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Bitburg-Land plant Verkauf der Burg Rittersdorf

 Die Burg Rittersdorf hat neben der Gastronomie auch eine Außenstelle des Standesamts. TV-Foto: Uwe Hentschel
Die Burg Rittersdorf hat neben der Gastronomie auch eine Außenstelle des Standesamts. TV-Foto: Uwe Hentschel
Rittersdorf. Die Burg Rittersdorf ist zwar bei weitem nicht so defizitär wie das Freibad in Oberweis. Das historische Gemäuer belastet aber dennoch jährlich den Haushalt der Verbandsgemeinde Bitburg-Land mit 13 000 Euro. Deshalb wird über einen Verkauf der Anlage nachgedacht. Der Vorschlag von VG Bürgermeister Josef Junk stößt bei den Ratsmitgliedern jedoch auf geteilte Meinung. Uwe Hentschel

Rittersdorf. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Burg Rittersdorf im Jahr 1263. Genau 750 Jahre später folgt die bislang letzte dokumentierte Erwähnung der Burg. In der Sitzung des VG-Rats Bitburg-Land wird den Ratsmitgliedern nämlich der Jahresabschluss 2012 für den Betriebszweig Burg Rittersdorf vorgestellt. Demnach endete das vergangene Geschäftsjahr mit einem Minus von 13 122 Euro.Verluste relativ gering


Verglichen mit den Defiziten des Betriebszweigs Prümtal Freizeitzentrum Oberweis, die zuletzt jährlich bei rund 200 000 Euro lagen, sind die Verluste der Burg Rittersdorf eher marginal. Da zwischenzeitlich aber das Oberweiser Freibad genau wie der Campingplatz verkauft und auch der Betriebszweig des Freizeitzentrums schließlich aufgelöst wurden, bleiben den VG-Werken jetzt nur noch die Betriebszweige Trinkwasser, Abwasser und Burg Rittersdorf. Sie alle verursachen Kosten. Und wenn es etwas gibt, worauf man in diesem Trio am ehesten verzichten könnte, so wäre das sicherlich die Burg. Zumal dort hohe Investitionen anstehen (siehe Extra).
Nicht wirklich überraschend ist deshalb, dass jüngst in der Sitzung des VG-Rats auch ein möglicher Verkauf der Anlage zur Sprache kam. Wie VG-Bürgermeister Josef Junk erklärte, gebe es sogar einen Interessenten, wobei dieses Interesse bislang sehr vage sei.
Dennoch habe die Verwaltung bereits einen Gutachter beauftragt, um den Wert der Wasserburg zu ermitteln. Laut Jahresabschluss 2012 hat die historische Anlage in der Buchhaltung einen Wert von rund 410 000 Euro. Inwieweit dieser Wert auch den Vorstellungen des Gutachters entspricht, bleibt abzuwarten. Nach Auskunft von Junk liegt bislang noch kein Ergebnis der Wertermittlung vor.VG-Rat ist geteilter Meinung


Im Rat stieß der Vorschlag auf geteilte Meinung. "Nur mit Verweis auf die Kosten ein Gebäude abzustoßen, ist für uns zu kurz gesprungen", sagte CDU-Ratsmitglied Otmar Koch, wenngleich er als Rittersdorfer auch einräumte, dass seine Gemeinde natürlich ein besonderes Interesse daran habe, dass die Burg in öffentlicher Hand bleibe.
Koch befürchtet unter anderem, dass durch einen Verkauf der Anlage auch der dort vorhandene Bolzplatz zukünftig für die Öffentlichkeit nicht zur Verfügung stünde.
Darüber hinaus habe das Kulturdenkmal samt Gastronomie und Standesamt-Außenstelle auch eine Bedeutung für den Fremdenverkehr, der weit über die Grenzen Rittersdorfs hinaus reiche.
Carsten Lenz von den Grünen ist da anderer Meinung. "Ich weiß nicht, wie man es begründen kann, dass man beim Verkauf der Anlage in Oberweis mit Kosten argumentiert und hierbei nicht", sagte Lenz und verwies darauf, dass sich durch einen Verkauf an der bisherigen Nutzung ja nichts ändern muss.
Zudem gebe es ja einen Pachtvertrag mit dem Betreiber der Gastronomie, an den sich auch der neue Eigentümer halten müsse.
Achim Herrmann ist der Pächter und hat seinen Vertrag vor einem Jahr bis 2023 verlängert - mit der Option auf weitere fünf Jahre.
"Wir sind jetzt seit zehn Jahren hier tätig", sagt er auf TV-Anfrage, "und wenn man sieht, was wir an öffentlichen Abgaben und Steuern zahlen, so denke ich, dass man mit der Burg unterm Strich auf plus-minus null rauskommt."
Dass es Überlegungen gibt, die Burg zu verkaufen, davon wusste Herrmann bislang nichts. "Ich bin schon etwas überrascht", sagt er, reagiert im Großen und Ganzen aber recht gelassen. "Da müssen wir jetzt mal abwarten, wie sich das Ganze entwickelt."Extra

Durch die Verpachtung des Burgrestaurants haben die VG-Werke im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von mehr als 33 000 Euro erwirtschaften können, was gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von knapp 6000 Euro war. Die Pachteinnahmen sind gekoppelt an den Umsatz des Restaurantpächters, mit dem die VG nach Auskunft des Bürgermeisters Josef Junk auch sehr zufrieden ist. Dass die VG-Werke trotz der höheren Einnahmen ein Minus von 13 122 Euro und damit 8676 Euro mehr Miese gemacht haben als im Vorjahr, liegt unter anderem an einem Wasserschaden. Für das laufende Geschäftsjahr wird sogar mit einem Jahresverlust von knapp 34 000 Euro gerechnet. Grund dafür ist die marode Heizungsanlage, die nun in drei Stufen saniert werden soll. Zunächst einmal soll allerdings nur der erste Abschnitt umgesetzt werden, für den Kosten in Höhe von 42 000 Euro veranschlagt sind. uhe