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Baukultur
Wohnen mit Hühnerloch und Heufenster

In Kruchten wurde in der Maximinstraße ein alter Hof zu einem modernen Mehrfamilienhaus umgebaut.
In Kruchten wurde in der Maximinstraße ein alter Hof zu einem modernen Mehrfamilienhaus umgebaut. FOTO: Stefanie Glandien / TV
Kruchten. Verliebt in alte Steine: In Kruchten ist aus einem abrissreifen Hof in der Maximinstraße ein modernes Mehrfamilienhaus entstanden. Und ein neues Objekt im Dorf ist auch schon gefunden.

Man braucht schon viel Fantasie, um für manche alten, abrissreifen Häuser  eine Vision zu entwickeln. Eine Vision, was werden könnte, wenn man so ein altes Schätzchen renoviert und wieder mit Leben füllt.

Was das alte Wagner-Haus in Kruchten angeht, war der Abriss eigentlich schon beschlossene Sache. Die Gemeinde hatte das Haus erworben, das kurz vor dem Verfall stand. Gerettet hat es Alfred Schmalen zusammen mit Fred Wolf und Marc Michels. „Für einen Abriss war mir das Haus zu schade. Das hätte mir in der Seele wehgetan“, sagt Schmalen. Der Elektromeister ist in Kruchten geboren. Alte Häuser waren schon immer seine Leidenschaft. Seine Mutter stammt aus dem ältesten Haus (1772) Kruchtens.

Zusammen mit seinen beiden Luxemburger Freunden und Architekt Rainer Roth aus Meckel hat er sich für den Hof und die Scheune eine neue Aufteilung ausgedacht und mit viel Eigenleistung umgesetzt.  „In alten Häusern zu arbeiten ist meine Leidenschaft. Dabei kann ich mich absolut entspannen“, sagt er. Bis auf die Sanitärarbeiten und die Fliesen hat er alle baulichen Sachen selbst gemacht. Mauern, Decken einschalen, verputzen – alles kein Problem für den Elektromeister, der seit 42 Jahren bei einer Firma in Echternach arbeitet und schon viele alte Bauernhöfe und Kirchen mit renoviert hat.

„Für mich hat jedes alte Haus eine Seele. Ich sitze manchmal nach getaner Arbeit da und male mir aus, wie später alles aussehen wird.“  Detlef Kleintitschen, Kreisdenkmalpfleger bei der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm, habe ihn bei seinen Arbeiten „supergut beraten“, sagt Schmalen. Gefördert  wurde der Umbau mit insgesamt 15 000 Euro.

Das Gebäude wurde innen neu aufgeteilt und strukturiert. Waren vorher Wohnbereich, Stall und Scheune nebeneinander angeordnet, haben die Bauherren stattdessen vier moderne Wohneinheiten konzipiert  mit Flächen zwischen 75 und 105 Quadratmetern. In der großen Scheunentoröffnung gibt es deswegen jetzt auch zwei Fenster. Geblieben sind die typischen Heufenster, die früher den Dachboden belüftet haben. Von dort hat man heute einen schönen Blick auf die Kirche gegenüber.

Das Haus ist energetisch auf dem neusten Stand. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe. Der Pufferspeicher steht im alten Gewölbekeller, wo früher die Kartoffeln lagerten.

Ebenfalls geblieben ist das ehemalige Hühnerloch. Dort sind die Tiere über eine Rampe in ihren Stall gelangt. „Das Loch war überputzt. Ich habe es erst später entdeckt und wieder frei gelegt“, sagt Schmalen. In Erinnerung an seine alte Funktion  sitzt dort nun ein getöpfertes Huhn im Nest und blickt auf den Hof. Inserieren musste Schmalen seine Wohnungen nicht. Auf dem Sportplatz bei einem Stubbi wurde die erste vermietet, durch Mund-zu-Mund-Propaganda war  kurze Zeit später die zweite weg.

Was rät er Menschen, die ebenfalls Interesse daran haben, ein altes Haus auf Vordermann zu bringen? „Man muss viel Herz und Zeit mitbringen. Geld kann man nicht damit verdienen.“ Wer meint, mit einem alten Haus ein Schnäppchen machen zu können, liege falsch. Oft kommen noch Investitionen, an die man vorher nicht gedacht habe. Und wenn man zwei linke Hände hat und nicht viel selbst machen kann? „Dann wird es kompliziert. Dann muss man für alles jemanden fragen“, sagt der Experte.

Fünf Jahre lang hat der vierfache Vater an dem Haus gearbeitet, das mitten im Dorf, vis-à-vis zur Kirche steht. 2014 war es fertig. Im Dorf war die Resonanz positiv, „obwohl einige wohl dachten, ich werde nie mehr fertig“, sagt er und lacht.

Und ein neues Projekt gibt es auch schon. „Ich habe das alte Haus meines Urgroßvaters gekauft“, sagt der 57-Jährige. Die einstige Schrotmühle hat auch schon ihre beste Zeit hinter sich. In der kleinen Werkstatt hat Alfred Schmalen eine alte Schreinerbank gefunden. „Ich vermute, die ist noch von meinen Urgroßvater“, sagt er und lächelt versonnen. Einen Plan hat er schon gefasst: „Im Stall werde ich meine ganzen schönen alten Sachen unterbringen – unter anderem dann auch die alte Werkbank.“ Wo anderen die Fantasie fehlt, hat Alfred Schmalen schon längst eine Vision.

Im ehemaligen Hühnerloch,durch das früher die Hühner in den Stall schlüpften, sitzt heute ein Tonhuhn im Nest. Bauherr Alfred Schmalen hat das alte Loch wieder freigelegt.
Im ehemaligen Hühnerloch,durch das früher die Hühner in den Stall schlüpften, sitzt heute ein Tonhuhn im Nest. Bauherr Alfred Schmalen hat das alte Loch wieder freigelegt. FOTO: Stefanie Glandien / TV
Im ehemaligen Hühnerloch, durch das früher die Vögel in den Stall schlüpften, sitzt heute ein Tonhuhn im Nest. Bauherr Alfred Schmalen hat das alte Loch wieder freigelegt.
Im ehemaligen Hühnerloch, durch das früher die Vögel in den Stall schlüpften, sitzt heute ein Tonhuhn im Nest. Bauherr Alfred Schmalen hat das alte Loch wieder freigelegt. FOTO: Stefanie Glandien / TV
Durch das ehemalige Heufenster hat man einen schönen Blick auf die Kirche gegenüber.
Durch das ehemalige Heufenster hat man einen schönen Blick auf die Kirche gegenüber. FOTO: Stefanie Glandien / TV
Bauherr Alfred Schmalen in einer der Mietwohnungen.
Bauherr Alfred Schmalen in einer der Mietwohnungen. FOTO: Stefanie Glandien / TV
Durch das ehemalige Heufenster hat man einen schönen Blick auf die Kirche gegenüber.
Durch das ehemalige Heufenster hat man einen schönen Blick auf die Kirche gegenüber. FOTO: Stefanie Glandien / TV
Altes Haus in Kruchten vor der Renovierung. Foto: Volker Strupp
Altes Haus in Kruchten vor der Renovierung. Foto: Volker Strupp FOTO: Volker Strupp / TV
(sn)