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Zwölf Stunden auf dem Bedaplatz in Bitburg

Zwölf Stunden auf dem Bedaplatz in Bitburg

Das schönste Fleckchen in Bitburg ist er gewiss nicht, aber eines der geschäftigsten allemal: der Bedaplatz. Der TV dokumentiert einen sonnigen Tag zwischen Bratwurst und Banken, Kaffee, Kunst und Klo.

Ein Bürogebäude, zwei große Bankfilialen, das Haus Beda - der Rest des Bedaplatzes hat eher Hinterhof-Charme: Häuserwracks, Schotter, Container und ein paar Alibi-Pflänzchen umgeben eine weite graue Fläche. Bit-Galerie und Beda-Carree sollen dieses Bild bald grundlegend verändern (siehe Info). Doch es dauert noch ein paar Jahre, bis hier Menschen shoppen und wohnen werden. Noch sieht der Alltag anders aus:

7 Uhr: Andernorts erwacht die Stadt bei Vogelzwitschern. Hier klirren Flaschen in Altglascontainer, ein Bagger dröhnt von dannen, ein Reisebus brummt auf dem Parkplatz und wartet auf seine Passagiere. Und rings um den Bedaplatz rauscht der Berufsverkehr. Noch ist der Platz fast leer. Doch das soll sich bald ändern.

8 Uhr: An der Sparkasse verkündet eine digitale Anzeige die Uhrzeit und 17 Grad Temperatur. Bald öffnen die Bankschalter. Männer und Frauen in Anzügen schlendern in das Gebäude, fast jeder hat einen Pappbecher Kaffee in der Hand. Der Bedaplatz füllt sich, die meisten parken jedoch nur kurz. "Tut mir leid, keine Zeit", sagt eine blonde Frau im Vorbeigehen und hastet in die Bank. Keine Minute später ist sie wieder draußen, steigt in ihr Auto und rauscht davon.

9 Uhr: Über den Platz hinweg starren sich das Sparkassen- und das Volksbank-Gebäude gegenseitig missmutig an. Im Volksbank-Café steht Norma Link hinter der Theke und verkauft reihenweise belegte Brötchen an Aktentaschenträger auf dem Weg zur Arbeit. "Ich bin zufrieden mit der Lage", sagt sie. "Klar, es gibt schönere Flecken in Bitburg, aber nachmittags sitzen die Leute trotzdem gerne hier und trinken Kaffee."

10 Uhr: 1,92 Euro bezahlt man für ein Roggenbrötchen mit Fleischwurst, Ei, Salat, Gurke und Remoulade in einer kleinen Bäckerei. Wenn man sie denn findet, versteckt in einer Gasse hinter baufälligen Gebäuden. Seit 6.15 Uhr verkaufen Julia Wittenbeck und Inga Wilhelm Frühstücksbrötchen an ihre Stammkunden und erklären: "Wir haben ab heute neue Preise, alles ein kleines bisschen teurer." Ein Kunde nimmt's gelassen: "Ich hoffe, dann ist Ihr Lohn auch gestiegen."

11 Uhr: Nun stehen immer mehr Langzeitparker auf dem Bedaplatz. Parken ist hier zwar kostenlos, doch in einigen Reihen gilt: Wer sein Blech länger als drei Stunden abstellt, muss blechen. Zwei Mitarbeiterinnen des Ordnungsamts drehen ihre Runde und verteilen mehr als einen Strafzettel.

12 Uhr: High Noon. Nguyen Thi Thuy Loan wischt die Theke des Schnell-Imbisses ab. Die "Wurstbud" ist bereit für den Ansturm zur Mittagspause. Hier verkauft der Vietnamese hungrigen Bauarbeitern und Büroangestellten Frühlingsrollen, Hühnchen in süß-saurer Sauce, Mettwurst und Pommes.

