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Kriminalität
Skandal erschüttert Eifelkreis Bitburg-Prüm: Mitarbeiter soll 1,5 Millionen Euro veruntreut haben

FOTO: Klaus Kimmling
Bitburg-Prüm. Ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm steht unter dem Verdacht, Geld veruntreut zu haben. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Von Ilse Rosenschild und Florian Schlecht
Ilse Rosenschild

Ein Veruntreuungsskandal erschüttert den Eifelkreis Bitburg-Prüm: Ein Mitarbeiter des Jugendamts steht unter dem Verdacht, eine Summe von 1,5 Millionen Euro hinterzogen zu haben. Das teilte die Kreisverwaltung am Montag mit.

Die Staatsanwaltschaft Trier ermittelt gegen den Tatverdächtigen, dem vorgeworfen wird, über mehrere Jahre hinweg Geld veruntreut zu haben. Oberstaatsanwalt Manfred Stemper wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, ob es bislang Hausdurchsuchungen gab. Wohl aber sagte er, dass der Mitarbeiter unter Verdacht stehe, Geld auf das Konto eines Dritten weitergeleitet zu haben. Stand jetzt, sagte Stemper, gehe die Staatsanwaltschaft von einem einzelnen Täter und nicht von einem Netzwerk aus.

Nebulös bleibt, wie der Mitarbeiter über viele Jahre hinweg die Kreisverwaltung getäuscht haben soll. Beobachter halten zwei Szenarien für denkbar: Der Verdächtige könnte bei Hilfsmitteln intern höhere Ausgaben geltend gemacht haben als dann hinterher an Betroffene wirklich geflossen sind – und die Differenz für sich eingestrichen haben. Denkbar ist auch, dass der Mitarbeiter Pseudo-Identitäten erstellt haben könnte, also Hilfsbedürftige erfunden hat. Oberstaatsanwalt Stemper wollte sich auf TV-Nachfrage nicht zu Spekulationen äußern. „Wir stehen erst am Anfang der Ermittlungen. Die Polizei arbeitet mit Hochdruck an dem Fall.“

Landrat Joachim Streit sagte unserer Zeitung, gegen den Mitarbeiter werde eine Suspendierung eingeleitet. „Der Zugang zur Arbeit und den Betriebssystemen des Kreises ist ihm bereits verwehrt.“ Die Behörde kam dem Verdächtigen durch eine Geldwäsche-Überprüfung der Kreissparkasse Bitburg-Prüm auf die Schliche. Durch einen neuen Algorithmus sei das Konto identifiziert worden, „auf dem unübliche Bewegungen liefen“, so Streit, der als Verwaltungsratsvorsitzender bereits am Donnerstag informiert wurde.

Der Landrat schaltete danach die Staatsanwaltschaft Trier und die Zentralstelle Finanztransaktionsuntersuchungen bei der Generalzolldirektion Köln ein. Eine interne Ermittlungsgruppe sicherte Akten und begann mit einer ersten Auswertung.

Der Schock im Kreis sitzt tief, gesteht Streit. „Wer Vertrauen in einen Mitarbeiter und Kollegen setzt, ist zunächst mal riesig enttäuscht. Ich habe selten so viele traurige Augen auf einmal gesehen, und schon gar nicht in unserer Behörde.“ Streit unterbrach am Montag seinen Urlaub in Niederbayern für einen Tag und fuhr die 715 Kilometer zurück nach Bitburg. Auch der Leiter des Jugendamts verzichtete auf seine freien Tagen, um vor Ort zu sein. Zum näheren Tathergang wollte sich Streit nicht äußern, um Ermittlungen nicht zu gefährden.

Kritik an der Behörde äußert der SPD-Kreisvorsitzende Nico Steinbach: „Wir hinterfragen, welche internen Kontrollmechanismen es gab und wo diese versagt haben“, sagte Steinbach. Streit entgegnet, bereits eine Sonderprüfung in die Wege geleitet zu haben. „Genau um diese Fragen soll es da gehen, die wir transparent beantwortet sehen möchten.“

In der Eifel gab es in der Vergangenheit schon einmal einen Fall von schwerer Veruntreuung. 2007 kam heraus, dass der ehemalige und später in Untersuchungshaft verstorbene Kämmerer der Verbandsgemeinde Obere Kyll 2,53 Millionen Euro innerhalb von 13 Jahren unterschlagen hatte.