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Regionalentwicklung
Bevölkerungsentwicklung im Eifelkreis: Klein ist nicht mehr fein

FOTO: TV / Johannes Schramm
Bitburg-Prüm. Die Eifeler werden immer mehr. Vor allem durch Zuzüge wächst die Bevölkerungszahl. Aber die Statistik zeigt: Manche Gemeinden, vor allem die kleinen, schrumpfen. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Fast 100 000 Menschen leben im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Tendenz steigend. Das belegen die Zahlen des Statistischen Landesamts. Demnach hat sich die Bevölkerung allein in den vergangenen zehn Jahren um 3000 Personen erhöht. Das entspricht einer Steigerung von drei Prozent. Hier spielt vor allem der Zuzug eine Rolle. Denn an der Geburtenrate kann es nicht liegen. Die ist zwar leicht angestiegen. Trotzdem sind weniger Eifeler zur Welt gekommen, als diese verlassen haben. In den vergangenen zehn Jahren sind etwa 12 000 Menschen rund um Bitburg und Prüm gestorben, geboren wurden rund 9000. Dieses Minus mussten die Eifeler ausgleichen, um zu wachsen. Mit Erfolg, wie ein Blick auf die Verbandsgemeinden zeigt. Warum hier gerade die Kleinste punkten konnte.

Die Verbandsgemeinden: Fast alle VGs zählen heute mehr Bewohner als vor zehn Jahren – nur Prüm und Arzfeld nicht. Gerade letzterer Kommune ist der Trend deutlich. So wohnten im Islek 2017 rund 300 Menschen weniger als 2007. Davon sind zwar in den vergangenen fünf Jahren nur 35 weggezogen oder gestorben. Dennoch schneidet die VG am Schlechtesten ab.

Bürgermeister Andreas Kruppert sieht die Gründe im demografischen Wandel und im geringen Zuzug. Und woran liegt das? „Grundsätzlich gilt, dass die Infrastruktur passen muss. Es braucht schnelles Internet und ärztliche Versorgung. Hieran müssen wir arbeiten“, räumt er ein. Der entscheidendste Faktor aber sei die Verfügbarkeit von Bauland. Derzeit sei die VG dabei, Flächen zu schaffen. Überhaupt gebe es „gegenteilige Entwicklungen“ zur Bilanz: „Derzeit stellen wir sowohl eine höhere Geburtenrate als auch einen Zuzug fest. In den letzten drei Jahren haben wir ein Wachstum von circa sechs Prozent zu verzeichnen.“ Trotz allem bleibt Arzfeld das Schlusslicht im Kreis. Wohl auch, weil die positiven Zahlen von 2018 bislang nicht ausgewertet wurden.

Ähnlich sieht es in der VG Prüm aus. „Starke Schwankungen“ könne Bürgermeister Aloysius Söhngen aber nicht erkennen. Tatsächlich hat seine Kommune seit 2007 zwar rund 40 Einwohner verloren, zwischen 2012 und heute aber aufgeholt. Immerhin wohnen um die Abteistadt  wieder rund 100 Personen mehr als vor fünf Jahren. Obwohl die Gesamtbilanz also negativ ist, sieht Söhngen die Bevölkerung in seiner Kommune als „stabil“, die VG als „attraktiv“ an. Es gebe die niedrigste Arbeitslosigkeit im Land, Baugebiete würden zügig erschlossen und vermarktet. Die Statistik gibt dem Bürgermeister Recht.  Aber es lassen sich auch Gegenbeispiele finden: Etwa Pronsfeld, das seit 2012 fünf Prozent seiner Einwohner verloren hat. Das hänge, so Söhngen, von „subjektiven Faktoren“ in den Ortsgemeinden ab.

Warum es aber in anderen Eifeler VGs nicht so aussieht? „Hier spielt die Nähe zu Luxemburg eine überragende Rolle“, sagt Söhngen. Ob diese Analyse zutrifft? Dazu später mehr. Insgesamt scheint es jedenfalls aufwärts zu gehen.

Aufwärts und immer nur aufwärts geht es seit Jahren in Bitburg. Die größte Stadt im Kreis hat sich, wenig überraschend, am Besten entwickelt. In zehn Jahren gewann sie rund 1600 Einwohner hinzu. Das entspricht einer Steigerung von zwölf Prozent und macht sie zum Spitzenreiter. Die Gründe laut Stadtsprecher Werner Krämer: Bitburg sei eine „lebens- und liebenswerte Landstadt mit hervorragender Verkehrsanbindung nach Luxemburg, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten sowie Verwaltungs- und Sozialeinrichtungen.“

Mit einigem Abstand folgt die VG Speicher. Sie hat unter den Flächenkommunen den besten Schnitt – zumindest prozentual gesehen. Nach der Statistik des Landesamtes ist die Bevölkerung in der kleinsten Eifeler VG  nämlich um 5,5 Prozent gewachsen. Das entspricht 440 Personen. Bürgermeister Manfred Rodens führt die Bergfahrt vor allem auf die gute Entwicklung der Stadt Speicher als „starkes Grundzentrum mit einem hohen Angebot an Versorgungsleistungen“ zurück.

