| 20:26 Uhr

Baukultur
„Lieber steril bis hässlich“

Von dem ehemaligen Anwesen in der Mötscher Straße ist nicht mehr viel zu sehen. Der Abriss des Hauses hat die Gemüter der Bitburger gespalten.
Von dem ehemaligen Anwesen in der Mötscher Straße ist nicht mehr viel zu sehen. Der Abriss des Hauses hat die Gemüter der Bitburger gespalten. FOTO: Klaus Kimmling
Bitburg. Der Abriss eines Hauses in Bitburg hat für Frust, Kopfschütteln, aber auch Beifall gesorgt. Die Diskussion zeigt, dass viele Eifeler die Baukultur in der Stadt in Gefahr sehen. Von Nathalie Hartl
Nathalie Hartl

Eine Baggerschaufel gräbt sich durch die Überreste des ehemaligen Conrady-Hauses in der Mötscher Straße in Bitburg. Die Immobilie, die bereits den Stadtrat beschäftigt hat, wollte bis zuletzt niemand kaufen und sanieren. Das alte Gebäude ist inzwischen in steinerne Trümmer zerlegt worden, um Platz für ein neues Mehrfamilienhaus mit zwanzig Wohnungen zu schaffen. Damit die Firma Eifel-Haus ihre Pläne umsetzen kann und drei Geschosse in die Höhe bauen kann, ist der Bebauungsplan geändert worden (der TV berichtete).

Im sozialen Netzwerk Facebook ist hitzig über das Thema debattiert worden. Sogar digitale Tränen in Form von Smileys sind geflossen. Während einige den Niedergang der Bitburger Baukultur beschwören und in den geplanten Mietswohnungen eine „Vorstufe zum Hochhaus-Ghetto“ sehen, finden sich auch Stimmen, die den Neubau befürworten. „Wenn das Gebäude schon so marode ist, dann lieber abreißen und ein neues statt ein altes, das hohe Sanierungskosten hätte.“

Auch ein weiterer Diskussionsteilnehmer weint dem Conrady-Haus nicht nach. Alte Bausubstanz solle erhalten werden, wenn sie einen kulturellen und geschichtlichen Wert darstelle. „Ansonsten weg damit. Im Endeffekt ist und bleibt es ein altes Gebäude, welches niemals an die Energieeffizienz eines neuen Gebäudes heranreicht.“ Grundsätzlich zeigt die Debatte, dass es den meisten gar nicht um das Haus in der Mötscher Straße geht, sondern um das Stadtbild im Allgemeinen. So fordern einige stärkere Auflagen, wenn es um Baugenehmigungen geht. Man könne auch neue Gebäude mit schönen Fassaden errichten. „In Bitburg mag man es lieber steril bis hässlich“, spottet ein Nutzer. Ein anderer hat den Eindruck, es würden „überteuerte, potthässliche und absolut nicht ins Stadtbild passende GZSZ-Wohnungen“ errichtet.

Viele Teilnehmer der Diskussion auf der Seite der Bitburger TV-Redaktion fürchten um die „alte Baukultur, die hierzulande überall verloren geht und sterilen Zweckbauten weichen muss“.

Diese Sorgen finden sich in den Debatten des Stadtrats wieder. Auch hier sind die modernen „Kästen“ und „Klötze“ einigen ein Dorn im Auge.

Doch nicht allen geht das Schicksal des Conrady-Hauses nahe: „Jetzt wird hier gejammert über ein Haus, das weg ist. Keiner hat sich die ganzen Jahre dafür interessiert.“