13 Uhr: Neben Deutsch und Vietnamesisch ist plötzlich auch Englisch an der "Wurstbud" zu hören. Thomas Morton hat Besuch aus seiner Heimat, den USA: Anthony Lane und dessen Frau Beverly. Morton und Lane sind alte Army-Kameraden, sie waren früher gemeinsam in Karlsruhe stationiert. Nun dient Morton auf der Airbase Spangdahlem und zeigt seinen Freunden Bitburg. Sie wollen die Brauerei besichtigen. Doch zuerst steht am Imbiss eine "German Bratwurst" auf dem Plan: "Die mag schließlich jeder", sagt Morton.

14 Uhr: Der Bedaplatz ist mittlerweile komplett zugeparkt. Inmitten des Blechmeeres: eine kleine grüne Blumen-Insel. Sie verbirgt öffentliche Toiletten. Der Urin riecht bis zur obersten Treppenstufe, die gelblich-grünen Kacheln entführen in die 1970er Jahre, über den Waschbecken ist spiegelnde Folie direkt auf die Fliesen geklebt, an die Mauer hat ein Witzbold in roter Farbe "Salon" gesprüht. Großstadt-Flair mitten in Bitburg.

15 Uhr: Topmodern: Ein dunkler VW tankt Strom an einer Ladestation für Elektroautos. Einige Meter daneben steht ein Glaskasten mit Telekom-Logo. Wenige Menschen dürften ihn noch als Telefonzelle erkennen. Und die ist ganz auf der Höhe ihrer Zeit: Sie nimmt D-Mark- und Euro-Münzen an.

16 Uhr: Nur wenige hundert Meter entfernt plantschen Kinder im Springrunnen am Spittel. Der Bedaplatz kann nur mit einem kleinen Brunnen direkt neben der Sparkasse dienen, aus dem eine braune, klumpige Säule ragt wie ein Geschwür. Aber der reicht der kleinen Elona, die mit ihrem Vater Nikolaj Hermann am Bedaplatz spazieren geht. Sie taucht die Hände ins Wasser und jauchzt vergnügt.

17 Uhr: Das schönste Gebäude am Platz ist das Haus Beda. Viel los ist dort bis jetzt nicht in der Ausstellung "Bier in Werbung und Kunst". Ingrid Ortmans hält Aufsicht zusammen mit ihrer kleinen Hündin, die ihr auf Schritt und Tritt folgt. "Manchmal kommen den ganzen Tag nur zwei Leute", erzählt sie. "Vielleicht wäre das anders, wenn es am Platz etwas mehr Gastronomie gäbe, damit Leute hier nicht nur parken, sondern etwas länger bleiben."

18 Uhr: Der Bedaplatz leert sich langsam. Im ehemaligen Aldi-Markt wurde vor wenigen Monaten noch Kleidung für Flüchtlinge verteilt. Das heruntergekommene Gebäude gehört mittlerweile der Stadt. Nun genießen im Schutt vor der Tür zwei Schuhe, braun, Größe 45, die letzten Sonnenstrahlen.

19 Uhr: Die Banken sind mittlerweile geschlossen, das Bedahaus, die Bäckerei und das Café ebenso. Doch es brennt noch Licht am Bedaplatz, und so schnell wird es nicht ausgehen: Irgendwo im Bürogebäude scheint noch jemand fleißig in die Computertasten zu hämmern. Und im Fenster von "Schnicks Casino" verrät ein Schild, dass die Türen von 8 bis 2 Uhr "für nette Leute ab 21 Jahren" geöffnet sind. Der Bedaplatz schläft nicht.

InfoSchaffe, schaffe, Häusle baue

Zwölf Stunden auf dem Bedaplatz in Bitburg
Foto: Adrian Froschauer
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Foto: Adrian Froschauer

Auf dem Grundstück an der Ecke Bedaplatz/Gartenstraße, plant die Arend GmbH einen großen Gebäudekomplex mit rund 40 Wohnungen. Geschäfte und Läden soll das Wohnhaus nicht beherbergen.

Das Einkaufszentrum Bit-Galerie soll im Bereich Karenweg/Bedastraße entstehen und rückwärtig, gleich neben der Kreissparkasse, an den Beda-Platz grenzen. Die Galerie soll 7000 Quadratmeter Verkaufsfläche für Bekleidung, Sportartikel, Elektronik und Parfümerie bieten.