In absoluten Zahlen sind zwar ins Bitburger Land (557) und in die Südeifel (663) mehr Menschen gezogen. Weil diese Gegenden aber dichter besiedelt sind, macht der Zuzug hier nur 2,1 beziehungsweise 3,6 Prozent aus. Aber schauen wir doch genauer auf die Gemeinden:

Die Gewinner: Wie erwähnt, haben sich manche Gemeinden im Speicherer Land hervorragend entwickelt. Allen voran: die Töpferstadt. 9,8 Prozent Wachstum, 305 Bürger mehr – für eine Gemeinde mit 3500 Einwohnern sind das starke Zahlen. Aber auch Herforst, Preist und Spangdahlem gehören zu den Gewinnern. Die Dörfer haben es geschafft, junge Familien in die Neubaugebiete zu ziehen – auch amerikanische. Die Nähe zur Air Base Spangdahlem war und ist ein Standortvorteil. Das bestätigt VG-Chef Rodens: „Wir verzeichnen durch den Flugplatz günstige Effekte, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt.“

Von denen könnte auch Dudeldorf profitiert haben, liegt der Ort im Bitburger Land ja nur wenige Kilometer vom Stützpunkt entfernt. Das Dorf ist jedenfalls ein echter Ausreißer in der Statistik. Immerhin stieg die Einwohnerzahl seit 2007 um fast ein Fünftel (18,1 Prozent). Was die 187 Neubürger in Dudeldorf wollen, ist augenfällig: Die Gemeinde zählt ohne Zweifel zu den schönsten in der Region.

Stark gewachsen ist auch Echternacherbrück. Nur eine Brücke trennt den Ort von Luxemburg. Und das dürfte auch einer der Gründe für die Entwicklung sein, die er hingelegt hat. Heute wohnen hier fast 40 Prozent mehr Menschen als 2007. Die Luxemburger werden von den niedrigen Wohn- und Mietpreisen auf die deutsche Seite der Sauer gelockt, Die Deutschen von den guten Löhnen in die Nähe des Großherzogtums.  

Viele, wenngleich nicht alle Dörfer am Rande der Südeifel, können sich also über wachsende Einwohnerzahlen freuen. Darunter sind große Gemeinden wie Bollendorf, Irrel, Holsthum, Wolsfeld, Alsdorf und Niederweis an der B 275, der Verkehrsader Richtung Echternach. Aber auch ganz Kleine haben von der Grenznähe profitiert, was teils zu kuriosen Zahlen führte. So ist Gemünd an der Our um 85,7 Prozent gewachsen, das Nachbardorf Ammeldingen sogar um 166,5 Prozent. Die Zahlen relativieren sich, wenn man weiß, dass sie den Zuzug von 15 (Ammeldingen), beziehungsweise zwölf Personen (Gemünd) beschreiben. Die Dörfer sind so klein, dass jeder Neuankömmling ins Gewicht fällt.

Die Verlierer: Es mag kaum verwundern, dass viele der Orte, die in den vergangenen Jahren geschrumpft sind, sich im Norden des Kreises befinden – also in den VGs Prüm und Arzfeld, die insgesamt die Schlusslichter bilden. Da wären Dackscheid, Daleiden und Krautscheid im Islek, WawernNiederlauch und Masthorn in der Nähe der Abteistadt. Besonders schlecht schneidet Üttfeld ab. Lebten hier 2007 noch 474 Menschen, sind es heute 400.

Aber auch die Dörfer rund um Neuerburg und Kyllburg machen keine gute Figur. Beide Städte haben Einwohner verloren. In den umliegenden Gemeinden sieht es kaum besser aus. Nasingen, Nusbaum, Sinspelt, Malberg und Ließem  sind nur einige Beispiele. Ein Erklärungsversuch: Sie liegen nicht nah genug an Luxemburg  und zu weit in der Peripherie.

Überhaupt zeigt sich: Je weiter ein Ort von Prüm und Bitburg entfernt ist, desto eher schrumpft er. Das sieht man an den negativen Zahlen in Baustert und Sankt Thomas am äußeren Rand des Bitburger Landes und in Büdesheim und Wallersheim an der Grenze des Prümer Landes. Und ein weiterer Trend ist erkennbar: Besonders kleine Gemeinden verlieren an Attraktivität. Viele Dörfer mit weniger als Hundert Einwohnern gehen auf Talfahrt, etwa  Mauel, Lauperath und Nimsreuland.  Besonders gelitten haben die Orte, die weit in der Peripherie liegen und dazu auch noch klein sind.