.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Kreisreform gemacht? Spielt die Frage nach dem Verwaltungssitz für Sie überhaupt eine Rolle? Mailen Sie uns Ihre Meinung mit Angabe Ihres Namens und Wohnortes an eifel-echo@volksfreund.de