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Justiz
1500 Briefe in Papiertonne entsorgt - Postbotin in Bitburg verurteilt

Die 25-Jährige Postbotin soll auch Geld aus den Umschlägen genommen haben - wie in dieser nachgestellten Szene.
Die 25-Jährige Postbotin soll auch Geld aus den Umschlägen genommen haben - wie in dieser nachgestellten Szene. FOTO: TV / Christian Altmayer
Bitburg. Eine Postbotin hat gestanden, 1500 Briefe in ihrer Papiertonne entsorgt zu haben. Vor dem Amtsgericht Bitburg sagt sie, sie habe die Auslieferung der Sendungen nicht geschafft.  Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

So schildert die junge Frau vor dem Amtsgericht Bitburg, was sie zur Unterschlagung von Briefen und zur Verletzung des Postgeheimnisses getrieben hat. In einem Geständnis bestätigt sie, was ihr vom Staatsanwalt vorgeworfen wird. Ja, sie hat 1500 Briefe in den Abfall geworfen. Und ja, sie hat in Umschläge reingeschaut. „Zuerst aus Neugier“, erzählt sie mit brüchiger Stimme: „Ich dachte: Die kommen sowieso nicht mehr an.“ Später habe sie aber auch insgesamt 670 Euro aus Trauerkarten gstohlen – „wofür ich mich sehr schäme.“ Doch es sei nicht die Gier gewesen, die sie zum „schlimmsten Fehler in meinem Leben“,  gebracht hatte. Sondern die Überforderung. 

Die Angeklagte: Die Eifelerin ist gelernte Verkäuferin. Nach der Ausbildung habe sie aber keine Stelle bekommen. Monatelang schlug sie sich mit Zeitarbeit und Arbeitslosengeld durch. „Ich war wirklich froh, dass ich die Stelle bei der Post bekommen habe“, erzählt sie.

Eingesetzt wurde sie als „Springerin“. Das heißt: Sie übernahm  für Kollegen, die krank oder im Urlaub waren. Daher sei sie jeden Tag eine andere Tour gefahren. Mal ging es nach Bettingen, mal nach Spangdahlem, mal nach Oberweiler. Doch durch die Wechsel wollte sich keine Routine einstellen. Immer öfter habe sie die Auslieferung nicht geschafft. „Wenn ich am nächsten Tag zur Arbeit kam, wurde ich von den Stammzustellern angemault. Manche besprachen das zu zweit mit mir, manche vor versammelter Mannschaft.“

Doch sie versuchte sich weiterhin nicht unterkriegen zu lassen, wollte unbedingt, dass ihr befristeter Vertrag verlängert wird. Und so habe sie sich nicht mal wegen einer Muskelentzündung krankschreiben lassen. Die regulären Arbeitszeiten von 7 bis 16.30 Uhr habe sie im Herbst 2017 längst nicht mehr eingehalten, täglich drei bis vier unbezahlte Überstunden gemacht. Und trotzdem sei sie den Briefen nicht Herr geworden.

Der Ausweg: Da kam ihr die Idee, die sie auf die Anklagebank bringen sollte. Es sei befreiend gewesen, die Briefe zu entsorgen: „Am nächsten Tag konnte ich neu anfangen“, erinnert sie sich. Monatelang stellte sie die blaue Tonne nicht vor die Tür. Man hätte die Briefe ja finden können. Die Konsequenzen ihrer Taten habe sie verdrängt.

Bewusst wurden sie ihr wohl erst, als Postangestellte die Sendungen Ende Oktober im Abfall fanden. Es war nicht schwer die Täterin zu ermitteln. Etliche Beschwerden gingen beim Unternehmen ein. Bald stellte sich heraus: Briefe  verschwanden nur, wenn die 25-Jährige Dienst hatte. Nach dem Fund geschah dann das, was sie befürchtet hatte: Sie wurde entlassen. Und die Staatsanwaltschaft erhob Strafanzeige.

Das Urteil: All das räumt sie ein, was Richter und Staatsanwalt beeindruckt. „Es ist selten, dass jemand so ein Geständnis ablegt“, sagt der Vorsitzende Christian Scholz. Weitere Zeugen werden nicht gehört. Und nur der Staatsanwalt hält ein Plädoyer. Die Eifelerin ist ohne Rechtsbeistand erschienen, verteidigt sich selbst. Obwohl von Verteidigung kaum die Rede sein kann. Ihr letztes Wort nutzt sie, um sich  zu entschuldigen, akzeptiert das von der Anklage geforderte Strafmaß. Dem folgt Scholz auch  im Richterspruch. Und so wird sie zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Zusätzlich sollen die gestohlenen 670 Euro eingezogen werden. Sie muss die Kosten des Verfahrens tragen, sowie eine Auflage von 500 Euro an den Förderverein des Technischen Hilfswerks.