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Gesundheit
Geburtshilfe in Bitburg: Willkommen in der Eifel!

 Mit 500 bis 600 Entbindungen wird dieses Jahr in der Geburtshilfe im Marienhaus Klinikum Eifel gerechnet. 
Mit 500 bis 600 Entbindungen wird dieses Jahr in der Geburtshilfe im Marienhaus Klinikum Eifel gerechnet.  FOTO: dpa / Waltraud Grubitzsch
Bitburg. 555 Babys sind im vergangenen Jahr im Bitburger Krankenhaus Marienhaus Klinikum Eifel auf die Welt gekommen. Der Rekord des vorherigen Jahres wurde nicht geknackt.
Patricia Fee Prechtel

Geschlossene Geburtsstationen im Umkreis, neue Trends beim Thema Geburten und amerikanische Babys. Dr. Franz-Rudolf Jerono berichtet dem TV, was das Marienhaus Klinikum Eifel derzeit beschäftigt.

 

Zahlen Als Franz-Rudolf Jerono seinen Dienst im Bitburger Krankenhaus 2007 begann, wurden im gleichen Jahr 350 Babys geboren. Zehn Jahre später waren es 623, 2018 nur noch 555. Woran die leichte Abnahme liegt, kann er nur mutmaßen. „Wir gehen davon aus, dass 2016 mehr Babys in unserem Krankhaus auf die Welt kamen, weil in dem Jahr auf dem Flugplatz Bitburg ein Flüchtlingsheim eingerichtet war. Und die dort lebenden Mütter haben auch bei uns entbunden.“ Die Anzahl der Geburten, sagt Jerono, könne man sich in Wellenform vorstellen. Mal werden mehr Kinder geboren, mal weniger. Im Schnitt finden zudem etwa drei Zwillingsgeburten im Jahr in der Geburtsstation statt.

 

Ärzte In der Hauptfachabteilung Gynäkologie und Geburtshilfe arbeiten insgesamt neun Ärzte, davon ein Chefarzt, zwei Oberärztinnen und sechs Assistenzärzte, wobei auch Teilzeitbeschäftigte darunter sind. Zudem arbeiten 13 Hebammen im Marienhaus Klinikum Eifel. Jerono sei bemüht, seine Mitarbeiter motiviert zu halten, sagt er, und seine eigenen Mitarbeiter selbst großzuziehen und anzulernen. Denn dann würden sie in der Region eher sesshaft. Außerdem sei das Krankenhaus sehr engagiert, was die Arbeit mit ausländischen Mitarbeitern angehe. Dabei sei allerdings eine Grundvoraussetzung dabei: Sie müssen die deutsche Sprache beherrschen.

 

Gesetz „Rein rechtlich“, erklärt Jerono, „muss in Deutschland jeder Bürger im Umreis von 40 Kilometern ein Geburtshaus erreichen können“. Das ist in der Eifel momentan noch der Fall. Jerono ist daher zuversichtlich, dass die Geburtsstation in Bitburg auch weiterhin bestehen bleibt. Was allerdings auch machbar wäre: Werdende Eltern, die nach Belgien fahren, um dort zu entbinden. Das sei aber keine optimale Lösung, sagt Jerono.

 

Einzugsgebiet Das Einzugsgebiet der Geburtsstation im Marienhaus Klinikum Eifel reicht von Arzfeld bis an die belgische Grenze. Da eine deutsche Frau im Durchschnitt 1,6 Kinder auf die Welt bringt, rechnet Jerono daher auch in diesem Jahr mit 500 bis 600 Entbindungen. Die Auswirkungen der Schließung der Geburtshilfe im Krankenhaus Maria Hilf in Daun kann Dr. Jerono noch nicht abschätzen. „Das können wir jetzt noch nicht  feststellen. Aber ich schätze, dass viele werdende Eltern auch nach Mayen oder nach Wittlich fahren werden. Es werden nicht alle zu uns kommen.“

 

Die Geburtsstation in Bitburg Moderne Räume, schöne Zimmer, kurze Wege: Die Abteilung der Gynäkologie bietet eine familiäre Atmosphäre. Monatlich wird eine Kreissaalführung angeboten, die laut Aussage der Pressesprecherin Doris Fandel gut angenommen wird. „Früher kamen acht bis neun Paare, heute auch mal 25.“ Drei Kreißsäle stehen den werdenden Müttern zur Verfügung. In einem angrenzenden Raum steht eine große Badewanne, in der Wassergeburten stattfinden können.

Obwohl Dr. Jerono ein großer Befürworter dieser Art der Geburt ist, und seine Patientinnen dazu ermutigt, ihre Kinder so auf die Welt zu bringen, nehmen nur 7 Prozent diese Art der Geburt war. Die Anzahl der Kaiserschnitte, die in der Station durchgeführt werden, liegen laut Dr. Jerono mit 33 Prozent im bundesweiten Durchschnitt.

 

Namen Da wegen des amerikanischen Stützpunktes in der Nähe viele amerikanischen Familien in Bitburg entbinden, geht der Trend auf der Station von Dr. Jerono hin zu englischen Namen. „Bei den bundesweiten Trends, sein Kind Ben oder Emma zu nennen, machen wir hier nicht mit“, sagt er und lacht. Im Schnitt entbindet er 80 Kinder amerikanischer Frauen im Krankenhaus. Das Marienhaus Klinikum Eifel sei für die amerikanischen Patienten vor allem deshalb so attraktiv, da sie sich dort auch ohne Probleme in englischer Sprache verständigen können. „Darauf sind wir sehr gut vorbereitet“, sagt Jerono.

 

Trend „Hypnogeburt wird definitiv ein Thema werden“, sagt der leitende Oberarzt. Bei einer Hypnogeburt befindet sich die gebärende Mutter in einer selbst heraufbeschworenen Art Trance.

Durch Hypnose vorbereitete Schwangere sollen weniger Schmerzmittel benötigen als andere Schwangere, und auch die Geburtsdauer soll sich in der Regel verkürzen. „Wir müssen noch die rechtliche Situation klären, sind aber gewillt, die Hypnogeburt als eine Alternative zu etablieren“, erklärt Jerono.