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Landmarken
Besinnliches Wahrzeichen bei Oberkail

Die Frohnertkapelle, die sich sehr schön in die Umgebung einfügt.
Die Frohnertkapelle, die sich sehr schön in die Umgebung einfügt. FOTO: Christina Bents
Oberkail. TV-Serie Landmarken: Die Frohnertkapelle bei Oberkail ist den 14 Nothelfern geweiht. Sie wird von Pilgergruppen besucht, es werden Gottesdienste Taufen und Hochzeiten gefeiert.

Das Gelände um die Frohnertkapelle hat etwas Parkähnliches. Mehrere alte Bäume, eine gepflegte Rasenfläche, eine Hainbuchenhecke und die Lage, auf einem Hügel rund zwei Kilometer von Oberkail entfernt, inmitten von Wiesen und Feldern, tragen dazu bei. Hier kann man zur Ruhe kommen und ein wenig Abstand vom Alltag finden.

Die Kapelle, die nach Überlieferungen in den Jahren 1646/47 gebaut wurde, ist sehr gepflegt. In diesem Jahr wurde sie beispielsweise neu gestrichen, der Sandsteinboden ist in einem guten Zustand und das Gotteshaus wirkt hell und freundlich. 70 bis 80 Personen finden hier Platz. Die 14 Nothelfer, denen sie geweiht ist, sind um den Altar aufgemalt. Hildegard Wallscheid vom Pfarrgemeinderat  erklärt: „Die Figuren sind zweimal gestohlen worden, deshalb hat man sie aufgemalt.“ Engel, die von der Frauengemeinschaft gestiftet wurden, zieren den Altar. Hildegard Wallscheid: „Den Menschen hier ist die Kapelle wichtig, es ist ein Wahrzeichen von Oberkail, deshalb sind sie auch bereit, sich ehrenamtlich einzubringen, stellen Parkflächen zur Verfügung oder stiften Dinge.“ Daneben, schaut Küsterin Ute Illigen regelmäßig nach der Frohnertkapelle.

In ein Buch, das im hinteren Bereich der Kapelle ausliegt, schreiben Menschen ihre Anliegen auf, die sie bewegen, die Kapelle aufzusuchen. Sie bitten beispielsweise um Segen für Angehörige, das ungeborene  Kind, Geduld mit Familienangehörigen, ihrem Papa und Opa, und bedanken sich für ihre tolle Familie oder eine wundervolle Frau, mit der sie die Kapelle besuchen. Dankestafeln zeugen davon, dass hier wohl auch Bitten erhört worden sind.

Regelmäßig besuchen Matthiasbruderschaften, beispielsweise aus Euskirchen, dem Raum Kall oder Holzbüttgen, den Wallfahrtsort. Von Mai bis September finden montagabends Rosenkranzgebete und anschließend Gottesdienste statt. Anfang Mai geht eine Lichterprozession von der Pfarrkirche nach Frohnert und im September eine den umgekehrten Weg. Der Kreuzweg, der an Karfreitag gebetet wird und an der Frohnertkapelle endet, hat bei jedem Wetter viele Teilnehmer.    

Dass die Frohnertkapelle an diesem Platz steht, war eigentlich anders geplant. Graf Philipp Dietrich von Manderscheid-Kail wollte die Kapelle, die er in einer Vision schon als Bildnis in der Luft gesehen hatte, im Tal unterhalb des Frohnertbergs bauen.

Am ersten Bautag wurden Material herbeigeschafft, Bäume gefällt und die Ecksteine gesetzt. Doch am nächsten Tag, als die Oberkailer die Arbeit fortsetzen wollten, war das Material weg und die Wiese sah unberührt aus. Sie fanden die Sachen schließlich auf der höchsten Erhebung zwischen Oberkail und dem Bierbachtal.

Aber der Graf wollte, dass die Kapelle im Tal gebaut wurde, und so haben die Helfer alles wieder heruntergetragen. Am nächsten Tag zeigte sich das gleiche Bild, und schließlich wurde die Kapelle auf der Anhöhe gebaut. Am ursprünglichen Bauort stellte man einen Quader auf, der ein zur Fratze verzerrtes Gesicht zeigt, den Teufelsstein. Er sollte an diese Begebenheit erinnern.  

Die Frohnertkapelle ist im spätgotischen Stil erbaut. Sie ist achteckig, hat einen vorgelegten Vorraum und einen schmalen Chorraum. Architektonische Vorbilder könnten die älteste Gnadenkapelle in Luxemburg, die der „Trösterin der Betrübten“ geweiht ist, oder die Jerusalemer Himmelfahrtskapelle gewesen sein.

Zwischen Mai und September finden, montagabends um 19.30 Uhr ein Rosenkranzgebet und um 20 Uhr ein Gottesdienst in der Frohnertkapelle statt.

Der Altar mit den aufgemalten Heiligen, die ihn einrahmen.
Der Altar mit den aufgemalten Heiligen, die ihn einrahmen. FOTO: Christina Bents